SeenotMehr als 32 Einsätze und 75 gerettete Personen

Nächtlicher Einsatz in der Eckernförder Bucht: Ein Segelboot kenterte aufgrund einer Gewitterböe. Die Seenotretter retteten das Ehepaar umgehend aus dem Wasser.
Foto: Die Seenotretter - DGzRS
​Mehr als 75 Menschen sind am vergangenen Wochenende in Seenot geraten: Die Crews der DGzRS rückten zu mehr als 32 Einsätzen aus. Welche Situationen die Notrufe auslösten und weshalb es im Sommer auf dem Wasser besonders schnell gefährlich werden kann, erklärt Pressesprecher Christian Stipeldey. Betroffen war dabei nicht nur die Ostsee – auch in anderen Regionen Deutschlands kam es infolge von Unwettern zu weiteren Notfällen.

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Die Seenotretter waren an diesem Wochenende in zahlreichen Revieren des Zuständigkeitsgebiets der DGzRS auf Nord- und Ostsee gefragt. Etwa 60 Seenotrettungskreuzer und -boote fuhren von Freitag- bis Sonntagmittag mehr als 32 Einsätze, bei denen sie insgesamt 75 Menschen retteten. Der Schwerpunkt lag in der westlichen Ostsee. Das bestätigt Christian Stipeldey. „In Schleswig-Holstein hatten wir 19 Einsätze, sieben in Mecklenburg-Vorpommern und sechs in Niedersachsen.”

Die Gründe für die Auslöser verteilen sich nach Angaben des Pressesprechers dabei wie folgt: Technische Probleme und Motorschäden wurden elfmal gezählt. „Aus einem technischen Problem kann schnell eine gefährliche Situation werden”, erklärt Stipeldey. “Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir schnell vor Ort sind.” Hinzukommen neun Schiffe, die sich festgefahren haben oder gestrandet sind. In vier Fällen mussten die Seenotretter Krankentransporte und medizinische Evakuierungen vornehmen. Bei der Rettung und Kenterung einer Segelyacht, war die DGzRS bis spät in die Nacht im Einsatz. Zudem gab es ein manövrierunfähiges und treibendes Boot. „Wir waren auch an der Suche nach sechs vermissten Schwimmern beteiligt”, sagt Stipeldey und führt fort: „Es ist häufig der Fall, dass wenn sich das Wetter plötzlich ändert und nicht im Voraus angekündigt wird, viele Menschen unterwegs sind und möglicherweise vom Wetter überrascht werden.” Gerade im Sommer können wechselhafte Wetterbedingungen inklusive Gewitter und Hitze zu Risiken werden.


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Wie der Pressesprecher berichtet, verzeichnen die Seenotretter mindestens ein- bis zweimal im Jahr ein Wochenende mit einer solch hohen Anzahl an Notfällen. „Innerhalb von zwei Tagen können schnell bis zu 40 Einsätze gemeldet werden. An diesem Wochenende retteten wir 75 Personen. Diese Zahl ist auch an anderen Wochenenden realistisch”, lautet seine Einschätzung.

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Ehepaar in Seenot

Eine Frau meldete vom Ufer aus um 22.30 Uhr am 27. Juni ein führungslos treibendes Segelboot vor Langholz in der Gemeinde Waabs. Das Maritime Rescue Co-ordination Centre (MRCC) Bremen alarmierte umgehend das Seenotrettungsboot „Eckernförde“. Die Besatzung traf etwa eine halbe Stunde später am Einsatzort ein und stellte fest, dass zwei Personen an Bord waren. Ein Ehepaar hatte sein Boot während eines schweren Gewitters an einer Tonne festgemacht und unter Deck Schutz gesucht. Die Verbindung hielt jedoch nicht stand. Wegen der gefährlichen Gewitterlage entscheiden die Seenotretter, das Boot mit den Seglern an Bord nach Eckernförde zu schleppen.

Boot reißt sich bei Gewitter los

Ungefähr 20 Minuten nach dem Beginn der Schleppreise zog erneut ein heftiges Gewitter über die Eckernförder Bucht. Starke Böen mit bis zu zehn Windstärken – mehr als 100 Kilometer pro Stunde – ergriffen das Segelboot, das im Schlepp war. Eine solche Böe ließ das Boot kentern und beide Segler stürzten in die Ostsee. Die Seenotretter reagierten umgehend und retteten das Paar innerhalb kürzester Zeit, bevor sie abgetrieben wären.

Die DGzRS zog zur Unterstützung den Seenotrettungskreuzer „Berlin“ der Station Laboe hinzu. Zu der Crew gehörte auch ein Seenotarzt. Da sich die beiden Schiffbrüchigen in guter Verfassung befanden, war es nicht notwendig sie weiterhin medizinisch zu versorgen. Die Seenotretter brachten das Ehepaar in den Hafen von Eckernförde. Die „Steppke“, das Tochterboot der „Berlin“, übernahm das Schleppen. Dabei kam es erneut zu heftigem Starkregen und Gewitter. Erst Sonntagnacht um 3 Uhr waren die Crews wieder auf ihrer jeweiligen Station.

Die Rettungsleitstelle See ist rund um die Uhr besetzt und über UKW-Kanal 16 und 70 sowie Grenzwelle 2187,5 Kilohertz erreichbar.

Einsätze auf dem Bodensee

​Starke Gewitterzellen über der Ostschweiz lösten am Sonntagabend einen heftigen Sturm aus, der den Ostteil des Bodensees erfasste. Die gelben Sturmwarnleuchten entlang des Bodenseeufers zeigen bereits im Vorfeld die Warnung mit 90 Blitzen pro Minute. Dennoch gerieten mehrere Boote in Seenot. Eine Segelyacht lief vor der Therme in Lindau auf Grund. Zur selben Zeit wurde in derselben Region ein manövrierunfähiges Motorboot gemeldet. Die Feuerwehr Lindau, die Wasserwacht und das THW Lindau rückten gemeinsam mit Einsatzkräften aus Österreich zur grenzüberschreitenden Rettungsaktion aus. Die Einsatzkräfte sicherten beide Boote und schleppen das Motorboot anschließend in den Lindauer Hafen.

​Vor der Wasserburger Halbinsel gab es einen weiteren größeren Einsatz. Ein Segelboot löste sich von seinem Bojenliegeplatz los und wurde schließlich durch den starken Wellengang ans Ufer gedrückt. Die Feuerwehr Wasserburg und das THW Lindau sicherten das beschädigte Boot. Mit dem Ladekran des THW hoben die Einsatzkräfte das Segelboot aus dem Wasser, um eine mögliche Umweltgefahr durch auslaufenden Treibstoff für den Bodensee zu verhindern. Die Feuerwehren aus Lindau und Wasserburg, die Wasserwacht, das THW Lindau sowie Einsatzkräfte aus Österreich waren mehrere Stunden im Einsatz. Verletzte gab es nach bisherigen Erkenntnissen nicht.

Brennende Yacht in Warnemünde

​Eine 8,45 Meter lange Segelyacht fing am Sonntag nahe dem Passagierkai in Warnemünde Feuer, wobei der 47-jährige Skipper unverletzt blieb. Das Feuer brach um kurz nach 13 Uhr aus. Ursprünglich war die Yacht von Kühlungsborn Richtung Rostocker Stadthafen unterwegs. Eine schwarze Rauchwolke war auch aus weiterer Entfernung sichtbar. Mehrere Notrufe gingen bei den Rettungskräften ein. Die Feuerwehr wurde von der Bundeswehr-Feuerwehr und einem Katastrophenschutz-Boot unterstützt. Gemeinsam benötigten sie eine Stunde, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Die Polizei vermutet einen technischen Defekt als Brandursache, prüft jedoch noch die Möglichkeit fahrlässiger Brandstiftung.


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Leonie Meyer

Leonie Meyer

Redakteurin Wassersport Digital-Redaktion

Leonie Meyer wuchs mit dem Bootfahren in Kroatien auf und blätterte schon als Kind durch das BOOTE-Magazin ihres Vaters. Während und nach ihrem abgeschlossenen Internationalen Journalismus-Studium absolvierte sie Praktika bei verschiedenen Medien im Ausland. 2020 zog sie es für ein Praktikum zum BOOTE-Magazin, weshalb sie nach ihrem Volontariat bei einer Tageszeitung zurückkehrte. Seit 2023 arbeitet Leonie Meyer als Redakteurin in der Wassersport Digital-Redaktion und ist neben dem Betreuen der Websites unter anderem für den YACHT-Podcast zuständig.

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