Jan-Ole Puls
· 13.06.2026
Es gibt Werften, die sich Trends anpassen. Und es gibt solche, die ihren eigenen Weg gehen. Targa gehört seit Jahrzehnten zur zweiten Kategorie. Wer sich insbesondere mit dem 32-Fuß-Modell beschäftigt, merkt schnell: Hier geht es nicht um Lifestyle oder bloße Effekthascherei. Es geht um Funktion, Seetüchtigkeit und eine fast schon stoische Form von Beständigkeit. Gerade deshalb wirkt die Entscheidung, das bewährte mit Inbordern ausgestattete Boot nun mit Außenbordern anzubieten, überraschend. Es ist fast ein bisschen so, als würde ein klassischer Geländewagen plötzlich mit Elektroantrieb daherkommen – spannend, machbar, aber irgendwie auch erklärungsbedürftig.
Auf den ersten Blick, am Steg, bleibt die Welt zunächst noch so, wie sie immer war: Die Targa 32 trägt weiterhin ihr charakteristisches Pilothouse, und auch die kantige Silhouette und die umlaufenden, sicheren Seitendecks sind noch da. Alles wirkt vertraut, eine Targa eben. Erst achtern wird klar, dass die Werft einen neuen Ansatz verfolgt. Wo sonst Wellenanlage und klassischer Dieselantrieb verborgen arbeiten, hängen nun zwei kräftige und sehr präsente Mercury-Außenborder.
Das verändert nicht nur die Optik, sondern auch die Nutzbarkeit des gesamten hinteren Heckbereichs. Damit einhergehend verliert das Boot ein Stück seines gewohnten, beinahe schon klassischen Erscheinungsbilds. Eine Veränderung, die die einen als Fortschritt, andere als Stilbruch wahrnehmen werden.
An Bord zeigt sich die 32er dann wieder ganz so, wie man sie kennt. Targa bleibt sich treu und verzichtet konsequent auf modische Spielereien, die klassischen Linien oder edlem Holzausbau zuwiderlaufen würden. Stattdessen dominieren klare Formen, robuste Materialien und eine gehobene Verarbeitung. Nichts wirkt überladen, nichts lenkt ab.
Der Steuerstand ist funktional gestaltet, mit hervorragender Rundumsicht dank großer Fensterflächen und drei Scheibenwischern. Targa-typisch ist die Atmosphäre an Bord: eine Mischung
aus Urlaubs- und Arbeitsboot. Vielleicht macht gerade das es zum Allrounder für jedermann. Die Werft selbst bewirbt das Boot mit dem Slogan „4 x 4 auf dem Wasser“. Irgendwie trifft es das ganz gut. Egal ob für den privaten oder für den professionellen Gebrauch.
Wer einmal in den nordischen Ländern unterwegs war und Kontakt mit der örtlichen Wasserschutzpolizei hatte, wird wissen, dass dort auch die Beamten auf Targas setzen. Und sogar bei uns fahren einige Boote herum, die für verschiedenste Aufgaben genutzt werden. Sie sind eben einfach robust.
Direkt neben dem Niedergang zur vorderen Kabine ist im Deckshaus eine Pantry mit zweiflammigem Kocher und einer Spüle in die Schrankfront eingebaut. Dahinter befindet sich ein U-Sofa samt Salontisch. Die Polster sind gemütlich und der gesamte Bereich ist etwas angehoben. So kann man von dort während der Fahrt bequem nach vorne über den Bug hinweg aufs Wasser schauen. Darüber hinaus lässt sich die Rückenlehne der vorderen kurzen Seite umheben, sodass eine komfortable Beifahrersitzbank entsteht. Der Rudergänger selbst nimmt auf einem drehbaren, gefederten und mit Armlehnen ausgestatteten Polsterstuhl Platz.
Ein paar Stufen führen hinab in die Unterflurkabine. Sie ist großzügig bemessen, wenn auch nicht überall mit allzu viel Stehhöhe versehen. Backbord befindet sich ein Doppelbett, steuerbord eine Einzelkoje. Auch hier sind die Polster gut gearbeitet, und der gesamte Raum wirkt gemütlich. Gelüftet wird über Rumpffenster, die sich öffnen lassen.
Die Vorschiffskajüte gibt es in zwei Varianten. Standardmäßig ist dort einfach nur eine Liegefläche vorgesehen. Das hat Auswirkungen auf das Deckslayout. Auf dem Vordeck sind Backskisten und Sitzgelegenheiten verbaut. Wer hingegen unter Deck mehr Platz haben möchte und ein Inselbett wünscht, muss zur CFC-Version greifen. Das Kürzel steht für Comfort Fore Cabin. Die Backskisten an Deck verschwinden dann zugunsten von mehr Platz und deutlich mehr Stehhöhe in der Kabine. Auch der Raum ist dann wertiger ausgestattet, mit Messinglampen, Holzvertäfelungen und einigen Dingen mehr.
Im Endeffekt sollte man sich entscheiden, ob sich die Eignerkabine vorn oder mittschiffs befinden und wie großzügig der Schlafplatz bemessen sein soll. Natürlich gibt es auch eine Nasszelle. Das WC bietet alles, was man für längere Törns benötigt. Extravagante Designlösungen finden sich hingegen auch hier keine. Den Konstrukteuren ging es nicht darum, möglichst viel Raumgefühl zu erzeugen, sondern darum, dass alles seinen Platz findet und bei Seegang funktioniert.
Nun aber Leinen los! Die Außenborder verleihen der Targa 32 eine ganz neue Dynamik. Die Beschleunigung ist spürbar direkter, das Boot wirkt lebendiger, fast schon spielerischer als die Version mit Wellenanlage. Der Übergang ins Gleiten erfolgt zügiger und kontrolliert, ohne dass die typische Ruhe des Rumpfes verloren geht. Gerade in Häfen mit schmalen Boxengassen oder bei Manövern auf engem Raum zeigen sich die Vorteile des Antriebskonzepts deutlich.
| Drehzahl U/min | Geschw. kn | Geschw. km/h | Verbrauch l/h | Reichweite sm | Reichweite km |
| 650 | 3,3 | 6,1 | 7,3 | 461 | 854 |
| 1.000 | 5,0 | 9,3 | 12,3 | 415 | 768 |
| 2.000 | 8,5 | 15,7 | 35,7 | 243 | 450 |
| 2.500 | 11,8 | 21,9 | 48,8 | 247 | 457 |
| 3.000 | 15,2 | 28,1 | 62,6 | 248 | 459 |
| 3.500 | 22,1 | 40,9 | 79,6 | 283 | 524 |
| 4.000' | 28,1 | 52,0 | 98,4 | 291 | 539 |
| 4.500 | 33,0 | 61,1 | 120,8 | 279 | 516 |
| 5.500 | 41,1 | 76,1 | 213,7 | 196 | 363 |
| 6.313 | 47,5 | 87,9 | 283,8 | 171 | 316 |
* Hier liegt der wirtschaftlichste Bereich in einer guten Gleitfahrt. Gemessen bei unserem Test mit fünf Personen an Bord, kaum Wellengang und acht Knoten Wind. 65 Prozent Benzin im Tank, 5 Prozent Wasser.
Das Boot lässt sich präziser steuern, reagiert unmittelbar auf Gasbefehle und wirkt insgesamt zugänglicher, weniger schwerfällig, als man es von einer klassischen Targa in Hafenfahrt erwarten würde. Auf offener Strecke relativiert sich dieser Eindruck etwas – und das ist durchaus positiv gemeint. Bei Reisegeschwindigkeit zeigt die 32er weiterhin ihre bekannten Stärken. Sie läuft stabil, liegt satt im Wasser und vermittelt auch bei unangenehmen Bedingungen ein hohes Maß an Sicherheit.
Der Rumpf schneidet sauber durch die Wellen, das Boot bleibt jederzeit berechenbar. Der neue Antrieb verändert also nicht den Charakter der Targa, er ergänzt ihn eher um eine zusätzliche Facette. Das Handling ist dann im Vergleich zum Modell mit Innenborder vergleichbar oder gar identisch. Die Nase hebt sich beim Beschleunigen leicht, aber nicht so, dass man sitzend nicht mehr vorausschauen könnte. Die Option für Trimtabs ist fast unnötig. Auch mit ausgeschaltetem Trimmsystem fährt sich das Boot gut.
Den Slalom-Parcours, abruptes Ausweichen oder Kreise bei voll eingeschlagener Lenkung absolviert die Targa problemlos mit Bestnoten. Die beiden Mercurys machen auch hierbei das Manövrieren einfacher. Wer die Joystick-Option dazukauft, wird sich zudem über das seitliche Fahren mit dem Boot freuen. Ein Heckstrahlruder ist nicht mehr nötig und das Handling ist einfacher als mit konventionellen Antrieben.
Ein Thema, das nicht unter den Tisch fallen darf, ist die Geräuschkulisse. Außenborder bringen naturgemäß eine andere akustische Präsenz mit sich als innen liegende Antriebe. Der Klang ist direkter, insbesondere bei höheren Drehzahlen, und damit auch im Steuerhaus deutlicher wahrnehmbar. Das ist kein gravierender Nachteil, aber ein Unterschied, an den man sich gewöhnen muss. Ähnlich verhält es sich beim Verbrauch. Moderne Außenborder arbeiten effizient, vor allem im mittleren Drehzahlbereich. Dennoch ist der Energiebedarf eines solchen Bootes spürbar.
Im Alltag bietet das Außenborderkonzept dennoch klare Vorteile. Wartung und Service gestalten sich einfacher, viele Arbeiten sind leichter zugänglich. Auch das Handling im Hafen oder im Winterlager wird unkomplizierter. Die Frage, wie sich Außenborder langfristig im harten, typischen Targa-Einsatz schlagen werden, kann eigentlich mit „Ohne Probleme“ beantwortet werden. Moderne Außenborder sind so stabil gebaut, dass sie im Grunde jedem Wetter standhalten.
Unterm Strich ist die Targa 32 mit Außenbordern keine radikale Neuerfindung, sondern eher eine konsequente Weiterentwicklung des beliebten Bootes. Der neue Antrieb bringt mehr Agilität und Alltagstauglichkeit, ohne den Kern des Konzepts zu verwässern. Vielleicht ist genau das die größte Stärke dieser Variante: Sie versucht nicht, etwas völlig anderes zu sein, sondern erweitert das Bekannte um eine zeitgemäße Option.
Für Puristen mag das gewöhnungsbedürftig sein. Für andere dürfte es genau der richtige Schritt zur richtigen Zeit sein. Außenborder werden für viele immer häufiger zum Antrieb der Wahl.
Höherer Nutzen für alle
Markt in den USA wird auf diese Weise mit erschlossen
Entfernung vom klassischen Werftkonzept
Höhere Agilität
Hochseeeigenschaften bleiben erhalten
Design bleibt der Werftphilosophie treu
Schiffiges Interieur
Gute Ausrüstungsqualität
Targa setzt seit Jahren auf gute Schalldämmung. Das gilt auch für dieses Boot. Die Außenborder sind zudem gut isoliert. Ihr großer Abstand zum Innenraum trägt zusätzlich dazu bei, dass der Geräuschpegel im Deckssalon akzeptabel bleibt.
Feuerlöscher · Doppelte Hecktüren · Antifouling · LED-Beleuchtung · Bugstrahler · 18-Watt-LED-Arbeitsleuchte · Ladegerät mit 50 Ampere · 230-Volt- Bordsystem mit Steckdosen · Scheibenwischer · Teppich · Trimtabs · Suchscheinwerfer
Das Boot wird in Glasfaser-Sandwichbauweise gebaut. Als Kern wird Urethanschaum verwendet. Dieser Kern kommt auch in den Stringern und Schotts zum Einsatz. Beim Harz setzt die Werft auf Polyesterharz.
Ein Bugstrahlruder mit 80 Kilogramm Schubkraft ist bereits im Standard mit an Bord, inklusive einer Backup-Batterie. Damit ist das System gut dimensioniert.
Insgesamt stehen 13 verschiedene Motoren zur Verfügung, von einmotorigen Inbordern zwischen 400 und 480 PS bis Doppelmotoren zwischen 460 und 800 PS. Daneben gibt es drei Doppel-Außenborder-Varianten mit 600, 700 oder 800 PS.
Das Edelholz gehört einfach auf eine Targa. Wählt man in der Ausstattungsliste das Teakdeck mit, zahlt man 14.750 Euro zusätzlich.
Die Sargo 31 ist das direkte Konkurrenzboot zur Targa. Die Optik, der Einsatzzweck und auch das Handling der Boote sind ähnlich. Sie ist ebenfalls mit zwei Außenbordern verfügbar.
Wenn man über diesen Typ Boot spricht, darf Nordstar mit der 31er nicht fehlen. Sie hat sich auf dem Markt einen guten Ruf erarbeitet und ist ebenfalls mit Außenbordern erhältlich.
Optisch ähnelt die Paragon 31 der Targa im Deckshaus. Der Rumpf ist allerdings deutlich sportlicher und eher in Richtung Festrumpfschlauchboot ohne Schlauch designt.
* Angebot von Yachting24 gültig für Versicherungssumme 372.400 Euro (bei Zeitwertdeckung), Selbstbeteiligung 1.500 Euro, Haftpflicht-Deckungssumme 8 Millionen Euro.

Redakteur Test & Technik
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