​„Boardwalk“US-Botschafter mit 117-Meter-Lürssen auf Italien-Tour – Protest aus Venedig

Sören Gehlhaus

 · 30.06.2026

Der US-Botschafter in Italien, Tilman J. Fertitta, steht mit Schlappen auf dem Oberdeck von „Boardwalk“. Die 118-Meter-Lürssen lag zu ...
Foto: Felice De Martino/AGF
​Nach Ablieferung von „Boardwalk“ führte Tilman J. Fertitta seine 118-Meter-Lürssen ihrer Bestimmung zu. Der US-Botschafter in Italien nutzt sie anlässlich der Feierlichkeiten zu 250 Jahren USA für eine Tour entlang der Küsten. Sein anstehender Besuch in Venedig erregt Protest.

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​Der texanische Geschäftsmann Tilman J. Fertitta wurde am 21. Dezember 2024 vom designierten US-Präsidenten Donald Trump zum Botschafter in Italien berufen. Der Besitzer des NBA-Teams Houston Rockets ist auch als Großyacht-Eigner bekannt: Seine 118-Meter-Lürssen „Boardwalk“ legte im Mai 2026 zur Jungfernfahrt in Bremen ab.

„Boardwalk“ führt zu den Wurzeln

In italienischen Gewässern angekommen, brach der Texaner ​am 13. Juni auf „Boardwalk“ zu einer Reise entlang Italiens Küsten auf, um den 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung zu feiern. ​Fertitta selbst hat Wurzeln in der sizilianischen Küstenstadt Cefalù, der er auch einen Besuch abstattete.

Die US-Botschaft informiert, dass Fertitta an Bord Festlichkeiten zum Jubiläum ausrichten wird, um die Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Italien als langjährige Verbündete, Wirtschaftspartner und enge Freunde hervorzuheben. Neben Begegnungen mit lokalen Gemeinschaften, Unternehmern und Amtsträgern stünden kulturelle Veranstaltungen auf dem Programm. Die Pressemitteilung betont, dass Fertitta die Reisekosten für „Boardwalk“ persönlich trägt.

Gigayacht als Veranstaltungsort

​​​„Ich freue mich darauf, Italienerinnen und Italiener im ganzen Land zu treffen, um Verbindungen zu feiern, die unsere Nationen seit Generationen miteinander verbinden. Es ist eine großartige Möglichkeit, 250 Jahre unserer Unabhängigkeit zu feiern, während Italien gleichzeitig 80 Jahre Republik begeht", erklärte Botschafter Fertitta. „Dies ist die Geschichte all dessen, was uns jenseits der Schlagzeilen verbindet. Dazu gehört auch die Geschichte meiner eigenen italienischen Wurzeln in Cefalù", fügte er hinzu.

Ausgangspunkt war der Hafen von Civitavecchia. Dort lag und lebte der US-Botschafter auf der alten für 149 Mio. Euro zum Verkauf stehenden „Boardwalk V“ (77 m, Feadship, 2021). Man plane von dort, mindestens 13 italienische Regionen auf dem Wasserweg anzusteuern. ​In Neapel traf Fertitta lokale Amtsträger und Vertreter der Wirtschaft, bevor es weiter nach Palermo und Cefalù geht. Die Route umfasst auch Städte an der Adria, darunter das historische Venedig und Triest, die Heimat eines der drei „American Corners“ in Italien. Außerdem wird die ligurische Küste besucht, einschließlich Genua, dem Geburtsort von Christoph Kolumbus. Den Abschluss der Reise soll ein Besuch auf Sardinien Mitte August bilden.

Vorauseilender Protest in Venedig

​In Venedig regt sich Protest gegen eine Stippvisite der 117 Meter langen „Boardwalk“, die sich für den 3. Juli angekündigt hat. Dann finden die ​Redentore-Feierlichkeiten zur Erinnerung an das Ende der Pest im Jahr 1577 statt. Dazu gehört auch ein Feuerwerk, das Fertittas Yacht stören könnte, würde sie wie geplant in der Nähe des Markusbeckens vor Anker gehen.

Gegenwind kommt von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen. Ein ähnliches Aufbegehren gab es im Vorfeld von Jeff Bezos’ Hochzeit, zu der dieser „Koru“ nach Venedig bringen wollte und es am Ende nicht tat. Die endgültige Entscheidung der venezianischen Behörden bezüglich Fertittas Besuch stand noch aus. Am 30. Juni befand sich „Boardwalk“ laut AIS vor Kalabrien.

Yachting-verrückte Verwandtschaft

Tilman Fertitta ist nicht der einzige Yachting-Verrückte dieses Namens. Seine Cousins, Frank und Lorenzo Fertitta, sollen ebenfalls Großformaten zugetan sein. Der Casino-Unternehmer Frank Fertitta soll die 94-Meter-Feadship „Viva“ besessen haben, Lorenzo Fertitta – er ist Mitbegründer und ehemaliger Miteigentümer der Ultimate Fighting Championship (UFC) – wird nachgesagt, die 87 Meter lange Feadship „Lonian“ und den Versorger „Hodor“ zu bereedern.


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Sören Gehlhaus

Sören Gehlhaus

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV

Sören Gehlhaus wurde 1981 in Berlin geboren und besegelte auf Jollen die Unterhavel, in den Ferien den Ratzeburger See und die Ostsee auf „Dickschiffen“. Zeitgleich mit dem Beginn des Studiums in Lübeck trat 2001 das Kitesurfen auf den Plan, und die intensive Ausübung des neuen Sports sorgte für den beruflichen Schwenk zum Journalismus. Nach Volontariat beim b&d Verlag in Hamburg folgten viele Jahre der redaktionellen Arbeit für ein Kitesurf-Magazin und 2018 der Wechsel zu BOOTE EXCLUSIV.

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