Mit der App MySea habe ich in Kroatien Liegeplätze gebucht. Nach ein, zwei Anläufen war klar: Das funktioniert und es verändert den Tag an Bord spürbar. Der größte Vorteil ist nicht Komfort, sondern Ruhe im Kopf. In vollen Revieren sitzt sonst oft ab mittags der Zeitdruck im Nacken. Früh los, Richtung Marina, bloß nicht zu spät kommen, sonst bleibt nur Päckchen oder Ankern, obwohl genau das an diesem Tag vielleicht nicht gewollt ist. Mit Reservierung fällt dieser Stress weg. Am Ende des Tages steht der Liegeplatz fest. Plötzlich entsteht Raum. Mittags länger vor Anker bleiben, den Nachmittag auskosten, längere Schläge planen und auch erst am Abend ankommen, ohne hektisch zu werden. Bei mir hat das in Trogir genauso geklappt wie bei einem kleinen Restaurant mit nur drei Bojen. Eine war reserviert – für uns. Beim Wirt wartete sogar ein Tisch für die Crew, mit Schildchen. Das fühlte sich nach einem Willkommen an. Ja, es kostet etwas mehr. Aber bezahlt wird nicht nur der Platz, sondern Planungssicherheit, weniger Stress und mehr echter Urlaub. In überfüllten Revieren ist mir das den Aufpreis wert. Merke: Buchen statt fluchen!
Für mich spricht viel dagegen, Gastliegeplätze im Voraus zu buchen. Reservierungen erzeugen psychischen Druck: Man „muss“ zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein, statt spontan bei bestem Wetter und in der schönsten Bucht einfach eine weitere Nacht vor Anker zu liegen und die Natur zu genießen. Das Vorbuchen nimmt einem Törn genau die Freiheit, die ich an Bord suche. Gleichzeitig zahlt man häufig Reservierungsgebühren oder Anzahlungen, die bei Planänderungen ganz oder teilweise verloren sind – verschenktes Geld. Hinzu kommt das Risiko, den Charakter des Hafens falsch einzuschätzen: Auf Fotos und Online-Bewertungsplattformen wirkt alles idyllisch, vor Ort befindet sich der Liegeplatz dann vielleicht direkt an Sanitärgebäuden, lauten Bars oder der Tankstelle. Ohne Vorbuchung kann man in solch einem Fall einfach weiterfahren und sich einen Hafen suchen, der wirklich passt. Viele Reviere bieten zudem genügend Alternativen wie Bojenfelder, Ankerbuchten oder kommunale Stege. Wer flexibel bleibt, nutzt diese Optionen, statt an eine womöglich unattraktive Marina gebunden zu sein.
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