Pro und ContraReservierung vs. Spontanität – Gastliegeplatz vorab buchen?

Martin Hager und Lars Bolle erläutern in einem Pro und Contra, ob sie einen Gastliegeplatz reservieren oder spontan entscheiden.
Foto: Leonie Meyer (Hintergrund); Redaktion
Einen Gastliegeplatz im Voraus zu reservieren, sorgt für Planungssicherheit und weniger Stress, nimmt dem Törn aber einen Teil seiner spontanen Freiheit. Während die einen den festen Liegeplatz und die entspannte Tagesplanung schätzen, bevorzugen andere Flexibilität. Digital-Chefredakteur Lars Bolle und Chefredakteur Martin Hager erläutern ihren jeweiligen Standpunkt.

Themen in diesem Artikel

Lars Bolle reserviert lieber einen Gastliegeplatz

​Mit der App MySea habe ich in Kroatien Liegeplätze gebucht. Nach ein, zwei An­läufen war klar: Das funktioniert und es ­verändert den Tag an Bord spürbar. Der größte Vorteil ist nicht Komfort, sondern Ruhe im Kopf. In vollen Revieren sitzt sonst oft ab mittags der Zeitdruck im Nacken. Früh los, Richtung Marina, bloß nicht zu spät kommen, sonst bleibt nur Päckchen oder Ankern, obwohl genau das an diesem Tag vielleicht nicht gewollt ist. Mit Reservierung fällt dieser Stress weg. Am Ende des Tages steht der Liegeplatz fest. Plötzlich entsteht Raum. Mittags länger vor Anker bleiben, den Nachmittag auskosten, längere Schläge planen und auch erst am Abend ankommen, ohne hektisch zu werden. Bei mir hat das in Trogir genauso geklappt wie bei einem kleinen Restaurant mit nur drei Bojen. Eine war reserviert – für uns. Beim Wirt wartete sogar ein Tisch für die Crew, mit Schildchen. Das fühlte sich nach einem Willkommen an. Ja, es kostet etwas mehr. Aber bezahlt wird nicht nur der Platz, sondern Planungssicherheit, weniger Stress und mehr echter Urlaub. In überfüllten Revieren ist mir das den Aufpreis wert. Merke: Buchen statt fluchen!


Martin Hager​ möchte flexibel bleiben

Für mich spricht viel dagegen, Gastliegeplätze im Voraus zu buchen. Reservierungen erzeugen psychischen Druck: Man „muss“ zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein, statt spontan bei bestem Wetter und in der schönsten Bucht einfach eine weitere Nacht vor Anker zu liegen und die Natur zu genießen. Das Vorbuchen nimmt einem Törn genau die Freiheit, die ich an Bord suche. Gleichzeitig zahlt man häufig Reservierungsgebühren oder Anzahlungen, die bei Planänderungen ganz oder teilweise verloren sind – verschenktes Geld. Hinzu kommt das Risiko, den Charakter des Hafens falsch einzuschätzen: Auf Fotos und Online-Bewertungsplattformen wirkt alles idyllisch, vor Ort befindet sich der Liegeplatz dann vielleicht direkt an Sanitärgebäuden, lauten Bars oder der Tankstelle. Ohne Vorbuchung kann man in solch einem Fall einfach weiterfahren und sich einen Hafen suchen, der wirklich passt. Viele Reviere bieten zudem genügend Alternativen wie Bojenfelder, Ankerbuchten oder kommunale Stege. Wer flexibel bleibt, nutzt diese Optionen, statt an eine womöglich unattraktive Marina gebunden zu sein.


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Weitere Pro und Contra:

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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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