Galeon im InterviewVorstoß ins Superyacht-Segment

Jörg Müller-Dünow

 · 02.10.2026

Seit 2021 ist Patryk Pettke der Sales Manager für die polnische Werft Galeon Yachts.
Foto: Galeon Yachts
​Galeon Yachts will die Position im Segment größerer Motoryachten ausbauen. Sales Manager Patryk Pettke spricht im Interview über die Vorteile eines Familienunternehmens, internationale Wachstumsmärkte und die Rolle von Hybridantrieben, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz.

Themen in diesem Artikel

​Galeon ist bis heute ein Familienunternehmen. Was bedeutet das für die Art, wie Sie Entscheidungen treffen?

Als Familienunternehmen hat Galeon eine langfristige Perspektive. Wir sind nicht gezwungen, Entscheidungen allein auf Basis kurzfristiger Finanzergebnisse oder Quartalserwartungen zu treffen. Das ermöglicht uns, kontinuierlich in Menschen, Technologie, Design und Produktentwicklung zu investieren.

Welche Märkte sind derzeit Ihre wichtigsten? Wo sehen Sie das größte Wachstumspotenzial in den nächsten Jahren?

Heute ist das Geschäft grob ausgewogen zwischen Amerika und Europa. Die Vereinigten Staaten bleiben für uns extrem wichtig. In Europa sehen wir starkes und wachsendes Interesse in mehreren Regionen, darunter Deutschland, Großbritannien und die Balkanstaaten. Gleichzeitig arbeiten wir an der weiteren Entwicklung in Südamerika und Afrika, während Asien durch unsere Kooperation mit Asia Marine eine wichtige strategische Richtung bleibt.


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Galeon sieht Potenzial bei größeren Yachten

Planen Sie, Ihre Marke zunehmend im Superyacht-Segment zu positionieren?

Das Kundeninteresse an Yachten zwischen 60 und 80 Fuß wächst deutlich. Wir sehen klares Potenzial für Galeon im Segment der größeren Yachten. Die Stärke von Galeon liegt darin, dass wir das Yachtdesign mit einem sehr funktionalen und innovativen Ansatz angehen.

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Was ist das Alleinstellungsmerkmal von Galeon gegenüber britischen Superyacht-Werften oder italienischen Marken?

Einer der stärksten Vorteile von Galeon ist Flexibilität. Wir sind sehr offen für individuelle Modifikationen und besondere Kundenwünsche. Das ermöglicht es Kunden, eine Yacht zu schaffen, die sich wirklich persönlich anfühlt und gleichzeitig von bewährter Ingenieursqualität profitiert. Galeon ist bekannt für Lösungen, die das Boot größer, offener und vielseitiger wirken lassen. Wir wollen Kunden Merkmale bieten, die im täglichen Bootsbetrieb wirklich nützlich sind. All das mit einem starken Fokus auf hochwertige Verarbeitung, Liebe zum Detail und einem Standard, den Kunden von einem Premium-Yachthersteller in Europa erwarten.

Wie strukturieren und organisieren Sie Ihre Vertriebs- und Marketingaktivitäten in den jeweiligen Kundensegmenten?

Bei kleineren und mittelgroßen Modellen liegt der Fokus oft auf Lifestyle, Vielseitigkeit, einfacher Handhabung und dem Wert, den die Kunden erhalten. Bei größeren Yachten wird der Prozess viel individueller. Der Kunde erwartet eine persönlichere Beziehung, detaillierte technische Informationen, Individualisierung und eine enge Zusammenarbeit zwischen Händler, Werft und Kunde. In diesem Segment geht es beim Verkauf darum, den Kunden durch einen komplexen Entscheidungsprozess zu begleiten.

Hybridantriebe nur bei erkennbarem Mehrwert

Elektro- und Hybridantriebe sind eines der großen Themen der Branche. Wo steht Galeon?

Wir verfolgen die Entwicklung von Elektro- und Hybridantrieben sehr aufmerksam. Hybridoptionen sind bereits bei ausgewählten Galeon-Modellen verfügbar. Bei vielen größeren Booten bleiben Reichweite, Ladeinfrastruktur, Gewicht und Kosten wichtige Faktoren. Der Ansatz von Galeon ist es, solche Lösungen einzuführen, wenn sie echten Mehrwert liefern und den Erwartungen unserer Kunden entsprechen.

Welche Rolle künstliche Intelligenz spielen könnte

Welche technologischen Entwicklungen werden in den nächsten zehn Jahren den größten Einfluss auf den Bootsbau und die Nutzererfahrung haben?

Jenseits des Antriebs glauben wir, dass die größten Veränderungen von Digitalisierung, intelligenteren Bordsystemen, verbesserter Konnektivität, Automatisierung, neuen Materialien und der wachsenden Rolle von künstlicher Intelligenz kommen werden. Kunden erwarten zunehmend, dass ihre Yachten intuitiv, vernetzt und einfach zu bedienen sind.

Wie entwickelt sich künftig der Markt?

Wir beobachten ein schrittweises Ansteigen von Interesse und Aufträgen in den meisten Märkten. Unsere Erwartung ist ein stabileres, nachhaltiges Wachstum in den Luxusgüter- und Bootsmärkten. Kunden treffen ihre Entscheidungen sorgfältiger und erwarten klaren Mehrwert. Für 2027 und darüber hinaus sind wir vorsichtig optimistisch.


Brauchen Eigner immer größere und stärker vernetzte Yachten oder sind einfache, überschaubare Bootskonzepte langfristig attraktiver? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

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Jörg Müller-Dünow fand mit 13 auf Spiekeroog durch Zufall zum Segelsport und lernte das Wattensegeln von der Pike auf. Der Düsseldorfer hat ein RIB auf dem Rhein verchartert, mit Yachten zwischen 6 und 22 Metern an den Regatta-Klassikern in den Niederlanden und im westlichen Mittelmeer teilgenommen und ist heute mit eigenem Boot und der Familie in Zeeland unterwegs. Neben beruflichen Stationen in Agenturen und Unternehmen als PR-Berater und Pressesprecher war er praktisch immer auch als freier Journalist tätig. Seit 2025 berichtet er aus den Niederlanden für BOOTE und YACHT, testet Boote, teilt Reiseerlebnisse und Reviertipps und portraitiert spannende Werften oder Wassersportler.

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