In der laufenden Saison wurden erneut schwere Vibrionen-Infektionen gemeldet. Laut NDR sind 2026 in Deutschland bereits zwei Menschen nach einer Vibrionen-Infektion gestorben. Eine der verstorbenen Personen hielt sich zuvor an der Ostsee in Vorpommern-Greifswald auf. Für Wassersportler bleibt entscheidend: Nicht mit offenen oder schlecht heilenden Wunden in warmes Ostsee-, Bodden- oder Hafenwasser gehen, auch nicht nur zum Waten beim Slippen oder Anlanden.
Bereits in der Badesaison 2025 hatte das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern die erste Vibrionen-Infektion der damaligen Saison bestätigt. Ein 68-jähriger Einheimischer hatte sich mit den Salzwasser-Bakterien infiziert und war trotz Behandlung in einem Krankenhaus verstorben. Wie der Mann mit den Vibrionen in Kontakt gekommen war, sei nicht abschließend geklärt gewesen. Der Verstorbene litt an Vorerkrankungen.
Auch aktuelle Zahlen zeigen: Die Fallzahlen sind niedrig, schwere Verläufe kommen aber vor. Das LAGuS Mecklenburg-Vorpommern verwies im Juni 2026 darauf, dass es in den vergangenen zwei Jahren bei mehreren Millionen Badegästen insgesamt zehn Erkrankungsfälle gab, davon drei tödliche. Bereits zuvor hatte BOOTE über Vibrionen-Todesfälle und richtige Wundversorgung berichtet.
Allerdings stellen Vibrioneninfektionen für gesunde Menschen derzeit ein sehr geringes Risiko dar. Im Vergleich zu den häufigsten Todesursachen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, aber auch zu Verkehrsunfällen oder Suiziden ist die Gefahr durch Vibrionen verschwindend gering.
Die insgesamt geringe Gefahr steigt vor allem in warmen Sommerphasen, in flachem Wasser und nach Algenblüten. Vibrionen kommen natürlicherweise in Meer- und Brackwasser vor, können sich bei höheren Wassertemperaturen aber stark vermehren. Für Wassersportler ist das besonders an Badeplätzen, in Bodden, Buchten, Häfen, Flachwasserbereichen und beim Slippen relevant. Mehr zum Zusammenhang mit Algenblüten erklärt BOOTE im Beitrag Blaualgen an der deutschen Ostseeküste.
Panik ist aber nicht angesagt, im Folgenden möchten wir dennoch über die Risiken aufklären.
An der Ostsee und in Boddengewässern finden Vibrionen in warmen Sommerphasen günstige Bedingungen. Die Bakterien vermehren sich besonders gut bei höheren Wassertemperaturen und mittlerem Salzgehalt. Eine Untersuchung an Ostsee und Schlei zeigte 2025, dass Vibrionen in fast allen untersuchten Proben nachweisbar waren, die Konzentrationen lagen jedoch größtenteils im erwarteten Bereich. BOOTE hat die Ergebnisse hier zusammengefasst: Vibrionen in fast allen Proben.
Vibrionen können auf verschiedenen Wegen in den menschlichen Körper gelangen. Der häufigste Weg ist über Verletzungen der Haut. Selbst ein blutig gekratzter Mückenstich kann als Eintrittspforte dienen. Wenn man mit einer Wunde baden geht, können die Bakterien eindringen und eine Infektion verursachen. Diese kann Haut, Muskeln und Gewebe zerstören und sehr rasch zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen. In schweren Fällen kann das zu einer Amputation der betroffenen Gliedmaßen führen. Im weiteren Verlauf ist ein Befall innerer Organe möglich, der mit der Bildung von Eiterherden im Körper einhergeht und schlimmstenfalls tödlich enden kann.
Vibrionen, die Magen-Darm-Erkrankungen auslösen, werden oral übertragen. Sie gelangen über den Mund in den Körper, meist durch verunreinigtes Trinkwasser und Lebensmittel. Auch der Verzehr von rohen oder unzureichend gegarten Meeresfrüchten (z.B. Austern, Muscheln) oder Fischen aus belasteten Gewässern kann zur Ansteckung führen.
Zu den typischen Risikogruppen zählen ältere sowie immungeschwächte Personen. Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Lebererkrankungen (z.B. Leberzirrhose, chronischer Hepatitis), Krebserkrankungen sowie schweren Herzerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung und auch für einen schweren Krankheitsverlauf.
Ein auffälliges Symptom einer Infektion ist ein ungewöhnlich starker Schmerz, auch bei kleinen Verletzungen. Symptome einer Vibrionen-Infektion können außerdem Rötungen, Schwellungen und Blasenbildung auf der Haut sein, verbunden mit Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen und Durchfall bis hin zum Schock. In solchen Fällen sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Bei frühzeitiger Erkennung lässt sich eine Vibrionen-Infektion in den meisten Fällen durch Antibiotika gut behandeln.
Über den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln kommt es nach etwa 16 Stunden zu starken Bauchschmerzen und schweren Brechdurchfällen. Unbehandelt kann es kurze Zeit später zu einer Blutvergiftung kommen, die im schlimmsten Fall einen septischen Schock und Multiorganversagen verursachen kann.
Zur Vorbeugung sollte man sich täglich vor Ort über die Wassertemperatur erkundigen, besondere Vorsicht ab 20 Grad. Vor dem Baden kann man sich auch über die Wasserqualität informieren. Auf der Internetseite des Bundesumweltamtes finden Sie Links zu den Badegewässern und aktuellen Wasserqualitäts-Daten der einzelnen Bundesländer.
Das Tragen von Badeschuhen kann Verletzungen vermeiden, schon kleinste Schürfwunden, Hühneraugen oder Blasen an den Füßen bieten eine Angriffsfläche.
Für Motorbootfahrer gilt das nicht nur beim Baden von der Badeplattform. Auch beim Slippen, Verholen im flachen Wasser, Anlanden mit dem Schlauchboot, Barfußlaufen am Steg oder Arbeiten am Trailer können kleine Schnitte und Schürfwunden entstehen. Wer Blasen, aufgekratzte Mückenstiche, Schnittwunden oder schlecht verheilte Hautstellen hat, sollte diese wasserdicht abdecken oder den Kontakt mit Ostsee-, Bodden- und Hafenwasser vermeiden.
Nach dem Baden sollte man sich abduschen. Wer ganz sicher gehen möchte, kann nach einem Aufenthalt in potentiell von Vibrionen betroffenen Gewässern eine Desinfektionslösung verwenden. Personen mit Hautverletzungen oder chronischen Erkrankungen sollten sich generell von Gewässern, in denen Vibrionen nachgewiesen wurden, fernhalten.
Kleinere Wunden sollten sorgfältig versorgt und beobachtet werden. Kratzer, Schnitte oder Schürfwunden sollten gründlich gereinigt, desinfiziert und mit einem Pflaster abgedeckt werden. Bei einer normalen Wundheilung sollten Schmerzen, Rötung und Schwellung zurückgehen. Die Wunde sollte spätestens nach einigen Tagen trocken sein.
Wichtig für den Arztbesuch: Nach Kontakt mit Meer- oder Brackwasser sollte dieser Hinweis direkt genannt werden. Bei ungewöhnlich starken Schmerzen an einer kleinen Wunde, schneller Rötung, Schwellung, Blasenbildung, Fieber oder Schüttelfrost nicht abwarten, sondern rasch ärztliche Hilfe suchen.
Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde arbeitet inzwischen an einer präziseren Frühwarnung für Vibrionen-Risiken. Nach Angaben des Instituts lässt sich das Auftreten von Vibrio vulnificus mithilfe von KI-Modellen teils mehrere Wochen im Voraus eingrenzen. Seit 2026 wird an Mecklenburg-Vorpommerns Küsten zudem ein KI-gestütztes Drohnen-Messprogramm für lokale Warnsysteme getestet.
Die Drohnen erfassen unter anderem Umweltfaktoren wie Wassertemperatur, Salzgehalt, Strömungsverhältnisse und Algenblüten. Ziel ist eine lokale Risikoeinschätzung, die Behörden und Badestellen künftig gezielter nutzen könnten. Für Bootsfahrer ersetzt das keine eigene Vorsicht, kann aber helfen, riskante Phasen und Orte besser einzuordnen.

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