Der zweitlängste Fluss Europas gehört seit Urzeiten zu den wichtigsten Handelsrouten. Die Römer nannten ihn Dānuvius und ordneten ihm den gleichnamigen Flussgott zu. Wir starten die Reise auf dem Strom in Wien. Die Metropole ist ein Highlight an der Donau, auf das wir nicht verzichten wollen. Eigentlich ist unser Charterboot „Julio“, eine Quicksilver Activ 905 Weekend mit kräftigem Mercury Verado 350, in Untermühl stationiert, der Basis des 2019 gegründeten Charterunternehmens Donau Yachten. Eigentümer Thomas Schauer hatte vorgeschlagen, im Heimathafen zu starten und dann auch wieder zurückzufahren, das sind über 500 Flusskilometer. Dafür sollte man sich besser zwei Wochen Zeit nehmen, denn ansonsten bleibt kaum Spielraum für die Erkundung der schönen Ziele. Da er selbst auf Tour war, lag das Boot dann ohnehin in Wien, und wir konnten dort übernehmen. Einwegtörns sind bei entsprechender Planung grundsätzlich auch für Charterkunden möglich.
Die Marina Wien bietet allen Komfort. Die beiden Hafenbecken sind eingezäunt, also nur für Gäste zugänglich. Wer Richtung Osten aufbrechen will, passiert nach gut 50 Flusskilometern die Landesgrenze zur Slowakei, aber wir wollen in die andere Richtung. Für die Erkundung von Wien sollte mindestens ein Tag eingeplant werden, denn die Stadt hat enorm viel zu bieten. Da wir das Boot am Nachmittag übernehmen, erkunden wir am Abend noch den nahe gelegenen Prater. Der kann zu Fuß erreicht werden, aber wir nutzen die U-Bahn, denn die Haltestelle Donaumarina ist gleich neben dem Hafenbecken, bequemer geht es nicht. Beim dritten Stopp ist der als Wurstelprater weltbekannte Vergnügungspark erreicht. Wo sonst der Teufel los ist, herrscht gespenstische Ruhe, denn die Fahrgeschäfte sind wegen der Corona-Krise geschlossen. Die Restaurants sind jedoch geöffnet. Serviert wird gediegenes Rummelplatz-Fast-Food.
Der nächste Tag begrüßt uns mit herrlichem Sonnenschein. Perfekt, um die Stadt zu erkunden. Alles ist an einem Tag nicht zu schaffen. Wir starten mit Schloss Belvedere und flanieren dann gemütlich in Richtung Zentrum. Die Anfang des 18. Jahrhunderts für Prinz Eugen von Savoyen gebaute Schlossanlage erlaubt einen schönen Spaziergang im Belvederegarten mit Blick auf die Wiener Altstadt. Wenn nicht gerade Coronaviren ihr Unwesen treiben, kann das Schloss auch von innen besichtigt werden. Mit dem Stadtkern im Visier erreichen wir bald die Staatsoper. Ein Abstecher zum legendären Naschmarkt wäre noch zu empfehlen, aber wir sind versorgt. Da das Hotel Sacher nur wenige Schritte entfernt ist, gehört eine Sacher-Torte samt einer Kaffeespezialität natürlich zum Pflichtprogramm. Wir genießen das Schokoladentörtchen samt Sonnenstrahlen in der umtriebigen Kulisse, begleitet vom Hufgeklapper der Zugpferde vorbeifahrender Fiaker. Weiter geht es durch das geschäftige Kärntner Viertel zum Stephansdom. Wer shoppen will, ist hier richtig. Wir suchen noch etwas Ruhe im schönen Volksgarten neben dem Burgtheater. Von hier führt dann der Weg wieder Richtung Osten zum Stubenviertel mit zahlreicher Gastronomie. Ziel ist das wohl bekannteste Restaurant für Wiener Schnitzel, das Figlmüller. Wer hier nicht reserviert hat, bekommt kaum einen Tisch. Wir haben Glück. Nach dem Genuss der Legende mit perfektem Panier und Erdäpfel-Vogerl-Salat – sprachliche Unterschiede sind vorhanden – wird es dann Zeit für den Rückweg zur Marina, wo wir den Abend an Bord ausklingen lassen.
Am nächsten Morgen steht die Fahrt nach Krems an. Die Sonne hat uns verlassen. Rund 75 Kilometer samt zwei Schleusen sind zu meistern, mit Stopp in Tulln, da der Tank nicht voll ist und die Tankstelle in Krems geschlossen. Obwohl man mit dem Gleiter flott unterwegs ist, müssen für die Strecke vier bis fünf Stunden eingeplant werden, denn Schleusen braucht Zeit. Oft muss auf Berufsschiffe gewartet werden. Da Funk an Bord ist, kann alles mit dem Schleusenpersonal besprochen werden. Hier kommen dann Anweisungen zu Wartezeiten. Alles läuft sehr freundlich. Die Kammern sind groß, und der Hub ist schon enorm. Am Nachmittag laufen wir in den Hafen vom Motoryachtclub Wachau in Krems ein. Es zieht die Menschen schon lange an die Donau. Das belegt der örtliche Fund einer über 30 000 Jahre alten Skulptur aus der Eiszeit. Siedlungen gab es hier ab dem 7. Jahrhundert. In der Region dominiert heute der Weinbau, und die Stadt ist von Weinbergen umgeben. Zwar ist die Gegend für sehr geringe Niederschläge bekannt, aber uns erwartet Dauerregen: Nach einem kurzen Rundgang durch die bildhübsche Altstadt suchen wir schnell Unterschlupf. Leider ist Montag und unser geplantes Ziel, das älteste Gasthaus von Krems aus dem Jahr 1556, Zum goldenen Hirschen, ebenso geschlossen wie die meisten anderen Wirtschaften. Das Ja Mas ist unsere Rettung: Beim örtlichen Griechen speisen wir vorzüglich.
Auf den 50 Kilometern zum nächsten Ziel Marbach passieren wir bald das pittoreske Dürnstein mit seinem unverwechselbaren blauen Turm, einem der Wahrzeichen der Wachau. Etwas später dann das Schloss Schönbühel mit der Gefahrenstelle „Kuh und Kalb“. Obwohl das Wetter nicht optimal ist, genießen wir die Landschaft mit den schönen Orten an den Ufern der Donau. Am frühen Nachmittag erreichen wir den Sportboothafen von Marbach. Der Gaststeg ist direkt hinter der Einfahrt. Zwar sind viele Plätze frei, aber die Boxen zu klein. Es bleibt nur der Kopf des Stegs zum Anlegen. Wer Strom oder Wasser braucht, benötigt sehr lange Kabel und Schläuche. Wir haben keine Chance. Sanitäre Anlagen finden wir nicht. Wie wir später erfahren, können die Anlagen des weiter entfernten Campingplatzes genutzt werden. Es ist spürbar, dass die Saison im September vorbei ist, denn auch im schwimmenden Biergarten am Ende des Hafens ist niemand anzutreffen. Die Erkundung der hübschen kleinen Ortschaft dauert nicht lange. An unserem Ziel für das Abendessen, dem Landgasthof Zur schönen Wienerin, der auch die Liegeplätze verwaltet, stehen wir vor verschlossenen Türen. Ruhetag. Da es an Alternativen mangelt, entscheiden wir uns für den Fußmarsch in die Nachbargemeinde Granz, wo uns die Pizzeria Rialto den Abend rettet.
Der nächste Tag empfängt uns endlich mit strahlendem Sonnenschein. Ziel ist Au an der Donau. Aber zunächst stehen 57 Kilometer Fahrt mit Tankstopp an. Der 400-Liter-Tank ist zwar längst nicht leer, aber bis zur Tankstelle in Schlögen reicht es nicht bei einem Konsum von mindestens 65 Litern pro Stunde, die sich der 350er-Verado selbst bei sparsamer Fahrweise flussaufwärts genehmigt. Also fahren wir das Tankschiff im Freizeithafen Ardagger an. Nach telefonischer Anmeldung wartet der Tankwart schon.
Beim Einlaufen in Au empfängt uns Hafenwirtin Monika Geppl und weist uns in den Gastplatz ein. Der örtliche Motoryacht-Club bietet eine schöne Steganlage mit allem Luxus samt perfekter Betreuung. Bei einer Plauderstunde mit Kaffee und Kuchen in der wärmenden Nachmittagssonne auf der herrlichen Terrasse wird schnell klar, dass sich hier ein sehr engagierter Verein für perfekten Service einsetzt. Die Plauderei geht mit kleiner Unterbrechung in die Abendrunde über. Vereinspräsident Christian Schuhmayer gesellt sich noch zu uns, und Monika hatte längst ihre Schnitzel vorbereitet. Ganz ehrlich, besser als hier wurden wir als Gäste noch nie empfangen. Der kleine Ort bietet weitere Gastronomie. Ein großer Kinderspielplatz grenzt an den Hafen.
Der nächste Morgen überrascht uns mit Nebel. Also genehmigen wir uns ein entspanntes Frühstück und warten ab, denn Radar hat die „Julio“ nicht. Schnell brennt die kräftige Sonne den Dunst weg. Wir können nach Linz aufbrechen. Österreichs drittgrößte Stadt ist nach 25 Kilometern bei blauem Himmel erreicht.
Der Gästesteg befindet sich am Ende des Winterhafens und ist durch einen Zaun geschützt. Das Tor lässt sich nur mit Code öffnen. Den soll man nach einem Anruf unter der im Bezahlkasten hinterlegten Nummer bekommen – nur geht niemand ran. Nach Telefonaten mit dem Charterunternehmen klappt es dann nach einer Stunde. Nach dem Serviceparadies Au landet man also in der Servicewüste Linz. Sanitäranlagen? Fehlanzeige. Immerhin gibt es Strom und Wasser. Vielleicht ist ein Gastplatz bei den Vereinen am Nordufer die bessere Lösung. Der Ärger ist schnell vergessen, denn Linz ist ein Juwel. Entlang der Donau führt ein herrlicher Spaziergang in die Stadt. Skulpturen namhafter Künstler machen den Weg zum Erlebnispfad. Am Ende wartet das Lentos Kunstmuseum auf Besucher. Weiter geht es zur Innenstadt über den Hauptplatz in die Fußgängerzone der Altstadt. Shopping ist hier ebenso angesagt wie das Verweilen in Kaffeehäusern. Wir entscheiden uns für eine Linzer Torte im Traxelmayr und genießen die Sonne auf der Terrasse. Auf dem Rückweg kehren wir in der Hofkneipe in der Ludlgasse ein und erfreuen uns an der österreichischen Küche.
Nächstes Ziel ist der Yachthafen Schlögen. Der liegt zwar hinter der Charterbasis in Untermühl, ist aber die beste Marina am österreichischen Teil der Donau. Bei der Ankunft empfängt uns schon der sehr engagierte Hafenmeister Franz Ebner. Ein Liegeplatz an den Betonstegen ist schnell angesteuert. Die Versorgung ist perfekt. Auch ein Restaurant ist vorhanden. Hier liegt man in herrlicher Natur unmittelbar an der Schlögener Schlinge. Auch viele deutsche Eigner aus dem nur wenige Kilometer entfernten Bayern haben hier ihren Heimathafen. Es dauert nicht lange, bis wir mit BOOTE-Lesern ins Gespräch kommen. Um in den Genuss der Aussicht über die Schlögener Schlinge zu kommen, führt kein Weg am Erklimmen des Aussichtspunktes vorbei. Eine halbe Stunde dauert der Aufstieg, der mit einem grandiosen Panorama belohnt wird. Am nächsten Morgen folgt noch der Rückweg nach Untermühl. Nach 19 Kilometern ist der kleine Hafen erreicht. Vercharterer Thomas Schauer, der auch der neue Betreiber der Marina ist, erklärt uns nach Übergabe noch seine Pläne für die komplette Umgestaltung für deutlich mehr Komfort. Wir sind gespannt auf die Entwicklung und sehr zufrieden nach einer Woche auf der schönen Donau mit wunderbaren und äußerst abwechslungsreichen Zielen.
Das Revier: Die Donau ist eine stark befahrene Wasserstraße. Die Strömung ist sehr variabel und schwankt nach Angaben der Donaukommission in der Oberen Donau bei mittleren Wasserständen zwischen 3 und 10 km/h. Frachter und Ausflugsdampfer sind allgegenwärtig. Die Schleusen sind auf den Berufsverkehr ausgelegt, und der hat Vorrang. Wer schleusen will, muss sich über UKW anmelden. Die Kanäle sind ausgeschildert. Wer kein Funkzeugnis hat, kann auch telefonisch Kontakt aufnehmen, der Funkverkehr sollte aber auch in diesem Fall abgehört werden, Senden ist ohne Lizenz untersagt. Personen an Deck müssen beim Schleusen Rettungswesten tragen. Wartezeiten müssen stets einkalkuliert werden. Manchmal gibt es vor den Schleusen Wartezonen für Sportboote, auch außerhalb des Fahrwassers und damit ohne Strömung. Hier muss allerdings sehr auf die Wassertiefe geachtet werden, die in manchen Bereichen gefährlich niedrig ist. Festmachen geht nur in Einzelfällen, meist muss die Wartezeit mit laufendem Motor und langsamer Fahrt, gelegentlich auch in der Strömung verbracht werden. Die sehr gastfreundlichen Marinas werden meist von Vereinen betrieben. Ansprechpartner sind nicht immer vor Ort. Deshalb wird mit Schlüsselkästen und Codes auf Anruf gearbeitet. Gesetzliche Bestimmungen gibt es beim ADAC: www.skipper.adac.de/reviere/ unter der Länderkennung „Österreich“
Führerschein: Voraussetzung für das Führen von Motorbooten ist der amtliche Sportbootführerschein Binnen.
„Die Donau. Von Kelheim bis zum Schwarzen Meer“. Von Melanie Haselhorst und Kenneth Dittmann. Delius Klasing Verlag, 3. Auflage, 2019; 328 Seiten, Format 17,9 x 24,6 cm; 36,90 €. ISBN: 978-3-667-11230-9. www.delius-klasing.de
Onlinekarte Donau. Eine detaillierte nautische Karte des befahrenen Teils der Donau für die Törnplanung findet man unter: https://at.d4d-portal.info/
Unser Boot: Quicksilver Activ 905 Weekend (GFK-Gleiter) · Länge: 8,91 m · Breite: 2,98 m · Tiefgang: 0,63 m · Reisegeschwindigkeit: ca. 43 km/h (gegen den Strom), Höchstgeschwindigkeit: ca. 50 km/h (gegen den Strom) · Kraftstofftank: 400 l · Wassertank: 100 l · Motorisierung: 350 PS (Außenborder) · Ausstattung: Plotter, UKW, Innensteuerstand, 2 Doppelkabinen mit 4 festen Kojen, Küchenzeile, WC/Dusche, Klima/Heizung (nur bei Landstrom). Empfohlene Besatzung bei mehrtägigem Bordaufenthalt: bis vier Personen
Charter: Die Quicksilver Activ 905 Weekend ist bei Donau Yachten (www.donau-yachten.com) zwischen Mai und Oktober mit und ohne Skipper verfügbar. Chartern für 3 Tage (ab 1494 €), 4 Tage (ab 1743 €) oder eine Woche (ab 2490 €). Ein Skipper kostet 65 €/h (Stand 2021)
Dieser Artikel erschien in der BOOTE-Ausgabe 4/2021 und wurde im August 2023 von der Redaktion überarbeitet.