Ayros XA 22 im TestVielseitiges Trailerboot, das Komfort und Sportlichkeit verbindet

Jan-Ole Puls

 · 26.04.2026

Die Seitenansicht zeigt: Die Ayros XA 22 sieht sportlich, aber auch hochbordig aus. Letzteres kommt dem 1,50 Meter hohen Innenraum und damit der Crew zu Gute.
Foto: Ole Puls
​6,40 Meter Länge, 250 PS am Heck und fast 90 km/h in der Spitze: Die Ayros XA 22 verbindet einfache Trailerbarkeit mit sportlicher Performance. Das kompakte Boot im Test.

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​Es ist grau, regnerisch und neblig. Ob „trist“ das richtige Wort dafür ist, lässt sich schwer sagen; es würde dem idyllischen Ort wohl auch nicht gerecht. Wir sind im rheinland-pfälzischen Altrip zum Bootstest der Ayros XA 22. Das Wetter spielt nicht mit, doch auf dem Firmengelände von Boats & more tut das der guten Laune keinen Abbruch. Und so ein Tag passt auch irgendwie ganz gut. Kein Schönwetter-Bootfahren, sondern ein ehrlicher Test unter Bedingungen, wie sie Eigner eben auch erleben, obwohl sie sich mit dieser Bootsgattung das Revier und somit auch das Wetter eigentlich aussuchen könnten. Denn es geht um ein echtes Trailerboot.


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Die Ayros XA 22 ist ein italienisches Motorboot im Center-Console-Segment mit einer Länge von 6,40 Metern und einer Breite von 2,55 Metern. Damit positioniert sie sich im 20-Fuß-Bereich und will dort ein vielseitiger Allrounder sein. Ihre Stärken liegen auf Tagesausflügen, Küstenfahrten, und mit Einschränkungen geht auch eine Übernachtung an Bord. Gefertigt wird das Boot von GPA S.r.l. in Sizilien, vermarktet unter der Marke Ayros und vertrieben in Deutschland vom Generalimporteur Alex Solz.

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Die Werft setzt auf modernes, funktionales Design mit italienischer Handschrift. Der erste Eindruck entsteht bekanntlich mit dem Auge. Die XA 22 zeigt sich mit einem eher hochbordigen Rumpf und klarer Linienführung. Das Deck wirkt aufgeräumt, fast schon reduziert, was dem Boot eine gewisse Sachlichkeit verleiht. Gleichzeitig vermittelt der hohe Freibord ein Gefühl von Sicherheit, gerade für Familien oder weniger erfahrene Crewmitglieder.

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Flexibles Konzept

Der „ponte di prua“, also das Vordeck auf Italienisch, ist als großes Sonnendeck ausgelegt und über seitliche Stufen gut erreichbar. Die Fläche ist großzügig dimensioniert und lädt zum entspannten Liegen ein. Im Heck setzt sich das flexible Konzept fort. Dort befindet sich eine Sitzbank für drei Personen, die sich mit wenigen Handgriffen in eine Sonnenliege verwandeln lässt. Ein Feature, das in dieser Klasse inzwischen fast schon erwartet wird und für viele Käufer ein entscheidendes Argument darstellt. Besonders gelungen sind die beiden großen Badeplattformen links und rechts des Außenborders. Sie verfügen jeweils über eine eigene Badeleiter. Das ist nicht nur optisch gut gelungen, sondern in der Praxis äußerst sinnvoll. Wer mit mehreren Personen oder Kindern unterwegs ist, weiß eine zweite Leiter schnell zu schätzen. Diskussionen, gerade bei und mit den kleinen Gästen darüber, wer zuerst wieder aus dem Wasser darf, erledigen sich damit von selbst.


Messergebnisse des Tests der Ayros XA 22


Im Heck fallen zudem die außen montierten Klampen auf. Sie haben klare Vorteile, bringen aber auch ein gewisses Risiko mit sich. Positiv ist vor allem das Thema Trailern und Festmachen. Die außen liegenden Punkte lassen sich gut zum Sichern auf dem Trailer nutzen, und im Hafen bleibt das Cockpit frei von Stolperfallen. Auch barfuß bleibt man nirgends hängen. Der Nachteil zeigt sich beim engen Manövrieren entlang von Dalben oder anderen Booten. Wer hier zu dicht kommt, kann mit den Klampen hängen bleiben. In einer ungünstigen Situation ist die umlaufende Scheuerleiste im Heckbereich dann nur noch eingeschränkt wirksam. Das schmälert den Gesamteindruck und die Funktion jedoch nicht, sondern ist eher eine konstruktive Eigenheit, die man kennen sollte.

Am zentral angeordneten Fahrstand befindet sich hinter dem Steuersitz eine kleine Pantry mit Kocher und Waschbecken. Ein Kühlschrank ist auf der Backbordseite integriert, dazu kommt ein aufklappbarer Tisch, der sich bei Bedarf schnell nutzen lässt. Die Sitze sind bequem, wenn auch mit überschaubarem Seitenhalt.

Konstruktion und Verarbeitung

Verarbeitung und Nähte sind sauber ausgeführt, das Polster macht einen ordentlichen Eindruck. Der Schaumstoff ist eher härter, was wir persönlich als angenehm empfinden. Polster verlieren mit der Zeit ohnehin an Festigkeit. Gefahren werden kann sowohl im Sitzen als auch im Stehen. In beiden Positionen sind Gashebel, In­stru­mente und Schalter gut erreichbar. Im Sitzen sorgt eine Fußstütze für Halt. Die Lenkung bewerten wir auf einer Skala von eins bis zehn mit einer soliden Sieben. Sie arbeitet leichtgängig und präzise, auch bei höherem Tempo. Die Qualität passt zum Boot und zur Preisklasse. Besonders positiv fällt die Ergonomie im Stehen auf. Unser Tester mit 1,85 Metern Körpergröße hatte jederzeit eine gute Übersicht. Kleinere Personen sollten prüfen, ob das relativ hohe Armaturenbrett die Sicht nach vorne einschränkt.

Über zwei Stufen backbord und steuerbord gelangt man nach vorn auf das Vordeck. Die Liegefläche misst 1,57 mal 2,01 Meter und bietet ausreichend Platz für zwei – wenn man sich gerne mag, auch für drei Personen. Die 25 Zentimeter hohe Reling im Bugbereich vermittelt ein gewisses Sicherheitsgefühl, ohne die Optik des gesamten Bootes zu stören.

Unter Deck

Unter dem Vordeck überrascht die Ayros XA 22 mit einer voll nutzbaren Kabine, obwohl das Boot offiziell und von uns eher als Dayboat eingeordnet wird. Die Liegefläche misst 1,20 mal 1,90 Meter. Für eine Nacht kann das ausreichen, auch wenn man hier keinen Raumluxus erwarten darf. Gelüftet wird über eine Decksluke und zwei kleine Bullaugen. Der Innenraum ist mit einem per Druckknöpfen befestigten Teppich ausgelegt, was die Reinigung erleichtert.

Eine Toilette ist vorhanden, allerdings ohne separaten Raum. Für den typischen Einsatzzweck als Tagesboot dürfte sie in den meisten Fällen als Notlösung genutzt werden, um nicht ständig die Ankerbucht verlassen zu müssen. Dann schließt man einfach die Schiebetür zum Außenbereich und hat einen großen Toilettenraum zur Verfügung. Die Verarbeitung insgesamt bewerten wir als solide bis gut. Sie passt ganz klar zum Preis-Leistungs-Verhältnis aber erhebt keinen Anspruch auf Oberklasse. Ein paar Spaltmaße sind mal aus dem Kurs und auch die Klappe für den Ankerkasten schließt nur mit etwas Kraft, aber damit lässt sich leben. Insgesamt bietet die Ayros ein stimmiges Gesamtpaket.

Ein entscheidender Punkt ist die Trailerbarkeit. Mit rund 1.200 Kilogramm Leergewicht ohne Motor und einer Breite von 2,55 Metern bleibt das Boot innerhalb der in der EU üblichen Grenzen für genehmigungsfreien Straßentransport. Das macht die XA 22 interessant für Eigner, die flexibel zwischen Revieren wechseln möchten.

Auf Testfahrt

Für unseren Test war die Ayros XA 22 mit einem Suzuki DF 250 SP ausgerüstet. Die 250 PS werden über einen dreiflügeligen Edelstahlpropeller in der Dimension 15 mal 19 Zoll ins Wasser gebracht. Unter Volllast erreichen wir per GPS gemessene 48,4 Knoten. Wohl gemerkt aber mit der Strömung. Trotzdem, für ein 22-Fuß-Boot ist das eine Ansage. Dabei läuft das Boot überraschend ruhig und stabil. In schnellen Kurven zeigt sich, dass der Motor möglicherweise eine Bohrung tiefer montiert werden könnte. Das würde die Kurvenlage weiter optimieren, allerdings auf Kosten der Höchstgeschwindigkeit.

Schon jetzt ist die Performance alles andere als kritikwürdig. Volles Einlenken bei rund 40 Knoten steckt das Boot sauber weg. Es wirkt dabei fast so, als würde es noch mehr verlangen. Die dabei auftretenden Querkräfte muss allerdings der Fahrer beherrschen können. Spontane Lenkbewegungen setzt die XA 22 direkt um. Beim Slalom fällt ein begrenzter Lenkanschlag auf, den wir eher positiv werten. Er verhindert übertriebene Manöver und reduziert das Risiko für unerfahrene Skipper.

Bei niedrigeren Geschwindigkeiten überzeugt die gute Kursstabilität. Auch beim Übergang in die Gleitfahrt, der bei rund 3.000 Umdrehungen pro Minute erfolgt, bleibt das Boot ruhig und liegt satt im Wasser. Es zeigt kein übermäßiges Aufschaukeln, selbst wenn kleinere Wellen aus unterschiedlichen Richtungen anstehen.

Der Verbrauch

Ein Blick auf die Verbrauchswerte rundet das Bild ab. Bei Vollgas und 6.200 Umdrehungen pro Minute verbraucht der Sechszylinder 91,1 Liter pro Stunde. Damit liegt die Drehzahl etwa 100 Umdrehungen über dem vom Hersteller empfohlenen Bereich, was ein weiterer Hinweis auf die mögliche Optimierung der Motorhöhe ist. Für den Praxisbetrieb spielt das allerdings eine untergeordnete Rolle, denn dauerhaft fährt kaum jemand mit Vollgas.

Die wirtschaftlichste Gleitfahrt liegt im mittleren Drehzahlbereich, bei dem der Verbrauch in einem für diese Leistungsklasse absolut vertretbaren Rahmen bleibt. Leistung kommt nun mal von Kraftstoff. In Zahlen ausgesprochen liegt der Bereich bei 3.500 Umdrehungen in der Minute und einem Verbrauch von 24,6 Litern in der Stunde. Die Logge zeigt dabei eine Geschwindigkeit von 23,7 Knoten an.

Zurück im Hafen zeigt sich erneut die angenehme Kursstabilität, die auch beim Manövrieren auf den Trailer und davor durch das volle Hafenbecken hilft. Genau das erwartet man von einem Trailerboot.


Die ​Ayros XA 22 im Detail

Das Armaturenbrett ist mit allen wichtigen Dingen ausgestattet, allerdings auch sehr groß und weit weg vom Fahrer. Das Bimini-Gestänge ist in Mattschwarz gepulvert.Foto: Marc Andre BergmannDas Armaturenbrett ist mit allen wichtigen Dingen ausgestattet, allerdings auch sehr groß und weit weg vom Fahrer. Das Bimini-Gestänge ist in Mattschwarz gepulvert.

Technische Daten der Ayros XA 22

  • ​CE-Entwurfskategorie: C/8
  • Gesamtlänge: 6,40 m
  • Breite: 2,55 m
  • Tiefgang: 0,45 m
  • Durchfahrtshöhe: 2,25 m
  • Gewicht: 1.700 kg
  • Motorisierung min.: 150 PS
  • Motorisierung max.: 250 PS
  • Kraftstofftank: 140 l
  • Wassertank: 39 l
  • Fäkalientank: 398 l
  • Warmwasser ohne Batterien: 2 x 110 Ah
  • Kojen: 2
  • Kilogramm pro PS: 6,8

Motordaten

  • Hersteller: Suzuki
  • Typ: DF 250 AP
  • Anzahl: 1
  • Leistung: 250 PS
  • Volllastdrehzahl: 6.100 U/min
  • Zylinder: 55° V6
  • Hubraum: 4.028 cm³
  • Kraftstoff: Benzin

​Heckmaße

  • Länge: 2,80 m
  • Breite: 2,35 m
  • Höhe: 2,12 m

​Laufdeck

  • Seitendeck: 0,32 m Höhe
  • Reling: 0,25 m
  • Decksbelag: Antirutsch

​Schalldruck

Bei einer guten Gleitfahrt mit 3.000 Umdrehungen in der Minute und einer Geschwindigkeit von 15,2 Knoten ist das Boot durchschnittlich laut. 72 Dezibel waren am Fahrstand und am Ohr des Fahrers messbar.


​Ausstattung und Preise

  • Preis: ab 83.000 €
  • Aufpreis für Komfort-Ausstattung: ​Trimmsystem 1.990 €; Elektr. Ankerwinsch 1.850 €; Hydr. Lenkung 1.850 €; Belag Cockpit 3.050 €; Verdeck 4.500 €; UKW-Funkgerät n.a.; Musikanlage 1.450 €; Kartenplotter inkl.; Bimini 1.950 €; Gaskocher 590 €; 230-Volt-Steckdose 1.700 €; Heizung n.a.; Druckwassersystem inkl.; Warmwasserboiler n.a.; Unterwasserleuchten 1.350 €; Außendusche 1.050 €
  • Komfortpreis: 104.330 €

Standardausrüstung

​Wasserdichte Polster · zwei Badeleitern · Sportlenkrad · Fußraste · 140-­Liter-­Benzintank · Auto­matische Bilgen­pumpe · Elektrisches Horn · LED-Navigationslicht · Selbstlenzendes Cockpit · Ankerkasten · Edelstahl-­Reling · Windschutz­scheibe · Ankerkasten · Wassertank · Schwarzwassertank

​Bauweise

Die Ayros XA22 wird aus Polyesterharz gefertigt. Durch das Handauflegeverfahren entsteht eine besonders gleichmäßige und robuste Struktur, die ihr gute mechanische ­Eigenschaften verleiht.

​​Manövrierhilfen

Manövriert wird mit dem Lenkrad und dem Motor. Ein Bugstrahlruder war bei unserem Boot nicht verbaut und ist auch nicht erhältlich. Braucht man dank der Spurtreue aber auch nicht.

Trailerfreundlich

Mit 1.200 Kilogramm Leergewicht und kompakten Maßen lässt sich die XA 22 problemlos trailern, schnell ein- und ausslippen und auch ohne festen Liegeplatz flexibel nutzen. Das ist praktisch und kostensparend.

Extraliste

Vieles, was man sich auf einem Dayboot wünscht, steht auf der Extraliste. Das sollte beim Kauf beachtet werden.

Vertrieb Testboot

Werft


BOOTE-Bewertung der Ayros XA 22

​Die Ayros XA 22 überzeugt als vielseitiges Trailerboot: großzügige Decks, praktische Kabine und souveränes Fahrverhalten, gepaart mit kräftigem 250‑PS‑Motor. Kleine Abstriche bei Armaturenbretthöhe und Spaltmaßen ändern nichts daran, dass sie Komfort, Sportlichkeit und Vielseitigkeit überzeugend verbindet.

​Konstruktion und Konzept

Trailerbar mit geeignetem Zugfahrzeug

Modernes Design

Armaturenbretthöhe

Fahren und Steuern

Spurtreu

Sportlich schnell

Wohnen und Ausbauqualität

Kleine Pantry

Guter Gesamteindruck

Spaltmaße manchmal nicht perfekt

Ausrüstung und Technik

Der Motor ist mit 250 PS gut, aber nicht zu stark gewählt

Aufs Minimum beim Fahren reduziert


Alternativen am Markt

​Infinity 575 MC

​Infinity 575 MC.Foto: Dieter Wanke/terrapicture​Infinity 575 MC.

Die Infinity 575 MC ist ein modernes und bestens trailerbares Einsteigerboot für den Einsatz auf Binnen- und Küstengewässern. Es eignet sich ebenfalls für den universellen Einsatz. Hier lesen Sie den Test.


​Atlantic Marine Sun Cruiser 690

​Atlantic Marine Sun Cruiser 690.Foto: BOOTE/Philip Gätz​Atlantic Marine Sun Cruiser 690.

Die Atlantic Marine Sun Cruiser 690 ähnelt optisch der Ayros. In unserem Test war das Boot ebenfalls mit einem 250-PS-Außenborder ausgestattet – das garantiert Spaß auf dem Wasser.


​Quicksilver Activ 675 Weekender

​Quicksilver Activ 675 Weekender.Foto: Quiksilver Boats​Quicksilver Activ 675 Weekender.

Die Quicksilver Activ 675 Weekender ist ein 6,75 Meter langer Dayboat/Weekender mit tiefem V-Rumpf. Sie bietet eine kompakte Kabine, funktionales Decklayout und Staumöglichkeiten. TestKajütboot - Quicksilver Activ 675 Weekend


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​Ayros XA 22 versichern ab 590,78 Euro im Jahr* – Haftpflicht und Kasko. Viele Optionen möglich, zum Beispiel: Trailer mitversichern! Einfach online ausrechnen und ­abschließen: www.yachting24.de

* Angebot von Yachting24 gültig für Versicherungssumme 76.000 Euro (bei Zeitwertdeckung), Selbstbeteiligung 500 Euro, Haftpflicht-Deckungssumme 8 ­Millionen Euro.

Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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