25 Jahre Elling-Club, Teil IWarum dieses Treffen mehr als ein Jubiläum ist

Antonia von Lamezan

 · 17.07.2026

Zum 25. Sommertreffen des Elling-Clubs kamen 21 Boote nach Antwerpen.
Foto: SKYVISION DRONE
21 Boote, Eigner aus mehreren Ländern und ein Jubiläum in Antwerpen: Beim 25. Sommertreffen des Elling-Clubs zeigt sich, dass diese Gemeinschaft längst mehr verbindet als nur eine gemeinsame Yachtmarke. Zwischen Stegkaffee, Hafenabenden und Reisegeschichten wird schnell klar, warum viele Jahr für Jahr wiederkommen.

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Text: Antonia von Lamezan

​Als sich an diesem Abend die Londenbrug in Antwerpen mit schrillem Klingeln hebt, warten im Willemdok bereits 18 Ellings auf ihre Nachzügler. Drei weitere Motoryachten der niederländischen Werft gleiten kurz darauf im Konvoi durch die Hafeneinfahrt. Die tief stehende Sonne spiegelt sich in den markanten Fensterfronten der Yachten, während historische Speicherhäuser, moderne Bürogebäude und das MAS-Museum vorbeiziehen.

Am Steg nimmt Frank Herman die Leinen der „Zeeotter“ entgegen. „Welcome to the family!“, ruft er dem Amerikaner Josh zu. Für ihn ist es das erste Elling-Club-Meeting. Für viele andere gehört das jährliche Treffen längst fest in den Kalender. Mit insgesamt 21 Booten feiert der Club in Antwerpen sein 25. Sommertreffen. Wer an diesem Abend entlang der Stege geht, merkt: Die Menschen hier wurden zwar über die Boote zusammengeführt, doch die Stimmung gleicht längst eher einem großen Familientreffen.


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Elling Club: Ein schwimmendes Dorf

Am nächsten Morgen hängt Nebel über dem Hafen. Langsam erwacht das schwimmende Dorf von Ellings. Hundebesitzer drehen ihre ersten Runden, auf den Stegen hört man Niederländisch, Englisch, Deutsch und Französisch. Menschen bleiben stehen, tauschen Neuigkeiten aus, sprechen über Reviere und Sommerpläne oder begutachten die neuesten Umbauten an ihren Booten.

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Auf der „Kivi“ hat sich schon die erste Kaffeerunde versammelt. Robert und Yvonne Carthaus aus Neuss sitzen mit Latte macchiato im Cockpit und schauen dem Geschehen zu. Bordhund Mowgli, ein wuscheliger Hütehund mit treuem Blick, sitzt zwischen ihnen und lässt sich kraulen. Robert und Yvonne stehen am Übergang in den Ruhestand. Über Jahrzehnte waren sie leidenschaftliche Segler und jeden Sommer mit ihrer Sunbeam unterwegs. Erst eine Knieverletzung brachte sie dazu, über eine Alternative nachzudenken. Auf einer Bootsmesse entdeckten sie eine Elling E4. „Wir haben uns sofort verliebt“, erzählt Robert. Für Yvonne war es vor allem das besondere Raumgefühl. „Der Innenraum erinnert an ein Segelboot. Alles wirkt weich, rund und wohnlich. Gleichzeitig ist es deutlich komfortabler.“

Nur wenige Monate später kauften sie 2019 ihre Elling in Schleswig. Bis heute gehören die niederländischen Gewässer und die W estfriesischen Inseln zu ihren Lieblingsrevieren. Viele Gewohnheiten aus der Segelzeit sind ihnen geblieben. „Manchmal denken wir noch, wir hätten einen Mast“, sagt Robert und lacht. Noch immer staunen sie darüber, unter welch niedrigen Brücken die „Kivi“ hindurchpasst und für welch flache Gewässer sie geeignet ist. Mindestens ebenso wichtig wie das Boot selbst ist für beide die Gemeinschaft der Eigner. „Zum Club sind wir im Hafen gekommen, wo wir andere Elling-Eigner kennenlernten“, erzählt Yvonne. „Die Leute sind unglaublich hilfsbereit. Man unterstützt sich gegenseitig, fährt gemeinsam Törns und tauscht jede Menge Tipps aus.“ Robert gibt besonders gerne Restaurant-Empfehlungen für die Niederlande. Viele davon hat er in seinem Restaurantführer „Hungrig im Hafen“ gesammelt.

​Warum die Werftgeschichte zur Clubgeschichte gehört

Kurz darauf gesellen sich Anton van den Bos und se in Sohn Wouter zur Kaffeerunde an Bord der „Kivi“. Anton hat die Elling -Werft gegründet und seit 1997 aufgebaut. Inzwischen übergibt er die Verantwortung schrittweise an Wouter. Viele der Anwesenden kennt er seit Jahren persönlich. Manche ihrer Boote hat er selbst ausgeliefert oder gemeinsam mit den Eignern überführt. Wer ihm zuhört, versteht schnell, dass die Wurzeln der heutigen Clubgemeinschaft rund um Elling bis in die Werft zurückreichen. Van den Bos berichtet von den Jahren des Wachstums, einer Atlantiküberquerung mit Kunden 2008 und vom eindrucksvollen Selbstaufrichtungstest einer Elling im Jahr 2014. Er erzählt aber auch von schwierigeren Kapiteln der Werftgeschichte: dem Br and 2016, der das Unternehmen beinahe zerstörte. Geschäftspartner halfen finanziell, Mitarbeiter hielten der Werft die Treue. „Als wir wieder produzieren konnten, haben wir zuerst die Boote für die betagteren Kunden fertiggestellt“, erinnert sich Anton. „Für sie zählt jede Saison auf dem Wasser.“

Die Verbindung zwischen Werft und Eignern wirkt hier weniger wie eine klassische Beziehung zwischen Hersteller und Käufer, sondern eher wie die zwischen Weggefährten, die schon viele gemeinsame Seemeilen und Erlebnisse miteinander teilen. Sie ist wohl ein Aspekt, warum die Gemeinschaft rund um Elling seit 25 Jahren so verlässlich ist.

Ein Vierteljahrhundert Gemeinschaft

Der Donnerstag klingt mit einer Feier in einer Bar nahe dem Hafen aus. Nach einer Stadtführung und dem Besuch einer Ausstellung historischer nautischer Instrumente aus der Sammlung eines Clubmitglieds wird hier getanzt, gesungen und gefeiert.

Zwischen dem Vereinsältesten, der seit 25 Jahren dabei ist, und Josh, dem Neuling aus Seattle, liegt ein Vierteljahrhundert Clubgeschichte. Der eine hat an fast jedem Treffen teilgenommen, der andere erlebt gerade sein erstes. Dennoch wirkt es, als gehörten beide seit Jahren in dieselbe Runde. Vielleicht liegt genau darin das Besondere dieses Treffens. Die Eigner kommen aus unterschiedlichen Ländern, Berufen und Lebensphasen. Manche wohnen fast ganzjährig an Bord, andere nutzen ihre Elling vor allem in den Ferien. Einige erzählen von langen Seereisen, andere von Törns durch Binnenreviere. Und doch nennen viele am Ende dieselben Gründe, warum sie immer wiederkommen: gegenseitige Hilfe, gemeinsame Törns, weitergegebenes Erfahrungswissen und Freundschaft.

Am Sonntag werden die Leinen wieder losgeworfen. Robert und Yvonne fahren zurück zu ihrem Liegeplatz nach De Heen in den Niederlanden. Josh, der Amerikaner plant seinen Kurs Richtung Skandinavien, während sein Stegnachbar Frank bald wieder südliche Gewässer ansteuern möchte. Auch wenn Boote und Crews sich wieder über Europa verteilen, sie bleiben verbunden. Die Ellings sind der Anlass. Der eigentliche Grund, warum viele Jahr für Jahr wiederkommen, sind jedoch die Menschen. Ein Eigner bringt es am Ende des Treffens auf den Punkt:

„Eine Elling zu haben ist mehr, als nur ein Boot zu besitzen. Es bedeutet, Teil einer Gemeinschaft zu sein.“

​Serie: 25 Jahre Elling-Club

Teil 1 erzählt vom Jubiläumstreffen in Antwerpen und von der Gemeinschaft am Steg. In Teil 2 geht es um das Leben an Bord einer Elling. Teil 3 fokussiert Technik, Sicherheit und Eignerpraxis.


Ist ein Eigner-Club am Ende wichtiger als Marke und Modell? Oder bleibt so etwas doch ein Nischenthema für wenige? Schreib deine Meinung in die Kommentare.


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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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