Lürssen verabschiedete binnen einer Maiwoche zwei Yachtneubauten. Den Anfang machte „Boardwalk“ in Bremen. Der 117-Meter-Bau lädt mit seinen klassischen Linien zu einer gestalterischen Zeitreise ein. Von der Pier in Rendsburg Nord, wie Lürssen den Standort in Schacht-Audorf nach der Übernahme von Nobiskrug weiter südlich nennt, legte „Nausicaä“ mit Methanol- Brennstoffzellen und ihren vielen Kurven und Lamellen-Details ab.
Ebenfalls in Rendsburg zeigte sich das in der Länge 102,40 Meter messende Projekt „Jassj“ nun seefein und mit dem Klarnamen „Nixie“. Über den Nord-Ostsee-Kanal entsandte Lürssen den Neubau auf Probefahrten in der Kieler Förde. Die Briten von RWD entwarfen innen wie außen für 22 Gäste und 37 Crewmitglieder.
Die Linien von „Nixie“ wirken auf den ersten Blick reduziert und beweisen, dass ein klassischer Steven und eine zeitgenössische Formgebung sich nicht ausschließen müssen. Zur ruhigen Anmutung tragen die stahlgraue Lackierung bei und die für RWD typische, von Konkaven durchzogene Aufbautenstruktur.
Nach oben schließt eine Haube ab, die das Studio häufig einsetzt und die hier mit ihrer Bogenspitze an ein wellenförmiges Fensterband andockt. Außen erzeugen konkave Verläufe markante Rippen, die besonders gut bei frontaler Ansicht zu erkennen sind. Die 15 Meter breite „Nixie“ kommt auf ein Innenraumvolumen von 3.420 Gross Tons, ein mittlerer Wert für eine Yacht dieser Größe.
Der Mast mit weit oben angesiedeltem Geräteträger ragt hoch hinaus und streckt den Riss auf vertikaler Ebene. Ein weiterer Faktor, warum der RWD-Entwurf alles andere als eine gedrungene Figur macht, ist der nach oben konische Aufbautenverlauf. Nach erfolgreicher Beendigung der Seeerprobung dürfte die Gigayacht noch diesen Sommer Kurs Mittelmeer nehmen.
Bis 2029 baut Lürssen noch am 122,5-Meter-Projekt „Omega“, das wie „Nixie“ die US-Makler von Moran Yacht & Ship vermittelten. Abgeliefert zu sein scheint „O3“. Jedenfalls steuerte der 107-Meter-Explorer mit dem norwegischen Kristiansand einen Nicht-EU-Hafen an, um sich wohl die deutsche Umsatzsteuer zurückerstatten zu lassen. Ein übliches Prozedere. Jedoch geben AIS-Daten als nächstes Ziel wieder Sonderborg in der dänischen Ostsee aus. Eher ungewöhnlich für diese Jahreszeit.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV