Die Schleifähre "Missunde III" zwischen Brodersby und Kosel fährt nach drei Wochen Zwangspause für Reparaturen wieder. Zuvor war die Fähre nach nur einem Monat in Betrieb wieder aus dem Verkehr gezogen worden, weil beide Antriebsriemen ersetzt werden mussten.
Nach zwei Jahren Anlaufschwierigkeiten, gescheiterten Testfahrten, Umbauten und fehlenden Zeugnissen war die neue Schleifähre im Mai nicht einmal einen Monat in Betrieb:
Ende April hatte die neue Fähre nach jahrelanger Verzögerung ihren Betrieb aufgenommen. Doch dann hatten sich ausgerechnet zum betriebsamen Pfingstwochenende gleich beide Antriebsriemen verabschiedet und der Betrieb der Fähre wurde komplett eingestellt – ein Totalausfall mitten in der Hauptsaison. Drei Wochen später sind die Reparaturen nun abgeschlossen. Der Antriebsstrang des Elektromotors sei neu ausgerichtet worden, so das LKN, um den Verschleiß künftig zu minimieren. Kostenpunkt: 60.000 Euro. Seit heute (16.6.) befördert die Fähre "Missunde III" wieder Fahrzeuge und Fußgänger zwischen Brodersby-Goltoft und Missunde.
Parallel zur den Reparaturen an der Fähre sei die Pause laut LKN genutzt worden, um Provisorien an den Anlegern zu beseitigen. Zum Start im April waren Keile an den Anlegern mit zehn Tonnen schweren Gewichten beschwert worden. Nun sei eine dauerhafte Lösung installiert.
In den gerade mal vier Wochen nach der mehrfach verschobenen Inbetriebnahme gab es mehrere Zwischenfälle. Ein lauter Knall, vermutlich mechanischer Ursache, führte zu einem ungeplanten Stopp der Schleifähre. Bei einem weiteren Vorfall wurde ein auffahrender PKW beschädigt, weil die Fähre aus dem Haken sprang und ein Stück zurück setzte. Außerdem benötige die neue Fähre länger für die Überfahrt als die alte Fähre, so Kapitän und Pächter Rüdiger Jöns. So könnten trotz der höheren Ladekapazität insgesamt weniger Autos befördert werden.
Die Chronologie des Fähr-Fiaskos an der Schlei:
Für Pächter Rüdiger Jöns, die Gemeinde Brodersby-Goltoft und die lokalen Betriebe war das Maß nach dem Ausfall voll. Gemeinsam mit Unternehmen aus dem Ort - vor allem aus Gastronomie und Tourismus - bereiteten Marina-Betreiber Christian Jannik und Bürgermeister Joschka Buhmannn eine Sammelklage auf Schadensersatz gegen das Land Schleswig-Holstein vor. „Wir haben zum Teil Kunden verloren, die mit ihren Booten nicht mehr auf die Fähre kommen, weil der Auffahrwinkel so schlecht ist, dass sie mit dem Ruderblatt oder den Lichtleisten hängen bleiben würden. Die fahren dann zur Konkurrenz und gehen da ins Wasser.“ So Christian Jannik, Betreiber der Marina Brodersby. Auch Privatpersonen, zum Beispiel Pendler, die durch den Ausfall der Fähre wirtschaftlichen Schaden erlitten haben, könnten sich laut Bürgermeister Joschka Buhmann an der Klage beteiligen.
Dem NDR gegenüber sagte Pächter Jöns sagte, er wolle die Fähre in diesem Sommer weiter betreiben und danach die Lage bewerten. Zuvor hatte er einen wirtschaftlichen Betrieb in sozialen Medien in Frage gestellt. Geplant sei nun eine Preiserhöhung zum 1. Juli um 50 Cent pro Pkw. Bisher startet der Tarif bei drei Euro ohne zusätzliche Insassen.
Die Solarfähre „Missunde III“ sorgte in den vergangenen vier Jahren immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Eigentlich sollte sie bereits im Herbst 2022 fertig sein. Doch Testfahrten zeigten, dass größere Umbauten nötig waren. Die zwischenzeitlich verkaufte alte Fähre musste für einen hohen Preis vom Land zurück gekauft werden. Nach mehrjähriger Verzögerung und etlichen Pannen konnte die „Missunde III“ nun Ende April in Betrieb genommen werden – allerdings nur eingeschränkt, denn ein endgültiges Zeugnis steht noch immer aus. Fahrzeuge über 7,5 Tonnen dürfen noch nicht mitfahren. Zukünftig sollen mit ihr auch Fahrzeuge mit bis zu 25 Tonnen Gewicht über die Schlei befördert werden.

Redakteurin Reise
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