Für die Crews der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger war es ein arbeitsreiches Septemberwochenende: Bis Sonntagabend verzeichnete die DGzRS 32 Einsätze. Besonders eindrücklich waren eine Rettung bei Helgoland, ein Realeinsatz während einer Großübung in der Eckernförder Bucht und die Übernahme einer verletzten Seglerin vor Schilksee. Die vollständige Einsatzbilanz der Seenotretter dokumentiert außerdem Hilfeleistungen für ein Kreuzfahrtschiff, ein festgekommenes Zeesenboot und einen erschöpften Kiter.
Am Freitagmittag, 18. September, rückten die Seenotretter für eine stark unterkühlte Frau auf einer Segelyacht nordöstlich von Helgoland aus. Das knapp zwölf Meter lange Boot hatte sechs Menschen an Bord. Drei Crewmitglieder litten laut DGzRS unter starker Seekrankheit, eine etwa 35-jährige Frau zeigte zudem Anzeichen von Dehydrierung.
Bei westlichem Wind um sechs Beaufort und rund drei Meter hohen Wellen arbeiteten Seenotrettungskreuzer, Tochterboot, Rettungshubschrauber und Notschlepper zusammen. Der Rettungshubschrauber setzte Notarzt und Notfallsanitäter zunächst auf dem Seenotrettungskreuzer „Hermann Marwede“ ab. Mit dem Tochterboot „Verena“ gelangte das Team anschließend zur Yacht. Der Notschlepper „Nordic“ gab Windschutz, damit die Übernahme der Patientin möglich wurde. Die Details des Einsatzes vor Helgoland zeigen, wie anspruchsvoll eine medizinische Übergabe bei schwerem Seegang sein kann.
In der Eckernförder Bucht trainierten am Freitagnachmittag neun Seenotrettungskreuzer und -boote bei der Such- und Rettungsübung SAREx. Gegen 16.10 Uhr wurde aus der Übung ein Ernstfall: Eine Segelyacht meldete über Seefunk Mastbruch am Ausgang der Eckernförder Bucht.
Die Rettungsleitstelle See alarmierte die noch beteiligten Seenotrettungsboote „Eckernförde“ und „Konrad-Otto“ von der Station Kühlungsborn. Zwei Rettungsleute stiegen auf die Yacht über, bargen Mast und Rigg aus dem Wasser und sicherten die Teile an Bord. Anschließend brachten die Retter das Boot mit seiner unverletzten, zweiköpfigen Crew sicher nach Damp.
Die SAREx-Großübung in Eckernförde machte damit unter realen Bedingungen sichtbar, worauf es bei solchen Lagen ankommt: Havaristen stabilisieren, Gefahren durch lose Teile beseitigen und das Boot kontrolliert in einen sicheren Hafen bringen.
Am Sonnabend, 19. September, meldete der Skipper einer rund zwölf Meter langen Segelyacht über UKW-Kanal 16 einen medizinischen Notfall. Etwa 1,8 Seemeilen vor Wendtorf auf der Kieler Außenförde hatte sich eine etwa 40-jährige Mitseglerin bei einem Manöver mutmaßlich den Arm gebrochen.
Das Seenotrettungsboot „Jürgen Horst“ der Station Schilksee lief aus. Ein Rettungsmann übernahm an Bord der Yacht die Erstversorgung. Weil die Verletzte nicht selbstständig auf das Rettungsboot wechseln konnte, transportierte die Crew sie mit einer Schleifkorbtrage nach Laboe. Dort übergab sie die Frau an den Rettungsdienst.
Nicht nur bei schweren Unfällen entscheidet die Vorbereitung der Crew über die ersten Minuten. Welche Abläufe bei einem medizinischen Notfall an Bord wichtig sind, zeigt auch der BOOTE-Beitrag über richtige Sofortmaßnahmen bei Herzstillstand auf dem Wasser.
Weitere Einsätze zeigen die Bandbreite der DGzRS-Arbeit an diesem Wochenende. Im Fehmarnbelt koordinierte die Rettungsleitstelle See die Abbergung einer schwer erkrankten Passagierin vom Kreuzfahrtschiff „Artania“ per Hubschrauber. Vor Born am Darß schleppten die Freiwilligen der Station Prerow/Wieck ein bei Dunkelheit und Wellen bis zu 1,5 Metern festgekommenes Zeesenboot frei.
Bei Gelting rettete die Besatzung des Seenotrettungsbootes „Ursula Dettmann“ einen erschöpften Kiter, der zwischen Wackerballig und Gelting abtrieb. Auf Borkum versorgten zwei Besatzungsmitglieder eine im Hafen gestürzte Seniorin bis zum Eintreffen des Rettungswagens.
Für Motorbootcrews bleibt die wichtigste Lehre: Notrufmöglichkeiten, Position, Erste-Hilfe-Ausrüstung und Rollenverteilung an Bord sollten vor dem Ablegen klar sein. Gerade in anspruchsvollen Revieren kann eine Havarie schnell eskalieren, wie auch ein früherer Seenotfall nach einer Motorboot-Havarie im Seegatt gezeigt hat.
Medizin auf See erklärt Erste Hilfe, Diagnose und Behandlung unter den Bedingungen an Bord. Das Handbuch behandelt unter anderem Verletzungen, Bewusstlosigkeit, Blutungen, Ertrinken und die Vorbereitung der Bordapotheke. Für Skipper und Crew ist vor allem der Praxisbezug wichtig: Das Buch zeigt, wie medizinische Notfälle erkannt und bis zum Eintreffen professioneller Hilfe strukturiert versorgt werden können.
Wie bereiten Sie Ihre Crew auf medizinische Notfälle oder technische Havarien vor: mit festen Rollen an Bord, regelmäßiger Erster Hilfe oder klaren Notrufabläufen? Schreiben Sie Ihre Erfahrungen in die Kommentare.

Redakteur Test & Technik
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