Kann Speisen tagsüber nicht nur bei Hitze frischhalten: Schlafsack als Kühlbox. Besser funktionieren die anderen Tricks, die bei Hitze angewendet werden können
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Wenn auf dem Boot die Sonne brennt, wird die Kühlbox schnell zum Stromthema. Mit einfachen Tricks bleiben Getränke und Proviant auch ohne Landstrom, laufenden Motor oder große Batteriebank länger kühl.
Themen in diesem Artikel
Sommerhitze auf dem Boot ist für Crews doppelt lästig: Getränke werden warm, frische Lebensmittel verderben schneller und die Kühlbox zieht ausgerechnet dann Strom, wenn die Versorgungsbatterie für Licht, Pumpe, Ankerlicht oder Navigation geschont werden soll. Besonders auf kleinen Motorbooten, Sportbooten und Wochenendbooten helfen einfache passive Lösungen, bevor die Batterie leidet.
Entscheidend ist, Lebensmittel gar nicht erst unnötig warm werden zu lassen. Wer einen Tagestörn, ein Wochenende vor Anker oder den Urlaub auf dem Boot plant, sollte Proviant, Verpackung, Stauraum und Stromversorgung zusammendenken. Wenn doch mehr Energie gebraucht wird, kann eine mobile Powerstation für den Bordbetrieb eine Alternative zur fest installierten Bordelektrik sein.
Was im Mini-Test wirklich kühlte
In einer kleinen Versuchsreihe wurden die verschiedenen Tricks mit einer exakt 30 Grad Celsius warmen Flüssigkeit erprobt; jeweils ein halber Liter sollte abgekühlt werden. 450 Gramm Eiswürfel senkten die Temperatur in der Flasche innerhalb von zwei Stunden auf 1,4 Grad, nach 24 Stunden war wieder Lufttemperatur erreicht. Schneller kühlten 350 Gramm Eis mit 100 Gramm Salz: in einer Stunde auf 0,6 Grad – das wurde aber auch wieder schneller warm. Gewöhnliche Kühlpacks kühlten auf 15 Grad ab, nach 15 Stunden waren sie mit den ersten beiden Methoden gleichauf: praktikabel. Die 440-Gramm-Kühlpads Easy2Cool erlangten wie vorhergesagt nach sieben Stunden mit 8,3 Grad die tiefste Temperatur und hielten sie lange, nach 24 Stunden waren es wieder 19,3 Grad.
Ob Handtuch, Socke oder Tongefäß: Alle Verdunster hatten größte Kühl-mühen; nach 24 Stunden waren ein bis zwei Grad unter Lufttemperatur zu registrieren.
Das Wichtigste auf einen Blick
Eis mit Salz kühlte am schnellsten, der Effekt hielt aber nicht lange an.
Kühlpads wirkten langsamer, hielten die Temperatur im Test dafür länger niedrig.
Verdunstung mit Handtuch, Socke oder Tongefäß brachte nur geringe Temperaturunterschiede.
Gute Isolierung ist an Bord oft wichtiger als der spektakulärste Kühltrick.
Wer Getränke und Lebensmittel schon vor dem Ablegen vorkühlt, spart später Strom und Eis.
Erst isolieren, dann kühlen
Foto: HerstellerLebensmittel kühlen ist an Bord stets aufwändig. Besser und leichter ist es, sie gar nicht erst warm werden zu lassen. Kühltaschen oder gewöhnliche Kühlboxen isolieren meist schlecht; stabiler und dauerhafter geht es mit Polyurethan-Isolierung. Zum Beispiel in der Icetime-Serie von Campinggaz (10, 23, 28 Liter, ab 40 Euro) >> hier erhältlich*.
Dicke Wände und Dichtung bringen mehr
Foto: Photographer: Ata TaefiNochmals effektiver sind Modelle mit Gummilippendichtung und dicker Isolierung aus Polyurethan: Dometic (13–110 Liter, ab 69 Euro) und Peli (19–51 Liter, ab 240 Euro) haben verschiedene Größen im Programm. Trotz fünf Zentimeter Wandstärke sind die lebensmittelechten Dometic-Produkte recht leicht: So wiegt die 33-Liter-Box nur 5,7 Kilogramm.
Wenn Strom doch eine Option ist
Foto: YACHT/Lars BolleTragbare, kompakte Kompressor-Kühlboxen sind die erste Wahl, wenn an Bord kein fest eingebauter Kühlschrank vorhanden ist. Bei ihnen handelt es sich um nichts weiter als kompakte Kühlschränke, hier eine von Dometic mit 40 Liter Fassungsvermögen aus der CFX-3-Serie (>> hier erhältlich*). Mit der PLB40-Batterie konnten im Test Lebensmittel und Getränke bei 20 Grad Außentemperatur über knapp vier Tage konstant auf sieben Grad Celsius gehalten werden.
Wer länger autark bleiben möchte, sollte nicht nur die Kühlbox, sondern die gesamte Strombilanz im Blick behalten. Das gilt auch für andere Komfortverbraucher an Bord, etwa beim elektrischen Kochen an Bord oder bei zusätzlichen 230-Volt-Geräten.
Kühlpads: langsamer, aber ausdauernd
Foto: Nils TheurerEs gibt sie beim Zahnarzt, in der Drogerie oder als Werbepräsent: Gelkissen* bestehen hauptsächlich aus Wasser mit Propylenglykol. Gesundheitlich soll das auch bei leckendem Beutel unbedenklich sein. Aber eine Verpackung der Lebensmittel in Beutel und Dosen empfiehlt sich schon wegen der Schmiere, die austreten kann.
Kühlelemente: dicht, robust und gut zu stauen
Foto: HerstellerKühlelemente* in festen, dehnbaren Kunststoffbehältnissen sind oftmals einfacher zu handhaben (und auslaufsicher). Solche mit Griff lassen sich wesentlich simpler zum Beispiel mit Bändsel für den öffentlichen Gefrierschrank im Hafen markieren, tragen und auch stauen (Foto: Coleman-/Campinggaz-Element, ab 3 Euro).
Verdunstungskälte: nur ein kleiner Effekt
Foto: Nils TheurerAufgrund der Verdunstungskälte sind selbst bei großer Hitze die ersten Minuten, nachdem man vom Baden an Bord kommt, kühl. Erst wenn man trocken ist, gewinnt die Strahlungswärme wieder die Oberhand. Dieser Effekt wird mit Socke oder Handtuch um Getränke genutzt – am wirkungsvollsten ist er, wenn noch Wind hinzukommt.
Tontopf: einfache Idee, schwacher Testwert
Foto: Nils TheurerGleichfalls auf dem Verdunstungsprinzip basiert die Tontopfmethode: Dabei dienen zwei Behälter als Transpiratoren; eine mit Wasser befeuchtete Zwischenschicht aus Sand reguliert die Bereitstellung neuer Feuchtigkeit. Vielleicht haben wir beim Basteln etwas falsch gemacht: Unser Amphorenkühlschrank schwächelte.
Eis und Salz: schnell kalt, schnell vorbei
Foto: Nils TheurerNichts weiter als Salz und Eiswürfel benötigt man für Blitzeis in der Flasche: Wir ersetzten in unserem Minitest 100 Gramm Eis durch Salz – die Kühlung auf 0,6 Grad durch den endothermen Effekt war rasant, aber nach vier Stunden lagen gewöhnliche Eiswürfel gleichauf. Der Prozess lässt sich nicht wiederholden; die Lake muss von Bord
Lebensmittel absenken: kühles Wasser nutzen
Foto: Nils TheurerDie Ostsee ist auch auf zehn Meter Tiefe im Sommer oft gerade mal 15 Grad warm. Das ist zwar etwas mehr als im Kühlschrank; die Temperatur reicht aber, damit die Butter ihre Form bewahrt. Die wasserdicht verpackten Lebensmittel kommen mit Ballastgewicht in einen Beutel oder ein Netz und werden neben dem Boot abgesenkt. Wichtig ist, dass die Leine sicher belegt ist und nicht in Propeller, Ruder oder Badeleiter geraten kann.
Selbstkühlendes Fass: Speziallösung für Bier
Foto: HerstellerWie lange braucht ein frisches Pils? 45 Minuten mit dem selbstkühlenden Bierfass für 10 oder 20 Liter. Durch Oberflächenverdunstung nach Öffnung eines Ventils gefriert eine Schicht im Inneren der dicken Wandung und kühlt das Bier ab. Das 20 Liter fassende CoolKeg kostet 40 Euro. Bundesweit verkauft die Brauerei Tucher neben Pilsener auch Helles und Weizenbier.
Thermoskanne: Kaltes bleibt länger kalt
Foto: Gunkel, FridtjofWas heiß hält, hält auch kalt: Die Baumarkt-Thermoskanne* schnitt im Test gut ab. Die zum Start 6 Grad kalte Flüssigkeit war nach 24 Stunden erst 13 Grad warm. Für den Bordgebrauch sind Edelstahlkannen geeignet. Sie sind auch mit weitem Hals, zum Beispiel für Eiswürfel, erhältlich. Nette Winterlagerarbeit: Halter für mehrere Kannen basteln.
Kühlbox, Eisbeutel oder Hafen-Trick: Was funktioniert auf Ihrem Boot wirklich, und was ist eher Bordlatein? Schreiben Sie Ihre Erfahrungen in die Kommentare.
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