Dieter Wanke
· 02.07.2023
Touristisch wichtige Küstenabschnitte haben auch in Spanien wohlklingende Namen. Auf dem Weg von Alicante nach Valencia bewegen wir uns von der Mitte der Costa Blanca, die von weißen Sandstränden und weißen Häuserfassaden geprägt ist, bis ins Herz der Costa del Azahar, deren Name auf die Orangenblüten der hier allgegenwärtigen Zitrusfruchtplantagen hinweist. Städtische Atmosphäre in Kombination mit bedeutender Historie bietet neben dem Start- und dem Zielort auch Altea. In den anderen Ortschaften geht es zumindest, was das urbane Flair angeht, etwas beschaulicher zu, aber in der Hauptsaison kaum weniger touristisch.
Die größeren Städte bieten viel Abwechslung und auch Historie zum Anfassen. Schon vor 5000 Jahren gab es hier Siedlungen. Im Römischen Reich war die Region bereits stark entwickelt. Relikte vergangener Epochen kann man überall finden. In den historischen Altstädten mit ihren bildhübschen Gassen, zahllosen Restaurants und Straßenkneipen pulsiert heute das Leben. Das kulinarische Angebot in der gesamten Region befindet sich oft auf sehr hohem Niveau. Exzellente Qualität bieten hier nicht nur Sternerestaurants, sondern auch ganz normale Gaststätten. Geringe Preise gehören unter anderem zu den Stärken der Region, zumindest im Vergleich zu den Balearen. Ob Marina-Gebühren oder Essen gehen, man lebt hier deutlich preiswerter, ohne dabei Kompromisse eingehen zu müssen. Das gilt auch für die Fahrt entlang der attraktiven Küste mit zahlreichen Ankermöglichkeiten.
Alle besuchten Marinas verfügen sowohl beim Hafenservice als auch bei der technischen Unterstützung über ein komplettes Angebot. Ob man einen Liegeplatz für die eigene Yacht sucht, ein Charterboot für den Wochentörn oder einen temporären Platz für den Urlaub mit dem eigenen Trailerboot, ob man tauchen oder angeln will, alles ist möglich.
▹ Pos N 38°20,3', W 0°28,9'
Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz mit über 300 000 Einwohnern hat eine bewegte Geschichte. Seit der Jungsteinzeit besiedelt und vor 2300 Jahren von griechischen Siedlern mit dem Namen „Akra Leuke“ gegründet, wurde sie nach der Eroberung durch die Römer 201 v. Chr. in „Lucentum“ umbenannt und im Mittelalter nach der Eroberung durch die Mauren dann in „Al Lucant“. Die beeindruckende Altstadt mit ihren hübschen Fassaden und zahlreicher Gastronomie ist zu Fuß von den Stegen erreichbar. Die Burg Castillo de Santa Bárbara überragt die gesamte Kulisse. Im Hafen gibt es neben den kommerziellen Teilen einen Bereich für „The Ocean Race“ mit eigenem Museum.
Im direkten Anschluss befindet sich die Marina Deportiva del Puerto de Alicante (www.marinaalicante.com), der größte Yachthafen der Stadt. An den Steganlagen sind rund 750 Liegeplätze bis 60 m Länge, mit einer Tiefe zwischen 2,5 und 12 m verfügbar. In der Marina gibt es vollen Service von Technikbetrieben bis zum Travellift. Um technischen Service an größeren Yachten bis 40 m kümmert sich die Firma Varadero mit Trockendocks und Hebemöglichkeit bis 240 t. Der Real Club de Regatas Alicante (www.rcra.es) befindet sich im südlichen Hafenbereich. Ein Segelclub, in dem – wie fast überall an der spanischen Mittelmeerküste – auch Motorboote sehr willkommen sind. Gastliegeplätze sind in der Regel vorhanden, die Ankunft sollte insbesondere in der Hauptsaison aber vorab angekündigt werden.
▹ Pos N 38°25,8', W 0°23,1'
Wer Ruhe sucht, ist in dem kleinen Küstenort mit historischer Bebauung und wenigen Bausünden gut aufgehoben. Der Wachturm Torre Vigía de la Illeta beim Hafen stammt aus dem 16. Jahrhundert, die Ruinen davor sind 5000 Jahre alt. Im Club Náutico Campello (www.cncampello.com) gibt es kompletten Service und 476 Liegeplätze für Boote ab fünf Meter Länge. Für Yachten bis 15 m stehen 20 Plätze zur Verfügung. Das Winterlager hat Kapazitäten für 160 Boote. Im angrenzenden Fischereihafen mit Markt wird der Fang versteigert.
▹ Pos N 38°35,3', W 0°3,3'
Gegründet von Iberern und Römern, hat auch Altea eine sehr lange Geschichte. Heute lebt der Ort vom Tourismus. Natürlich gibt es auch hier eine bemerkenswerte Altstadt mit den typischen weißen Fassaden, in der man auf ein üppiges Gastronomieangebot trifft. Das alte Zentrum mit der sehenswerten Kirche Nuestra Señora del Consuelo ist keine zwei Kilometer von der Marina entfernt, lässt sich also noch gut zu Fuß erreichen. Im Club Náutico de Altea (www.cnaltea.com) gibt es 185 Liegeplätze für Yachten bis 30 m Länge und drei Meter Tiefgang. Auch ein 900 Quadratmeter großes Trockendock ist vorhanden. Gastronomie gibt es direkt im Hafen. Der Verein freut sich auf Gäste. Regelmäßig werden hier Regatten veranstaltet.
▹ Pos N 38°37,8', W 0°0,2'
Die Marina Greenwich (www.marinagreenwich.com) befindet sich vier Seemeilen nordöstlich vom Zentrum Alteas und gehört zur Stadt. Hier ist die Bebauung von relativ gut in die Landschaft integrierten Ferien- und Apartmenthäusern ohne urbane Struktur geprägt. An den Stegen der modernen Privatmarina gibt es 542 Liegeplätze für Yachten bis 30 m Länge und sechs Meter Tiefgang. Ein Travellift kann bis zu 50 Tonnen bewegen. Ein umfassender Technikservice ist ebenso vor Ort wie zwei Charterunternehmen sowie eine Tauchbasis.
▹ Pos N 38°38,2', E 0°04,0'
Der Ort ist sehr touristisch. Hochhäuser am Stand beherbergen die Gäste. Die Bevölkerungszahl von 20.000 verzehnfacht sich im Sommer. Die schöne Marina mit dem Real Club Náutico Calpe (www.rcnc.es) befindet sich zum Glück abseits davon am östlichen Ende direkt vor dem markanten Felsen Penyal d’Ifac. Wer in die schöne Altstadt will, muss allerdings drei Kilometer Fußweg zurücklegen. Es gibt 264 Liegeplätze für Boote bis 24 m Länge und vier Meter Tiefgang. Die Fischereiflotte und ein Fischmarkt mit Auktionen bereichern den Hafen.
▹ Pos N 38°41,1', E 0°08,4'
Das ehemalige Fischerdorf Moraira hat ebenfalls eine kleine Altstadt und erfreut sich auch einer zunehmenden Beliebtheit bei Touristen, die hier meist in Villen residieren. Hotels oder Hochhäuser gibt es nur wenige. Direkt am Hafen schließt ein gemütliches Kneipenviertel mit zahlreicher Gastronomie und umfangreichen Versorgungsmöglichkeiten an. Die findet man allerdings auch direkt im Club Náutico Moraira (www.cnmoraira.com). Der verfügt über 620 Plätze für Boote bis 15 m Länge. Es gibt auch hier vollen Service, ein Winterlager und einen Kran, der 10 t bewältigen kann.
▹ Pos N 38°47,7', E 0°11,1'
Der historische Stadtkern der im Mittelalter gegründeten Siedlung befindet sich zwei Kilometer landeinwärts von der Küste. Der moderne Teil entlang des Sandstrands ist stark touristisch geprägt. Die Marina Nou Fontana (www.marinanoufontana.es) ist auf kleinere Sportboote bis neun Meter Länge spezialisiert. Die liegen gut geschützt im Canal de la Fontana, der sich an den Strand anschließt. Im älteren Teil gibt es 151 Liegeplätze, Chartermöglichkeiten und eine Tauchbasis. Der neu ausgebaute Teil erweitert die Kapazität um 318 Plätze. Der Club Náutico de Jávea (www.cnjavea.net) verfügt über 250 Liegeplätze für Boote und Yachten bis 20 m Länge. Travellift und Kran ergänzen das Serviceangebot. Gäste sind immer willkommen. Der Verein engagiert sich bei der Durchführung von Regatten und anderen Wassersportveranstaltungen.
▹ Pos N 38°50,8', E 0°07,5'
Als ehemals römischer Flottenstützpunkt und maurischer Königssitz hat der Ort mit vier Yachthäfen seine maritime Bedeutung nicht verloren. Die Marina de Dénia (www.marinadedenia.com) hat 404 Liegeplätze für Boote und Yachten von 12 bis 60m Länge. Der Travellift schafft 1000 t, eine Rampe und vollen Service gibt es auch. Der Real Club Náutico Dénia (www.cndenia.es) kann 600 Yachten bis 20 m aufnehmen und verfügt neben dem Travellift und einer Rampe über einen Kran. Im Port Dénia (www.portdenia.com) finden Superyachten bis 65 m ihren Liegeplatz. Ein Anlegesteg für Yachten bis 138 m ist ebenfalls verfügbar. Entsprechender Service gehört zum Angebot. Der wohl ruhigste Teil im Hafen befindet sich in der Marina el Portet de Dénia (www.marinaelportetdedenia.es) mit 360 Plätzen bis 20 m Länge. Der Service lässt keine Wünsche offen.
▹ Pos N 39°25,8', W 0°17,8'
Die Hauptstadt der gleichnamigen autonomen Provinz ist mit 800 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Spaniens. Vor rund 2100 Jahren vom römischen Konsul gegründet, sind die Reste der damaligen Siedlung auf einer Insel im Fluss Turia noch heute im Zentrum der Altstadt bei der Kathedrale zu besichtigen. Bei den historischen Gemäuern konzentriert sich das Nachtleben. Der Hafen mit den Marinas ist zwar sechs Kilometer entfernt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln aber gut angebunden. Im nördlichen Hafenbecken befindet sich die La Marina de València (www.lamarinadevalencia.com). Es gibt 800 Liegeplätze für Yachten in mehreren Bereichen. Der weitere Ausbau ist in Planung, da genügend Wasserfläche verfügbar ist. Das Serviceangebot ist komplett.
Valencia Mar (www.valenciamar.com) befindet sich weiter entfernt im vorderen Teil des südlichen Hafenbeckens an der neuen Mündung des Turia-Flusses. Es gibt 240 Liegeplätze für Yachten zwischen acht und 120 m. Im hinteren Teil des gleichen Beckens befindet sich der Real Club Náutico de Valencia (www.rcnv.es). Mit 1206 Plätzen ist er der größte Club des Landes.
Direktflüge nach Alicante werden aktuell beispielsweise ab Berlin Düsseldorf, Köln, München Stuttgart und Hamburg angeboten. Valencia wird direkt ab Berlin, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, München oder Stuttgart angeflogen. Die Anreise mit dem Trailerboot ist auch möglich, da alle Marinas Liegeplätze bieten und über Travellifte, Kran oder Rampen verfügen. Die Anreise auf dem eigenen Kiel ist besonders für Eigner mit Liegeplatz auf den Balearen attraktiv, da Ibiza nur rund 50 sm von der Küste entfernt ist.
In allen Marinas gibt es Charterboote. Die Palette reicht von Sportbooten für Tagesfahrten bis zu größeren Yachten. Das Angebot kann in jeder Marina erfragt werden. Auswahl: Calpe Diem (www.calpe-diem.com), Euronautica Calpe (www.euronautica.com), Albir Marina (albirmarina.com), Área Náutica (www.areanautica.com), Náutica Pérez (www.nauticaperez.com), Marina Sport S.A. (www.nauticamarinasport.com).
In der Küstenregion zwischen Alicante und Valencia gibt es ein engmaschiges Netz an Marinas, wodurch sich das Revier bestens für Küstentörns eignet. Die Voranmeldung für Liegeplätze ist erforderlich. Zwischen den Häfen sind meist kleinere Buchten zu finden, die sich als Ankerplätze am Tag eignen. Dazwischen warten weiße Sandstrände auf Badegäste. Teile der Küste sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Generell muss darauf geachtet werden, dass beim Ankern das Grundeisen nicht in die streng geschützten Seegraswiesen fällt. Insbesondere in den Naturschutzgebieten wird deshalb die Anzahl der Bojen zum Festmachen stark ausgebaut.
Wassersportler können mit einer langen Saison ab April bis in den November bei Tagestemperaturen zwischen 20 bis 30 Grad rechnen. Vormittags beginnt sich oft ein auflandiger Wind aufzubauen, der am späten Nachmittag wieder abflaut. Dadurch entwickeln sich meist keine hohen Wellen vor der Küste, was auch Motorbootkapitänen zugutekommt.
Mediterranean Spain, Strait of Gibraltar to the French Border (Revierführer) von Steve Pickard (englisch), ISBN 978-1846236501, 61,60 €;
NV.Atlas Spain ES1 Cabo Creus to Cabo San Antonio, Format: 30 x 42 cm, 49 €, und ES3 Cabo San Antonio to Gibraltar, Format: 30 x 42 cm, 49 €. nvcharts.com