DeutschlandRätselhafte Lichter am Rhein - die Lichtwahrschau

Christian Tiedt

 · 12.03.2024

Lichtwahrschau am Rhein
Foto: Jill Grigoleit
Wo Felsen die Sicht voraus verstellen und kein Platz zum Ausweichen bleibt, da hilft nur Technik. Wie die Lichtwahrschau auf der Bergstrecke des Rheins zwischen Oberwesel und St. Goar.

AIS gehört längst zu den modernen Standards in der Berufsschifffahrt. Das automatische Identifikationssystem liefert alle wichtigen Informationen über ein Fahrzeug, das entsprechend ausgerüstet ist. Die wichtigste ist die Position. Das gilt auch für Binnenreviere - und dort besonders für stark befahrene Hauptverkehrsachsen wie den Rhein.

Die Bergstrecke: ein besonderer Stromabschnitt

Die bestehende Ausrüstungspflicht mit der entsprechenden Technik ist daher keine Überraschung. In Kombination mit der ohnehin vorgeschriebenen Sorgfaltspflicht bei Schiffsführung und weiteren Hilfsmitteln wie Radar und Sprechfunk lässt sich ein hohes Maß an Sicherheit erreichen. Es gibt dennoch Streckenabschnitte, die zusätzlich überwacht werden müssen. Fast immer handelt es sich dabei um Häfen.

Die einzige „natürliche“ Ausnahme auf dem Rhein ist die sogenannte Bergstrecke, gerade einmal knapp sieben Kilometer lang, zwischen Oberwesel und St. Goar.”

An dieser Stelle durchquert der Strom das Rheinische Schiefergebirge. Nirgendwo ober- oder unterhalb sind seine Schleifen enger, der Abstand zwischen den Ufern geringer, die Hänge steiler als hier. So wird nicht nur die Sicht voraus, sondern auch das Radar auf der Brücke und der Funkverkehr zwischen den Schiffen beinträchtigt. Dazu kommen weitere Hindernisse wie Felsenriffe und ein Mittelgrund (der Geisenrücken bei Strom-Kilometer 552,40).

Und dann die Strömung: Bis zu 6 Stundenkilometer kann sie betragen, je nach Wasserstand. All das lässt wenig Zeit zum Reagieren und noch weniger Raum zum Manövrieren, besonders bei den Abmessungen der Frachtschiffe: Ein Koppelverband aus Gütermotorschiff und Schubleichter kommt leicht auf eine Länge von 180 Metern. Jede Menge Gründe, um sich bei der Sicherheit nicht allein auf individuelle Maßnahmen an Bord zu verlassen.

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Alles im Blick: Die Revierzentrale Oberwesel

Stattdessen wird dieses Nadelöhr zwischen den Kilometern 548,50 und 555,43 zusätzlich überwacht - von der Revierzentrale Wesel. Dort hat man auf Radarbildschirmen den gesamten Verkehr rund um die Uhr im Blick. Ihre Aufgabe: Kritische Begegnungen an den ohnehin schon kritischen Stellen zu vermeiden. Dazu dient die Lichtwahrschau (siehe Karte auf der rechten Seite). Fünf Signalstellen, deren Anzeigen von der Revierzentrale gesteuert werden, liefern den Schiffsführern die wichtigsten Informationen über die durchgängige Schiffbarkeit, weitere Fahrzeuge in den Abschnitten vor ihnen.

Besonders markant sind dabei die quadratischen Felder, mit je drei im Dreieck angeordneten Lichtleisten.”

Diese Signale zeigen der Bergfahrt, die leichter aufstoppen und warten kann, Anzahl und Art von Fahrzeugen, die sich in einem der sieben Streckenabschnitte in der Talfahrt befinden. Unter bestimmten Umständen ergeben sich Begegnungsverbote, etwa am Bankeck oder am Betteck. Ein ausgeklügeltes System, das zwar nicht für Kleinfahrzeuge gilt. Dabei kann es allerdings nicht schaden, wenn auch Sportskipper jederzeit wissen, was auf sie zukommt.


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Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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