Christian Tiedt
· 12.08.2026
Der Bericht, in dem der “Schiffer Sala” (mit den stolzen Zusätzen M.Y.C.v.D.-C.M.Y.-St.Y.C.-Kr.-Abt. d. D.S. Vb.) von den Abenteuern der “Ingeborg 3” im Sommer 1926 berichtete, erschien noch im selben Jahr in unserem Schwestermagazin YACHT. Wir drucken ihn hier im Original mit der entsprechenden Rechtschreibung ab. Der Blick ins Archiv zeigt: So manches war anders vor 100 Jahren – aber vieles eben auch nicht. Im dritten Teil beginnt die Binnenfahrt: Es geht es die Elbe aufwärts über Hamburg bis zur Havelmündung.
Text: Schiffer Sala - M.Y.C.v.D.-C.M.Y.-St.Y.C.-Kr.-Abt. d. D.S. Vb.
Der Ostersonntag brachte uns erst mittags mit auflaufendem Wasser aus dem Hafen, und mit Vollgas ging es elbeaufwärts in gleichmäßiger schöner Fahrt nach Hamburg, wo wir spätnachmittags hinter den St.-Pauli-Landungsbrücken festmachten. Hier erwartete uns auf telegraphischen Anruf hin ein befreundetes Ehepaar der anderen Fakultät des Segelsportes, und ein feucht-fröhlicher Abend ging einer sehr unruhigen Nacht voraus.
Die Freuden des Osterfestes schienen sich bei den vielen Barkassen in hohe Fahrt und bei den Hamburgern in höchstem Alkoholkonsum umzusetzen, und die Schaukelei und Kollisionsgefahr nahm kein Ende. Aber auch dieser Kelch ging an uns vorüber.
Während der Prokurist der Rolandwerft am Ostermontag früh abheuerte, kamen unsere hiesigen Freunde an Bord, um bis Lauenburg mitzufahren. Da sie guten Hamburger Köhm und andere hochwertige Volumen-prozentige geladen hatten, wurde gegen die Mitfahrt keinerlei Einspruch erhoben.
Nun ging es mit nur 200 Turen auf der Maschine durch die Norderelbe, um bald wieder mit voller Kraft elbeaufwärts zu dampfen. Einem fabelhaften Bordfrühstück folgte ein noch feudaleres Borddiner, damit unsere Freunde nichts von dem kostbaren Proviant zurückschleppen brauchten.
Nach einem ausgedehnten Landgang und Kaffee in Lauenburg, einem geradezu malerisch an der Elbe liegenden Städtchen, verließen uns unsere Freunde hier, um per Dampfer nach Hamburg zurückzufahren, während wir wieder den Motor anwarfen und weiter elbaufwärts fuhren.
Es war längst Nacht, als wir mit Hilfe des Scheinwerfers zwischen zwei Buhnen einen geschützten Ankerplatz suchten und fanden, ohne daß es uns später nach der langen Fahrt in Dämmerung und Dunkelheit möglich gewesen wäre, denselben auf der Karte auszumachen.
Der nächste Tag brachte uns in ziemlich eintöniger und ermüdender Fahrt elbeaufwärts bis zur Havelmündung und dann havelaufwärts bis Havelberg. War die Strom- und Flußfahrt bisher nur hin und wieder durch Vergaserstörungen unterbrochen worden, die das im Benzin leider so reichlich vorhandene Wasser bewirkte, so erreichte uns kurz vor Havelberg das Schicksal... .

Ressortleiter Reise
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