Der Morgen liegt noch grau über dem Hafen. Auf dem Steg klappern Karabiner, irgendwo springt ein Außenborder an. Es riecht nach nassem Tauwerk, Kaffee aus dem Thermobecher und diesem besonderen Versprechen, das nur ein Angeltag auf dem Wasser geben kann: Heute kann alles passieren.
Und manchmal reicht ein Blick an die Sliprampe, um alte Bilder im Kopf zu überprüfen. Da steht ein Boot am Trailer, der Motor glänzt, die Ruten liegen sortiert an Deck, der Bugmotor ist hochgeklappt. Kurz darauf steigt nicht der erwartete „Typ mit Basecap und Bootsführerscheinblick“ aus dem Auto, sondern eine Anglerin, die genau weiß, was sie tut. Rückwärtsgang. Kurzer Schulterblick. Trailer ins Wasser. Boot frei. Motor an. Los.
So einfach kann ein Klischee untergehen. Und eigentlich hat es ohnehin nie wirklich zum Wasser gepasst. Denn das Wasser fragt nicht, wer am Steuer sitzt. Der Wind interessiert sich nicht für Klischees. Ein Zander nimmt den Köder nicht anders, weil ihn eine Frau führt. Bootsangeln war nie nur Kraft, nie nur Technik, nie nur „Männersache“. Wer auf dem Wasser erfolgreich sein will, braucht Gefühl für Wind und Drift, Ruhe im Drill, saubere Entscheidungen, Überblick im Boot und den Mut, auch mal eine andere Kante anzufahren als alle anderen. Nichts davon ist männlich. Nichts davon ist weiblich. Es ist einfach gutes Bootsangeln. Und ein Boot läuft dann sauber, wenn jemand es steuert, der es versteht – unabhängig vom Geschlecht.
Bootsangeln ist keine Männerwelt. Es ist eine Draußenwelt. Eine Revierwelt. Eine Welt aus Wetter, Technik, Konzentration, Freiheit und Momenten, die man nicht planen kann. Deshalb begeistert sie Menschen, die gern draußen sind, die Reviere entdecken wollen, die Fische suchen, statt nur auf sie zu warten – und die auf dem Wasser dieses besondere Gefühl finden irgendwo zwischen Abenteuer und Ruhe. Immer mehr Frauen machen genau das. Sie stehen am Bug, bedienen den Bugmotor, lesen Kanten auf dem Echolot, trailern ihr Boot, planen Touren, fahren Turniere, nehmen Freundinnen mit oder genießen einfach den stillen Morgen draußen auf dem See. Nicht weil sie beweisen müssten, dass sie etwas können. Sondern weil sie es können. Und weil es Spaß macht.
Vielleicht liegt darin die schönste uxnd wichtigste Botschaft dieses Themas: Es gibt keinen Grund, es nicht zu tun. Wer Lust auf Wasser hat, wer das Bootfahren liebt, wer lernen möchte zu angeln, der sollte rausfahren. So wie diese Frauen:

Freier Autor, Angelexperte
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