BootspraxisTricks für den Liegeplatz –Entspannt anlegen

Jan-Ole Puls

 · 21.10.2022

Bootspraxis: Tricks für den Liegeplatz –Entspannt anlegenFoto: J. Strassburger

Wer über einen festen Liegeplatz verfügt, kann ihn mit wenigen Tricks und Kniffen optimieren. Hier zeigen wir, welche Möglichkeiten es gibt und welche Fender, Leinen und Ruckdämpfer zum Einsatz kommen

Will man in der heimischen Box oder am Liegeplatz das Boot optimal schützen und das An- beziehungsweise Ablegen einfach gestalten, gibt es viele kleine Tipps und Tricks. Oft sieht man diese bei Stegnachbarn oder einem abendlichen Spaziergang in Häfen und Marinas. Wer hat welche Fender, wer hat sich was ausgedacht und gebaut. Im folgenden Text stellen wir einiger dieser Lösungen vor. Was sollte ich im jeden Fall beachten? Und was ist eigentlich Reck ?

  1] Langfender 2] einfache Fendermatte 3] Ankerfender 4] Bugfender für runden Bug 5] Kugelfender 6] Bugfender für Spitzbug 7] Fenderkissen 8] Treppenfender | Zeichnung: M. A. Bergmann
1] Langfender 2] einfache Fendermatte 3] Ankerfender 4] Bugfender für runden Bug 5] Kugelfender 6] Bugfender für Spitzbug 7] Fenderkissen 8] Treppenfender | Zeichnung: M. A. Bergmann
Verlagssonderveröffentlichung

Fender

Fender gibt es in allen möglichen Formen, Farben und Größen. Für welche man sich entscheidet, ist oft Geschmackssache. Doch die gängigsten wie Langfender oder Kugelfender findet man gewöhnlich auf jedem Boot. Langfender sind nahezu immer vorhanden und prägen das typische Bild eines im Hafen liegenden Bootes. In unterschiedlichen Größen erhältlich, sind sie für jedes Boot individuell verwendbar. Bei kleinen Booten mit wenig Freibord, also einem kleineren Abstand zwischen Wasseroberfläche und Deckskante, wird ein kleinerer Fender verwendet als bei einer 60-Fuß-Motoryacht mit großem Freibord. Langfender sind einfach in der Handhabung. Mit dem sogenannten Tampen werden sie an einer Klampe oder der Reling befestigt und über Bord gehängt. So können sie sich an der Bordwand abrollen. Fender unbedingt regelmäßig mit klarem Wasser von Salzrückständen und Schmutz reinigen, da sie sonst an der Rumpfoberfläche scheuern und Kratzer verursachen können.

Wenn ein zweiter Tampen angebracht ist, ist es auch möglich, den Langfender als Querfender zu verwenden. In einem solchen Fall kann das Boot aber nicht am Fender „abrollen“, und es kommt deshalb öfter zu Kratzern. Will man die Haltbarkeit von Fendern verlängern, gibt es sogenannte Fenderüberzieher. Diese schützen vor groben Verschmutzungen und vor den schädlichen UV-Strahlen der Sonne, die das Fendermaterial, meist PVC, spröde werden lassen.


Andere Formen:

Zusätzlichen Schutz bieten Treppen-, Kissen-, Bug-, Heck-, Ring- und Ankerfender


Zu den zwei bekanntesten Arten gehört neben dem Langfender der Kugelfender. Er kann durch seine Form besser entlang der Bordwand abrollen und wird deshalb häufig beim Anlegen verwendet. Für den Kugelfender spricht die recht einfache Handhabung und eine deutlich höhere Dämpfungswirkung, da er über mehr Volumen verfügt als ein Langfender. Kugelfender sind vor allem bei größeren Motorbooten mit konkavem Bug und bei größeren Berufsschiffen wie etwa Fischereibooten beliebt. Außerdem eignen sich Kugelfender gut als Bojen. Meistens sind diese leuchtend orange, um eine gute Sichtbarkeit im Wasser und bei trübem Wetter sicherzustellen.

Eine weitere Option sind die Flachfender oder die sogenannten Fenderkissen. Diese sind leicht zu verstauen, was gerade bei kleineren Booten praktisch ist. Außerdem verrutschen sie wenig und bieten durch ihre Form großflächigen Schutz. Ideal sind sie beim Schleusen und beim Slippen des Bootes, da sie nicht verrutschen und mehr Fläche als ein normaler Fender abdecken. Allerdings können sie sich aufgrund ihrer Bauform nicht abrollen. Doch wie viele Fender sollte ich an Bord haben? Ideal sind bei einer Bootslänge bis circa zehn Metern zwei bis drei Fender pro Seite, da auf kleineren Booten der Platz oft begrenzt ist und niemand die Fender die ganze Zeit am Rumpf hängen lassen möchte. Auf Booten über zehn Meter Länge kommen drei bis vier Fender pro Seite zum Einsatz.

1] Langfender an einer Bordwand

Neben der größeren Fläche, die abgedeckt werden muss, ist die Stauraumsituation oft etwas unproblematischer und ausreichend Platz für mehrere Fender vorhanden. Man kann aber grundsätzlich sagen, dass ein bis zwei Fender mehr an Bord sowieso nicht schaden können und im Zweifel Gold wert sind. Das Gesamtgewicht sowie die Windangriffsfläche des Bootes sollte man beim Kauf des Fenders kennen. Bei schweren und großen Booten ist die Windangriffsfläche meist größer und lässt somit das Boot stärker in die Fender drücken. Damit diese nicht platzen, müssen sie für die Größe des Bootes ausgelegt sein.

Beim Kauf sollte man auch darauf achten, stets gleich große Fender zu kaufen. Unterschiedlich dicke und lange Fender sind nur bedingt in der Lage, das Boot gleichmäßig zu schützen. Denn die Kräfte, die das Boot entwickelt, werden dann nicht auf mehrere Fender verteilt und gleichmäßig vom Rumpf aufgenommen, und somit ist der Druck auf den einzelnen Fender und damit die Gefahr des Platzens erhöht.

Foto: T. Moench

Festmacher

Die Kräfte, die bei Wind und Welle auf das Boot einwirken, sind enorm. Um nicht jeden einzelnen Ruck im Boot zu spüren, ist es wichtig, dass die Festmacherleine „Reck“ besitzt. Als Reck bezeichnet man die Dehnbarkeit eines Tauwerks. Der Aufenthalt an Bord wird dadurch deutlich angenehmer, und gerade bei schlechtem Wetter die Klampen geschont.

Die Bruchlast des Tauwerks ist sehr wichtig und richtet sich nach der Größe und dem Gewicht des Bootes. Bei der Auswahl der Festmacherleinen geht man lieber auf Nummer sicher und nimmt eine höhere Bruchlast als eigentlich nötig. Kleine Scheuerstellen durch rostige Ösen oder Lippklüsen, welche oft aus Guss hergestellt werden und noch eine Naht von der Form aufweisen, können das Tauwerk schnell schwächen. Wählt man nun eine zu schwache Ausführung, droht die Leine zu reißen.

Es ist außerdem wichtig, elastische Festmacher zu verwenden. Diese lassen sich besser spleißen oder belegen. Wer die Möglichkeit hat, sich ein Auge einspleißen zu lassen, sollte dies auch tun. Ein Knoten reduziert die Bruchlast um 30 bis 50 Prozent, was ebenfalls zu beachten ist. Bei der Leinenwahl ist ein von vornherein eingespleißtes Auge sinnvoll. Als letzter Punkt ist die UV-Beständigkeit zu nennen. Wer beim Kauf nicht darauf achtet, muss sich oft neue Festmacher kaufen, da die alten porös oder brüchig werden.


Tipp:

Eine höhere Bruchlast der Leine schadet nie


Stegfender von der Firma SeaEQFoto: Hersteller
Stegfender von der Firma SeaEQ

Stegfender

Stegfender sind fest mit dem Liegeplatz verbunden und werden mit dem Steg verschraubt. Sie sind oft an der Kopfseite oder bei Schwimmstegen zusätzlich an der Längsseite angebracht. Um Beschädigungen des Vorstevens zu verhindern, gibt es die sogenannten Stegfender, die das Boot wie ein Lang- oder Kugelfender abfangen und den Aufprall abfedern. Für unter 60 Euro gibt es sie oft schon zu kaufen. Sie sind ein guter Schutz und bieten insbesondere Einsteigern eine zusätzliche Sicherheit.

1] Gummi-Ruckdämpfer für wenig geschützte Gewässer

Ruckdämpfer

Ruckdämpfer sind neben der Dehnbarkeit der Festmacherleine wichtig, damit das Leben auf dem Schiff möglichst angenehm ist und die Klampen vor ruckartigen Belastungen geschützt sind. Ruckdämpfer gibt es aus Gummi oder Edelstahl.

Gummi-Ruckdämpfer arbeiten nach dem Prinzip, ein oder mehrere Törns um einen Gummistrang zu legen. An den Enden werden sie dann in Nylonklemmen belegt. So ist der Ruckdämpfer fest in die Leine eingebunden und kann nicht verrutschen. Prinzipiell kann man sagen, je mehr Windungen um einen Gummi-Ruckdämpfer gewickelt werden, umso mehr dämpft er auch. Eine Faustregel ist: ein Törn in Gewässern ohne Tide, Schwall oder Wellengang. Geringe Bewegungsfreiheit für das Boot, geringe Dämpfung. Zwei Törns in Gewässern mit leichtem Schwall oder Wellengang und in Tidengewässern. Drei Törns in offenen und wenig geschützten Gewässern. Viel Bewegungsfreiheit für das Boot, starke Dämpfung.

An die Metall-Ruckdämpfer werden zwei Leinen angeknotet. Sie ziehen sich auseinander, federn somit den Ruck ab und ziehen sich dann wieder zusammen. Achten sollte man auf hochwertige und rostfreie Ausführungen, da sie sonst schnell rostanfällig sind und dann unangenehme Geräusche verursachen. Idealerweise sollte jede Festmacherleine mit einem Ruckdämpfer ausgestattet sein. Bei einem Liegeplatz am festen Steg wirken alle Ruckdämpfer zusammen. Bei einem Liegeplatz am Schwimmsteg sollte auf keinen Fall auf einen Ruckdämpfer verzichtet werden. Die Dämpfer gleichen die Bewegungen des Stegs besser aus, sodass durch diese nicht unmittelbar Kraft aufs Boot wirkt.

  Fangleine mit eingehängtem KarabinerFoto: T. Moench
Fangleine mit eingehängtem Karabiner

V-förmige Fangleinen

Fangleinen werden an den Sorgleinen eingehängt und verbinden diese. Meist sind Rollen oder Karabiner in die Leinen eingehängt, dadurch lässt sich die Fangleine auf den Sorgleinen bewegen. In der Mitte der Fangleine ist ein Karabiner eingeknotet. In diesen hakt man das Boot beim Einfahren in die Box ein. Mit dieser Methode soll ein Vertreiben des Bugs in der Box verhindert oder zumindest minimiert werden. Wenn die Sorgleinen gut gespannt sind, ist dies eine sehr gute und gern verwendete Optimierung des Liegeplatzes. Da der Bug nicht vertreibt, ist das Anlegen sehr vereinfacht, und die Sorge, gegen ein anderes Boot zu treiben, ist verringert. In Verbindung mit den abgelängten Leinen wird das Festmachen am Liegeplatz zum Kinderspiel.

  Dalbenfender der Firma SeaEQFoto: Hersteller
Dalbenfender der Firma SeaEQ

Dalben-Schutz

Da ein Motorboot oft wenig Lateralfläche besitzt, kann es schneller vertreiben und Dalben berühren. Um das zu verhindern, gibt es Dalbenkissen, beispielsweise von der Firma SeaEQ. Das Boot wird beim Kontakt mit dem Dalbenfender am Pfahl nicht gestoppt, sondern gleitet am Fender entlang, dadurch bleibt das Boot manövrierfähig und vertreibt nicht in der Box. Hat man diese nicht, und die Pfähle sind aus Holz oder gar aus Metall, sind Kratzer oder Beulen in der Außenhaut programmiert. Die Fender sind weich gepolstert und werden einfach um den Dalben gehängt. Befestigt werden können sie an runden wie auch an eckigen Pfählen. Die Montage ist durch Gurte einfach, und sie können rückstandsfrei entfernt werden.

  Dalbenhaken der Firma SeaEQFoto: Hersteller
Dalbenhaken der Firma SeaEQ

Leinenhalter

Wer die Festmacher im Hafen lassen möchte, schmeißt sie oft auf dem Steg. Sollen die Leinen aber auch an den Heckpfählen bleiben, muss man sich etwas einfallen lassen. In vielen Häfen haben die Pfähle deswegen schon vormontierte Haken, aber lange nicht in jedem. Da das Bohren in den Dalben nicht jedem Hafenbesitzer gefällt, ist oft eine einfache, bohrfreie Lösung zum Anbringen gesucht. Eine solche Möglichkeit ist der Haken von der Firma SeaEQ. Er besteht aus Aluminium und ist mit gepolstertem Stoff ummantelt und lässt sich ohne Bohren anbringen. Wie auch die Dalbenkissen wird er mit Haltegurten montiert. Der Haken kann an runden oder eckigen Dalben angebracht werden und ist in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Beim Anlegemanöver kann die Festmacherleine nun problemlos wieder aufgenommen werden.

Foto: T. Moench

Sorgleine

Sorgleinen spannt man zwischen Steg und Dalben. Sie begrenzen den Liegeplatz zu den Seiten, und beim An- oder Ablegen kann man sich daran festhalten. Außerdem beugen sie dem seitlichen Vertreiben in der Box vor. Sie schützen damit andere Boote, aber auch das eigene vor Berührungen durch den Liegeplatznachbarn.

Fazit

Es gibt viele verschiedene Arten an Fendern sowie Tipps und Tricks. Was für den eigenen Liegeplatz geeignet ist, muss jeder selbst entscheiden. Ist der Liegeplatz in einer Box, sind das Ablängen der Leinen, die Sorgleinen auf Backbord und Steuerbord sowie die Fangleinen am Bug eine gute Lösung. Sie vereinfachen das Anlegemanöver und sorgen so für einen reibungslosen Ablauf. Für unruhige Gewässer empfehlen wir zusätzlich Ruckdämpfer.


Zur Orientierung:

   | Tabelle: BOOTE
| Tabelle: BOOTE

Die Werte gelten als Faustregel, welche Stärke der Festmacher man für welches Boot haben sollte. Polyester und Polyamid sind die zwei gängigsten Tauwerksarten. Beim Kauf ist allerdings auch die Herstellerangabe zu beachten

  Faustregel für die Fendergröße | Tabelle: BOOTE
Faustregel für die Fendergröße | Tabelle: BOOTE

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