SchwerinWie geht’s weiter mit dem Inselhafen Kaninchenwerder?

Jill Grigoleit

 · 28.09.2026

Schwerin: Wie geht’s weiter mit dem Inselhafen Kaninchenwerder?Foto: picture alliance/dpa, Bernd Wüstneck
Die Hafenanlage auf der Insel Kaninchenwerder in Schwerin wurde erst 2024 eingeweiht. Der Hafenbetreiber möchte Planungssicherheit von der Stadt. Kritiker wollen einen privaten Pächter verhindern.

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​Der Inselhafen auf Kaninchenwerder in Schwerin wurde erst 2024 eingeweiht – nun sorgt die geplante langfristige Verpachtung für Diskussionen. Der neue Inselpächter Daniel Schmidt sieht darin dagegen die Voraussetzung, um die Anlage und die gesamte Insel dauerhaft zu entwickeln.

Seit dem Sommer 2026 ist Daniel Schmidt neuer Pächter der Insel. Der Unternehmer aus Zierzow bei Grabow betreibt mit seiner Firma Garage 7 unter anderem Hausbootbau und -vermietung. Die Stadt hatte ihn nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren mit 27 Interessenten als neuen Betreiber ausgewählt. Zunächst läuft die Zusammenarbeit auf Grundlage einer einjährigen Nutzungsvereinbarung. Parallel soll ein langfristiger Vertrag ausgearbeitet werden.

Dabei sorgt der Hafen inzwischen für Diskussionen. Eine Gruppe von Bootsfahrern hat Anfang September eine Petition gestartet und fordert, den Bootsanleger in öffentlicher Hand zu belassen. Hintergrund ist die geplante Übertragung der Hafenbewirtschaftung an Schmidt beziehungsweise seine Firma. 845 Menschen haben die Petition Stand 28.9.26 unterzeichnet. Die Kritik: “Der Bootsanleger auf Kaninchenwerder wurde mit mehreren Millionen Euro an öffentlichen Steuergeldern saniert und ausgebaut. Diese massiven Investitionen wurden von der Allgemeinheit getragen, um Infrastruktur für die Allgemeinheit zu schaffen. Es ist den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern schlicht nicht zu vermitteln, dass eine mit öffentlichen Mitteln hochgradig subventionierte Anlage nun privatisiert werden soll, um daraus ein exklusives oder kommerzielles Nutzungsrecht zu machen.”

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Privat oder öffentlich? - Wird der Hafen teurer?

Schmidt widerspricht allerdings dem Eindruck, dass der öffentliche Hafen privatisiert werden solle. Nach seinen Angaben ist er bereits jetzt von der Stadt mit dem Hafenbetrieb beauftragt und besitzt dort das Hausrecht. Eine Privatisierung sei nicht geplant. Lediglich eine langfristige Hafenpacht. Denn solange die rechtliche Perspektive nur auf einen kurzen Zeitraum angelegt ist, könne sein Unternehmen nicht sinnvoll in Reparaturen, Instandhaltung oder einen Ausbau der Anlage investieren. Ein langfristiger Vertrag würde dagegen die Grundlage schaffen, solche Investitionen überhaupt zu planen.

​Die Initiatoren der Petition fürchten eine Erhöhung der Gebühren: “Eine Privatisierung oder Verpachtung dieses Anlegers birgt das akute Risiko, dass die Nutzung künftig stark reglementiert, durch drastisch erhöhte Gebühren künstlich verteuert oder im schlimmsten Fall gänzlich für die Allgemeinheit eingeschränkt wird.”

Schmidt entgegnet darauf: „Der Hafen bleibt öffentliches Gelände. Die Gebührenordnung bleibt Sache der Stadt.“ An den grundsätzlichen Bedingungen für Gastlieger solle sich durch die Übertragung der Bewirtschaftung nichts ändern.

Was passiert mit dem öffentlichen Zugang?

​Die Initiatoren der Petition befürchten außerdem, dass mit einer privaten Bewirtschaftung der Zugang zum Hafen langfristig eingeschränkt werden könnte. Sie fordern deshalb, den Anleger dauerhaft in öffentlicher Hand zu belassen und einen freien Zugang zu sozial verträglichen Konditionen sicherzustellen. Schmidt hält dagegen, dass diese Befürchtungen nicht den geplanten Rahmen des Vertrags widerspiegeln. Der öffentliche Charakter des Hafens solle erhalten bleiben.

Nach seiner Einschätzung begrüßten viele Schweriner vielmehr, dass die Insel nach Jahren wechselnder Betreiber nun wieder bewirtschaftet werde. In der Vergangenheit habe es auf Kaninchenwerder immer wieder Probleme mit unkontrollierter Nutzung gegeben. Schmidt spricht von teilweise chaotischen Zuständen und davon, dass sich einige Besucher daran gewöhnt hätten, die Insel für Lagerfeuer und Partys zu nutzen.

Der Hafen war erst im Juni 2024 nach 15 Monaten Bauzeit neu eröffnet worden. Die Stadt investierte 3,4 Millionen Euro in die Anlage; 95 Prozent der Kosten wurden über Mittel der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ gefördert. Entstanden sind unter anderem 42 Liegeplätze für Freizeitkapitäne, 80 Meter Schwimmstege sowie Strom- und Wasserversorgung.


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Warum schon wieder ein neuer Umbau?

Schmidt sieht in der heutigen Anlage noch Entwicklungspotenzial. Nach seinen Plänen könnten die Steganlagen verändert und bis zu 30 zusätzliche Liegeplätze geschaffen werden. Auch die Sanitärsituation soll verbessert werden. Dafür brauche es allerdings eine langfristige Perspektive.

Die Diskussion um den Hafen ist deshalb eng mit der Frage verbunden, wie die gesamte Insel künftig genutzt werden soll. Die Stadt hatte bereits bei der Ausschreibung für den neuen Pächter vorgesehen, dass dieser neben der Gastronomie auch die Grünflächen sowie Hafen- und Sanitäranlagen betreut. Langfristig war zudem eine Vergabe über ein Erbbaurecht im Gespräch.

Ein Vertrag für die ganze Insel

Der derzeitige einjährige Nutzungsvertrag war nach Schmidts Darstellung von vornherein vor allem eine Übergangslösung. In dieser Zeit soll ein langfristiger Vertrag vorbereitet werden, der möglicherweise eine Laufzeit von bis zu 60 Jahren haben könnte. Anders als bei einem einfachen Pachtvertrag soll dabei ein umfassendes Konzept für Kaninchenwerder entstehen. Erstmals seien dafür die verschiedenen Akteure gemeinsam an einen Tisch geholt worden – darunter Naturschutz, Denkmalschutz und die Fahrgastschifffahrt. Auch der Schweriner Zoo ist nach Angaben Schmidts in die Überlegungen einbezogen. Geplant seien unter anderem eine Renaturierung und Bewirtschaftung des Waldes sowie die Ansiedlung von Tieren. Die Insel soll damit nicht allein touristisch entwickelt, sondern insgesamt neu geordnet werden. Die Stadt hatte bereits bei der Ausschreibung betont, dass der neue Pächter eng in die weiteren Planungen für Kaninchenwerder eingebunden werden soll.

Entscheidung in Schwerin im Dezember

Nach Schmidts Angaben soll der langfristige Vertrag planmäßig im Dezember der Stadtvertretung vorgelegt werden. Dann dürfte auch die Frage konkreter werden, wie der Hafen künftig betrieben und weiterentwickelt werden soll. Für die Bootsfahrer wird dabei vor allem entscheidend sein, dass der Hafen öffentlich zugänglich bleibt. Für Schmidt geht es dagegen um die wirtschaftliche Grundlage, um langfristig in die Anlage und die Insel investieren zu können.

Damit steht hinter dem Streit um Kaninchenwerder letztlich eine größere Frage: Wie lässt sich öffentlich zugängliche Infrastruktur mit einem privaten Betreiberkonzept verbinden – und wer trägt künftig Verantwortung und Kosten für ihre Weiterentwicklung? Diskutieren Sie mit!


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Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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