Peder Eidsgaard kann nicht aufhören, über Design nachzudenken. Der norwegische Superyacht-Designer, bekannt für Entwürfe wie „Irisha" und „Madsummer" oder das Lürssen-Projekt Ziggy, findet sein kreatives Ventil nicht nur im Beruf. Jeden Sommer zieht die Familie ins Ferienhaus an der norwegischen Südküste. Dort wachen sie mit salziger Meeresluft auf, unternehmen Bootstouren und schwimmen im Meer. In dieser Umgebung begannen seine Söhne Sebastian, elf Jahre alt, und Nicolai, neun Jahre alt, kleine Holzboote und Hütten zu bauen. Was als Aktivität unter Brüdern startete, entwickelte sich zur Familientradition. Heute entwerfen, bauen und bemalen Peder, seine Frau Ewa und die beiden Jungen die Werke gemeinsam. Die Entwürfe entstehen manchmal geplant, oft entwickeln sie sich während des Baus.
Die Familie verwendet ausschließlich Resthölzer aus dem örtlichen Baumarkt. „Meine Arbeit ist ein perfektes Ventil für mein kreatives Schaffen; doch mein Gehirn ist immerzu besessen von Ästhetik und konstruktiven Zeichnungen", erklärt Eidsgaard. Die kreative Rastlosigkeit macht seine Familie mitunter verrückt, findet aber in den Sommerprojekten einen produktiven Ausgleich. Die Holzboote sind robust gebaut und nicht leicht kaputtzugehen. Deshalb teilen die Kinder sie gern mit Freunden, die zu Besuch kommen. Die Oberfläche bleibt bewusst rau und markant.
Die Modelle sind nicht dazu bestimmt, edel oder wertvoll zu sein. Ihr Zweck liegt in der gemeinsamen Zeit und den Erinnerungen, die sie schaffen. Während der kalten Wintermonate denkt Eidsgaard an die langen Sommertage zurück. Er erinnert sich an das Sitzen auf heißen Schieferfliesen, die gebleichten, zerzausten Haare seiner Söhne und ihre strahlenden Gesichter mit kleinen Sommersprossen. „Ich zähle die Tage bis zum nächsten Sommer", sagt der Designer. Die Miniaturboote dokumentieren eine Familientradition, die Handwerk, Kreativität und gemeinsame Zeit verbindet.
Eidsgaard wurde in Norwegen geboren und wuchs dort als Engländer auf. Im Alter von zwölf Jahren las er in einem Magazin über Londoner Superyacht-Designer. Seitdem stand sein Berufswunsch fest. 2005 gründete er das Studio Harrison Eidsgaard, das sich mit Ausnahme-Yachtentwürfen in der Szene etablierte. Die Sommerwochen an der Südküste Norwegens bieten ihm den Kontrast zur professionellen Designarbeit. Dort entstehen keine millionenschweren Yachten, sondern einfache Holzmodelle aus Baumarkt-Resten. Die Projekte zeigen, dass Design nicht immer Perfektion bedeuten muss, sondern auch in roher, markanter Form Freude bereiten kann.
Dieser Artikel erschien erstmals in BOOTE EXCLUSIV 1/2021 und wurde für diese Online-Version aktualisiert.

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv