Trotz der starken Regenfälle in den vergangenen Tagen, beginnt sich Wassermangel als wiederkehrender Faktor in der Binnenschifffahrt zu etablieren. Betroffen sind dabei zwar vor allem freifließende, unregulierte Gewässer. Nun aber hat die Entwicklung auch Folgen für Deutschlands beliebtestes Wassersport-Binnenrevier: die Mecklenburgische Seenplatte.
Genauer geht es um die für den Chartertourismus bedeutende Kleinseenplatte, um die Havel-Oder- und Obere-Havel-Wasserstraße mit den abzweigenden Rheinsberger und Lychener Gewässern. Auf allen dieser Wasserstraßen gilt die sogenannte Charterscheinregelung, Sportboote können für die Urlaubsdauer also auch ohne amtlichen Führerschein gemietet und gefahren werden.
Bereits im Jahr 2023 hatten Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Bund eine Kooperationsvereinbarung zur „Flussgebietsbewirtschaftung Einzugsgebiet Obere Havel“ getroffen, um Wassermangel in den zunehmend wärmeren und trockeneren Sommern besser begegnen zu können.
Bislang waren Müritz-Havel-Wasserstraße, Obere Havel-Wasserstraße und Rheinsberger Gewässer, deren Verbund das Kernstück der Kleinseenplatte bildet, durchgängig mit einem Tiefgang von bis zu 1,40 Meter schiffbar. Auf den Lychener Gewässern waren es immerhin 1,20 Meter. Insgesamt also auch für größere Sportboote ausreichend, wie etwa für die in der Charter weitverbreiteten Stahlverdränger.
Diese Werte wurden nun vom zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel reduziert - zum Teil sogar erheblich. In einem Revier, in dem 10 oder 20 Zentimeter mehr oder weniger den Unterschied machen können für die Befahrbarkeit, stellt der Wassermangel eine erhebliche Veränderung dar.
In einer Reihe von Nachrichten für die Binnenschifffahrt (NfB) hat das WSA in diesem Monat auf die Änderungen hingewiesen. Sie gelten zunächst bis zum Sommer 2027. Auf der Müritz Havel-Wasserstraße gilt danach nun Abschnittsweise der reduzierte Wert von 1,30 Meter statt 1,40 Meter an verfügbarer Tiefe.
Auf der Oberen Havel-Wasserstraße sind es in einigen Bereichen sogar noch weniger, zwischen Wesenberg und Neustrelitz nur noch 1,00 Meter, auf dem stärker befahrenen Abschnitt zwischen Priepert und Bredereiche ebenfalls 1,30 m statt 1,40 Meter.
Bei den Nebengewässern sorgt Wassermangel ebenfalls für Veränderungen: Die Fahrt auf den Rheinsberger Gewässern bis nach Rheinberg ist nun nur noch bis zu einem Tiefgang von 1,00 Metern möglich, vorher waren es 1,40 Meter. Gleiches gilt für die Lychener Gewässer, auch hier liegt der neue Höchstwert bei 1,00 Meter, nachdem es zuvor 1,20 Meter waren.

Ressortleiter Reise