Designer-HobbysTerence Disdale findet Inspiration beim Angeln und Schrauben

Sören Gehlhaus

 · 26.05.2026

Zum Angeln nach Indien: Terence Disdale präsentiert einen von ihm gefangenen Mahseer, einen karpfenartigen Fisch mit riesigen Schuppen.
Foto: privat
Der britische Yachtdesigner Terence Disdale, bekannt für Projekte wie „Eclipse” oder „Blue”, schöpft seine kreative Energie aus der Natur. Beim Angeln und Camping an Seen und Flüssen findet er den Zugang zu seinem gestalterischen Unterbewusstsein. Seine Oldtimer-Sammlung mit klassischen Jaguar- und Aston-Martin-Modellen beeinflusst seine Designphilosophie zusätzlich.

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Terence Disdale zählt zu den prägenden Figuren des Yachtdesigns und entstammt der Schule von Jon Bannenberg. Nach Andrew Winch und Tim Heywood etablierte sich der Brite mit klassisch-eleganten Exteriors wie dem von „Eclipse” und warmen Interiors, die afrikanisch-balinesische Einflüsse tragen wie etwa auf „Pelorus”. Zu seinen jüngsten Exterieur-Kreationen zählen die Lürssen-Großprojekte „Opera” (146 m, 2023) und die „Blue” (160 m, 2022). Doch die Quelle seiner gestalterischen Kraft liegt fernab der Designstudios, in der unberührten Natur beim Angeln und Camping. „Woher kommt die Inspiration? Sicherlich von innen. Mein Unterbewusstsein nimmt alles auf, was an meinen Augen vorbeizieht", erklärt Disdale. Dabei sehe er Dinge, die manche Menschen nicht wahrnehmen könnten. Seine Ideen würden leichter geboren, nachdem er die Natur absorbiert habe. Er kenne nichts Besseres, als ein paar Tage am See zu campen und zu angeln.

Die Philosophie hinter der Angel

Die Faszination für das Angeln erschließt sich nicht jedem sofort. Viele Menschen gingen davon aus, dass Langeweile aufkomme, wenn nicht alle fünf Minuten etwas gefangen werde. „Es geht um die Herausforderung zwischen Angler und Mutter Natur", betont Disdale. Selbst nach einer langen Reise ohne Fang komme er erfrischt nach Hause, durch die Ruhe, die frische Luft, den Vogelgesang und die sattgrüne Umgebung. Die Japaner bezeichnen dies als Waldbaden, dem nachweislich positive Effekte auf Herzfrequenz, Blutdruck, Immunsystem und Wohlbefinden zugeschrieben werden. Seit seinem siebten Lebensjahr fischt Disdale im Süßwasser. Seine Urlaube verbringt er stets zeltend an Flüssen oder Seen in fremden Gegenden, normalerweise in Indien oder in abgelegenen Teilen Frankreichs.

Vom Brunnen des Geistes

Disdale kann sich nicht daran erinnern, während eines Aufenthalts am See auf eine bestimmte Idee gekommen zu sein. Seine Ideen entstünden im Brunnen seines Geistes, und das Sein im großen Grün der Natur gebe ihm einen besseren Zugang zur Tiefe dieses Brunnens. Nach jahrelanger Suche besitzt er nun ein Haus mit einem Fluss, der durch den Garten fließt. Dadurch kann er seine Angel auswerfen, wann immer es seine Arbeit erlaubt. „Wenn Covid-19 also Selbstisolation bedeutete, dann weiß ich, dass ich nie leiden werde, sofern ich mit meinen Angelruten an einem Fluss oder See bin", sagt der Designer. Die Verbindung zur Natur bildet für ihn die Grundlage seiner kreativen Arbeit.

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Rollende Designinspiration

Wenn Disdale nicht gerade fischt, widmet er sich seiner Oldtimer-Sammlung. Diese besteht aus einem Jaguar XK 120 von 1950, einem Aston Martin DB5 und einem Jaguar E-Type. Die fließenden Formen dieser Automobile inspirieren seine Philosophie des Exteriordesigns. Der Jaguar XK 120 mit seinen 1948 entstandenen, schwungvollen Linien beeinflusst seine Arbeit direkt. Zudem kommt in der Restauration der Fahrzeuge sein technisches Interesse zum Ausdruck. Es bereite ihm große Freude, mit dem Restaurationsteam an den Fahrzeugen zu schrauben. Die Kombination aus natürlicher Inspiration durch das Angeln und der technischen Ästhetik klassischer Sportwagen prägt Disdales Designsprache nachhaltig.

​​​Dieser Artikel erschien erstmals in BOOTE EXCLUSIV 1/2021 und wurde für diese Online-Version aktualisiert.


Sören Gehlhaus

Sören Gehlhaus

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV

Sören Gehlhaus wurde 1981 in Berlin geboren und besegelte auf Jollen die Unterhavel, in den Ferien den Ratzeburger See und die Ostsee auf „Dickschiffen“. Zeitgleich mit dem Beginn des Studiums in Lübeck trat 2001 das Kitesurfen auf den Plan, und die intensive Ausübung des neuen Sports sorgte für den beruflichen Schwenk zum Journalismus. Nach Volontariat beim b&d Verlag in Hamburg folgten viele Jahre der redaktionellen Arbeit für ein Kitesurf-Magazin und 2018 der Wechsel zu BOOTE EXCLUSIV.

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