Unbemanntes Boot vor AnkerSo gefährlich kann der Badestopp werden

Jill Grigoleit

 · 04.08.2026

Unbemanntes Boot vor Anker: So gefährlich kann der Badestopp werdenFoto: iStock/skynesher
Symbolbild: aus einem vermeintlich harmlosen Badestopp kann schnell eine lebensgefährliche Situation werden wenn niemand an Bord bleibt.

Es liest sich wie eine Szene aus dem Thriller „Open Water“: Acht deutsche Urlauber gehen vor der griechischen Insel Symi zum Baden. Als sie zurück zum Boot wollen, ist es verschwunden. Sieben werden gerettet, ein Mann wird weiterhin vermisst.

Was als entspannter Badestopp beginnt, entwickelte sich vor der griechischen Insel Symi zu einem dramatischen Rettungseinsatz. Acht deutsche Urlauber sind am Sonntagabend, 2. August, mit einem Segelboot in der Ägäis unterwegs. Die vier Männer und vier Frauen gehen gemeinsam ins Wasser. Dann treibt das unbemannte Boot ab. Als die Gruppe zurückkehren will, ist die Yacht bereits außer Reichweite. Was folgt, erinnert an eine dramatische Szene aus dem Thriller „Open Water“: Die acht Urlauber treiben im offenen Meer, während ihr Boot langsam, aber unaufhaltsam außer Sicht gerät.

Zwei Personen schaffen es am frühen Abend aus eigener Kraft ans Ufer und können die Rettungskräfte alarmieren. Etwa vier Stunden später, kurz vor Mitternacht erreicht eine weitere Frau schwimmend die Küste. Kurz nach 1.20 Uhr spürt ein Boot der Küstenwache dann vier weitere Personen auf.Damit stieg die Zahl der Geretteten auf sieben. Ein Mann bleibt vermisst. Die griechische Küstenwache sucht weiter nach ihm, auch mit Einheiten aus der Luft und auf dem Wasser.

Warum trieb die Yacht ab?

Das Segelboot wurde später unbemannt aufgefunden. Laut griechischen Medien soll kein Anker gesetzt worden sein. Eine offizielle Bestätigung von Seiten der Küstenwache gibt es dazu aber noch nicht. Möglicherweise war der Anker auch nicht korrekt eingefahren und hat sich losgerissen. Die wahre Ursache des Vorfalls wird Gegenstand der Ermittlungen sein. Im Vordergrund steht nun (Stand 4.8.) die Suche nach dem Vermissten.

Was Skipper aus dem Fall lernen können

Der Vorfall zeigt, wie schnell aus einem vermeintlich harmlosen Badestopp eine lebensgefährliche Situation werden kann. Denn wer mit der gesamten Crew ins Wasser geht, hat sein Schiff nicht mehr unter Kontrolle. Schon moderater Wind kann ausreichen, um eine Yacht innerhalb kurzer Zeit deutlich vom Ausgangspunkt wegzutreiben.

Vor dem Sprung ins Wasser sollten deshalb immer Ankergrund, Wassertiefe, Wind und Strömung kontrolliert beziehungsweise einkalkuliert werden. Gerade in Revieren mit wechselnden Wind- und Strömungsverhältnissen kann sich die Lage schneller verändern, als man vom Wasser aus reagieren kann. Im Zweifel sollte immer eine Person an Bord bleiben.

​Eine gesetzliche Pflicht, beim Baden vor Anker immer eine Person an Bord zu lassen, gibt es zwar nicht flächendeckend, aber aus Sicherheitsgründen wird folgendes dringend empfohlen: Erstens: Wenn Sie eine Abkühlung benötigen, stellen Sie vor dem Sprung ins Wasser sicher, dass Sie auch wieder an Bord kommen – besonders dann, wenn das Boot keine Badeplattform hat. Zweitens: Da vor Anker alle möglichen Situationen eintreten können, die eine schnelle Reaktion erfordern, sollte immer mindestens eine Person an Bord in der Lage sein einzugreifen. In einigen Revieren, zum Beispiel in den Berliner Gewässern gilt sogar eine Pflicht. Drittens: Eine Ankerwache, die darauf achtet, dass das eigene Boot auf Position bleibt, ist eigentlich fester Bestandteil guter Seemannschaft. Und auch wichtig zu wissen: ​Viele Kasko-Versicherungen für Boote schließen Schäden aus, wenn ein Schiff unbemannt vor Anker liegt.


Die wichtigsten Tipps zum Ankern finden Sie in unserem Artikel:


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Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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