Heute begann vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg der Strafprozess zu den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines. Angeklagt ist der ukrainische Staatsangehörige Serhii K., der zur Tatzeit Offizier einer Spezialeinheit der ukrainischen Streitkräfte war. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, im September 2022 ein siebenköpfiges Kommando geleitet zu haben, das von der „Andromeda“ aus Sprengsätze an drei Pipeline-Rohrsträngen angebracht haben soll. Wie das Schiff dafür vorbereitet wurde und welche Verbindung zu einem Vercharterer in Breege bestand, warf schon 2023 einige nautische Fragen auf.
Wie ein Rechercheverbund aus ARD-Hauptstadtstudio, SWR-„Kontraste“ und der „Zeit“ im März 2023 berichtete, sollen die Saboteure der Nord-Stream-Pipelines mittels Segelyacht zum Tatort gelangt sein. In der Nähe von Bornholm waren im September 2022 große Gaslecks an Nord Stream 1 und 2 aufgetreten.
Bei einem in Breege ansässigen Vercharterer soll „Spiegel“-Recherchen zufolge die Bavaria 50 „Andromeda“ mithilfe falscher Pässe gechartert und mit dem Sprengstoff beladen worden sein. Anschließend, so hieß es zunächst bei der „Zeit“, sei die Yacht in den Hafen Wieck auf dem Darß eingelaufen. Das aber konnte schon nicht sein: Der Hafen hat gerade einmal 1,40 Meter Wassertiefe, zu wenig für die Bavaria 50.
Später wurde die Angabe korrigiert: Es sei der Hafen Wiek auf Rügen gewesen, hieß es nun. Wie das Darßer Wieck, liegt auch das Rügener Wiek am Bodden und ist nicht unbedingt als zwingendes Etappenziel zwischen Rostock und Bornholm bekannt. Die Ansteuerung erfolgt über das Fahrwasser Hiddensee und dann in den Wieker Bodden. Warum die Saboteure diesen Umweg in Kauf genommen haben, wurde aus den damaligen Recherchen nicht ersichtlich.
Auch der Beschluss des Bundesgerichtshof (BGH) vom 10. Dezember 2025 erwähnt Wiek auf Rügen. Nach dem dort geschilderten Ermittlungsstand sollen die Beteiligten dort an Bord gegangen sein. Zeugen zufolge wurde nach der Rückkehr Tauchausrüstung von Bord gebracht. Der vom „Spiegel“ genannte mutmaßliche Vercharterer der „Andromeda“ hat seinen Sitz im benachbarten Breege und wollte sich damals auf Anfrage nicht äußern.
Ob es überhaupt möglich ist, auf einer Bavaria 50 vier Taucher samt Ausrüstung, weitere Beteiligte sowie den ganzen Sprengstoff zu transportieren und die Sprengladungen ohne Kran am Tatort zu Wasser zu lassen, war 2023 noch weitgehend unklar.
Inzwischen gibt es dazu die Einschätzung eines Sachverständigen. Laut BGH war die Yacht baulich geeignet, die erforderliche Ausrüstung zu transportieren, zum Tatort zu fahren und dort als Basis für Tauchgänge zu dienen. Bei der Anmietung sei zudem um ein Beiboot gebeten worden, das für Tauchgänge genutzt werden konnte. Weitere Einzelheiten zu den Feststellungen des Sachverständigen nennt der Beschluss nicht. Ob und wie die Sprengsätze tatsächlich zu Wasser gebracht und an den Pipelines befestigt wurden, bleibt jedoch offen.

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