Hot LabSowjetischer Eisbrecher wird Expeditions-Superyacht

Jan-Ole Puls

 · 15.10.2026

Die Aqua Lares auf dem Wasser. Hinter der Expeditionsyacht steckt die Geschichte eines ehemaligen Eisbrechers.
Foto: Hot Lab
Das Mailänder Designstudio Hot Lab hat die Innenräume der 77,4 Meter langen Aqua Lares neu gestaltet. Die ehemalige “Legend”, ursprünglich ein sowjetischer Eisbrecher von 1974, fährt seit Februar 2026 als Expeditionsyacht mit Einzelkabinen-Buchungen durch Ostafrika und die norwegische Arktis.

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Die Aqua Lares entstand aus einem sowjetischen Eisbrecher, den die niederländische Werft Verschure 1974 baute. Icon Yachts verwandelte das Schiff 2016 in eine Luxus-Expeditionsyacht namens Legend. Jetzt hat Aqua Expeditions das Schiff erneut umbauen lassen und bietet als erste Superyacht weltweit sowohl Einzelkabinen-Buchungen als auch Komplett-Charter an. Die Yacht fährt mit ihrer Eisbrecher-Rumpfklasse 1 in entlegene Regionen wie die Seychellen, Tansania, das Aldabra-Atoll, Sansibar und Spitzbergen.

Behutsame Neugestaltung der Innenräume

Hot Lab aus Mailand übernahm die Innenarchitektur in enger Zusammenarbeit mit Birgit Galli Zugaro, der Design-Direktorin von Aqua Expeditions. Das ursprüngliche Außendesign stammte von M.E Consulting, die früheren Innenräume von John Misiag Design und Shelley McNaughton Interior Designs. Enrico Lumini, Mitgründer und Design-Direktor von Hot Lab, erklärt den Ansatz: Die Yacht habe über fünf Jahrzehnte einen eigenen Charakter entwickelt. Das Ziel sei gewesen, die über die Jahre veränderten Bereiche wieder mit der ursprünglichen Identität des Schiffs in Einklang zu bringen, statt alles neu zu erfinden. Die Designer wollten die Geschichte des Schiffs respektieren und gleichzeitig den Komfort für Gäste durch neue Materialien und Details verbessern.

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Expeditionsrouten in zwei Klimazonen

In Ostafrika bietet die Aqua Lares Reisen zwischen fünf und elf Nächten an. Die Routen führen zu Biodiversitäts-Hotspots und abgelegenen Inseln wie den African Banks, die für größere Schiffe nicht erreichbar sind. In der Arktis erkunden Gäste die eisige Wildnis Spitzbergens mit Eisbären, Walrossen und Gletschern. Für Landgänge stehen fünf Beiboote bereit: drei Zodiacs mit 6,5 Metern Länge und zwei Rafnar-Tender mit 8,5 Metern. Dazu kommen Paddleboards, Mountainbikes, Kajaks sowie Schnorchel- und Tauchausrüstung.

Materialwahl für extreme Temperaturen

Chiara Pastore, Senior-Designerin für Möbel und Ausstattung bei Hot Lab, beschreibt die Herausforderung der unterschiedlichen Klimazonen. Die Materialien, Oberflächen und Textilien sollten in kalten Regionen Wärme und Schutz vermitteln, in warmen Gebieten aber leicht und elegant wirken. Gleichzeitig mussten sie strapazierfähig und pflegeleicht sein, um bei intensiver Nutzung ihre Qualität zu behalten. Die Designer wählten natürliche Materialien, verschiedene Texturen und ausgewogene Farben. Mehrschichtige Beleuchtung, durchdachte Details und fühlbare Oberflächen erzeugen laut Pastore eine wohnliche statt institutionelle Atmosphäre.

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Ausstattung und Service

Die Yacht erstreckt sich über sechs Decks. Das Sonnendeck bietet einen Panoramablick mit Bar und Lounge. Weitere Bereiche umfassen ein Fitnessstudio, einen Speisesaal innen und einen Essbereich außen, einen Salon, eine Boutique und ein Kino. Zum Wellness-Angebot gehören zwei Whirlpools, ein Spa, eine Sauna und ein Massageraum. Die Kabinen messen zwischen 13 und 66 Quadratmetern, darunter drei große Owner-Suiten. Das Verhältnis von Crew zu Gästen liegt bei eins zu eins.

Raumgestaltung für soziale und private Momente

Die Möblierung ermöglicht sowohl Gruppenaktivitäten als auch Rückzug. In den Suiten und Kabinen setzten die Designer auf weiche Texturen, hochwertige Stoffe und beruhigende Farben. Die öffentlichen Bereiche bieten flexible Sitzanordnungen für unterschiedlich große Gruppen. Pastore betont, dass Komfort bei jeder Entscheidung im Mittelpunkt stand. Die Designer überlegten, wie Gäste die Räume den ganzen Tag über erleben würden. Das Ergebnis solle intim, komfortabel und funktional sein.

Erste Saison erfolgreich absolviert

Die Aqua Lares startete im Februar 2026 ihre erste Fahrt. Nach einer erfolgreichen Saison in Ostafrika fuhr sie im Mai in die Arktis nach Spitzbergen. Antonio Romano, Handels- und Marketing-Direktor der Viken Group und Mitgründer von Hot Lab, sieht die Arbeit als Beitrag zur Weiterentwicklung eines Schiffs mit bemerkenswerter Geschichte. Der Umbau habe nicht auf dramatische Statements abgezielt, sondern darauf, die vorhandenen Stärken zu verstärken und die Innenräume mit den Erlebnissen der Gäste in Einklang zu bringen.


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Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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