Aus den Hallen von Cockwells in Falmouth kam schon so manch bis ins kleinste Detail individualisierte Beiboot. Mit den zwei Katamaran-Tendern für die Lürssen-Giga „Blue“ lieferten die mehr als 100 Mitarbeiter nun ihr vorläufiges Opus magnum ab. Cockwells Modern & Classic Boatbuilding, so die vollständige Bezeichnung der 1996 in Cornwall gegründeten Werft, laminierte eine 11,70 Meter lange Open und eine 12,30 Meter lange Limousine – die längsten und schnellsten in der Firmengeschichte.
Die kreativen Vorgaben erhielten die hauseigenen Konstrukteure von Terence Disdale, der das 160 Meter lange Mutterschiff von außen recht klassisch gestaltete. Umso überraschender ist, dass der geschlossene Satellit mit seinem modernen Deckshaus erstaunlich stark abweicht. In der vollklimatisierten Umgebung finden zwölf Personen Platz, die über Schiebetüren vorn den Rudergänger oder achtern Cockpit und Boarding Gate erreichen. Obwohl man meinen sollte, dass der Stahlrumpf von „Blue“ reichlich Raum bietet, senken sich der Aufbau und das T-Top aus Karbon für reduziertes Einparkmaß elektronisch herunter. Sowohl die Limo als auch die Open verfügen über ein automatisches Wasserballast-System für komfortables Übersetzen und stabiles Boarding über das Heck oder längsseits.
Zugelassen sind die Tender jeweils für drei Besatzungsmitglieder, die Hochgeschwindigkeits-Transfers mit über 50 Knoten ausführen. Dafür sorgen auf den 8,5-Tonnern asymmetrische Rümpfe, Waterjets und eine identische Motorisierung aus zwei Volvo Pentas mit je 533 Kilowatt Leistung. Aus den Wasserstrahlantrieben resultieren Tiefgänge von lediglich 60 Zentimetern. Zum Anlanden in seichten Buchten nähert sich das offene Modell mit dem Bug voraus, aus dem eine Rampe hydraulisch auf den Strand abklappt. Dann wird per Joystick manövriert, die Systemsteuerung erfolgt wie bei den Großen über Touchscreens. Vom „Blue“-Tender leitete Cockwells ein 13 Meter langes und 42 Knoten schnelles Dayboat-Konzept ab, mit Front- sowie Achtercockpit.
In Skandinavien sind Boote aus Aluminium so beliebt wie jene aus GFK in Deutschland. Angus Marine besetzt also mitnichten eine Nische. Was den äußeren Look angeht, aber sehr wohl. Hinter der neuen Marke steht der Schwede Thomas Rönnberg, der Rupert Marine gründete und für seine Tender und Militär-RIBs eine ganz eigene Ästhetik entwickelte. Die neun Meter lange A85 Coupé gibt sich mit rundum verglastem Aufbau offen-komfortabel und versprüht dennoch diesen aggressiv-dynamischen Rupert-Charme.
Alle Modelle, auch A95 und A70 werden nach den gleichen Standards gebaut wie Arbeitsboote, mit umlaufenden Fenderleisten, reichlich Schlingerleisten außen wie innen und mit Rümpfen aus sechs Millimeter starkem Alublech. Alle Schweißarbeiten finden in Nordfinnland statt, die Endmontage in Schweden. Rönnberg konsultierte einen Akustiker, der eine schall- und wärmeisolierte Kabine verordnete, die auf elastischen Gummipuffern lagert. Die Gestaltung des Steuerstands mit gefederten Sitzen und die Anordnung von Lenkrad zu Bedienelementen – Drehschalter treffen auf Screens – sind auf hohe Ergonomie ausgelegt. Für die 2,6 Tonnen verdrängende A85 werden Außenborder zwischen 220 und 330 Kilowatt empfohlen, die sich aus einem 400-Liter-Tank bedienen. Angus hat auch eine A95 in Planung: gleiches Konzept, aber mit zwei Schlafplätzen im Bug.
Ist es ein Board oder ein Boot? Jedenfalls eines, das abhebt. Der Hersteller nennt die 200 mal 80 Zentimeter große Wanne mit Plattbug einen Seatfoiler. Die Idee vom entspannten Übers-Wasser-Fliegen kam einem Maschinenbau-Absolventen der TU Delft. Ein fünf Kilowatt starker E-Motor sitzt hinter dem Propeller, der in einem Käfig am unteren Ende des 80 Zentimeter langen Mastes hängt. Dank eines Hauptflügels mit ganzen 99 Zentimetern Spannweite sollen bis zu 105 Kilogramm schwere Piloten bereits ab fünf Knoten ins Fliegen kommen.
Der Topspeed liegt bei zehn Knoten. Nicht viel, dafür lässt die 1,6-Kilowattstunden-Batterie aber zwei Stunden lange Touren zu. Die stabile Fluglage wird über das Vor- und Zurücklehnen des Oberkörpers erreicht, gelenkt über Gewichtsverlagerung. Den Schub reguliert ein eigens entwickelter Geber für den Daumen, der steuerbords clever in den Haltegriff integriert wurde und nur bei Kontakt mit dem Magnetschlüssel anspricht. Der Seatfoiler wiegt 35 Kilogramm, wird in den Niederlanden gefertigt und kostet 12.500 Euro inklusive Mehrwertsteuer.