WallyWhy150Die perfekte Formel für einen kantigen Freigeist

Martin Hager

 · 09.03.2024

Kraftvoller Auftritt: Die 23,99 Meter lange WHY150 legt mit einem Innenraumvolumen von 150 Gross Tons ab und bietet Gästen dank riesiger Fensterpaneele ein aufregendes Raumgefühl mit maximaler Nähe zur Natur
Foto: Gilles Martin-Raget
Die Innovations-Schmiede Wally präsentiert mit der WHY150 ein Wohnraumwunder im martialischen Raumschiff-Look, das dank einer Länge von knapp unter 24 Metern mehr Freiheiten bietet und nicht nur optisch polarisiert.

Unser Ziel ist es, Yachten zu entwickeln, die innovativ und zu 100 Prozent funktional sind“, erklärt Wally-Gründer Luca Bassani voller Begeisterung im Cockpit der 24 Meter langen WHY150. „Dieses Abenteuer wird für uns nie enden. Wir werden uns immer wieder neu herausfordern und alteingesessene, bewährte Konzepte überdenken, damit unsere Kunden die bestmögliche Zeit auf dem Wasser haben.“ Dass dieses Konzept seit der Gründung der designorientierten Marke im Jahr 1991 voll und ganz aufgeht, beweist die Geschichte. Luca Bassani war der Erste, der es schaffte, Supermaxis so zu bauen, dass sie schnell und einfach zu segeln sind – Carbon und effiziente Hydrauliksysteme machten es möglich. Yachten wie „Wallygator“ (heute „Wally One“) und „Wallygator II“ (heute „Nariida“) waren seine Eintrittskarte in die Superyachtindustrie und wirbelten – langsam aber stetig – den gesamten Markt um und machten Push-Button-Segeln schließlich salonfähig. Wer wollte, konnte nun seine majestätische 32-Meter-Yacht per Knopfdruck segeln, ganz allein, barfuß und mit einem entspannten Lächeln im Gesicht.

Ziel: maximaler Wohnraum und Komfort

Nach und nach vergrößerte sich das Wally-Imperium. Zu den eleganten Superseglern gesellten sich mit der Wallypower-Linie rassige Tender im Weekender-Gewand (6/2022), mit WallyAce (5/2012) ruhige Verdränger mit Strandhaus-Charme und mit den jüngsten Modellen der WallyWhy-Range eine gelungene Symbiose aus Raumschiff und Geschwindigkeit. „Für die WallyWhy-Linie hatten wir ein Ziel: Wir wollten den maximalen Wohnraum und Komfort auf einem schnellen wie effizienten Halbgleiterrumpf“, fasst Luca Bassani das Designkonzept der jüngsten Power-Wallys zusammen. Mit der WHY200 lief 2021 das erste Modell der neuen Linie vom Stapel, während die kleinere Schwester WHY150 im letzten Herbst Premiere und erste Erfolge feierte. „Schon vor der ersten Präsentation hatten wir acht Einheiten verkauft“, freut sich Wally-Geschäftsführer Stefano de Vivo, der ebenfalls mit an Bord ist. Ein beachtliches Ergebnis, insbesondere wenn man den Startpreis von knapp 7,3 Millionen Euro bedenkt.

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Neben dem markanten Look mit kantigen Wallypower-Aufbauten, einem voluminösen negativen Steven, großflächiger Verglasung und einer XL-Badeplattform trumpft die Neuheit mit viel Wohnfläche auf minimaler Länge auf. „Das ist heutzutage ein großer Vorteil, da seit 2019 an vielen Küsten des Mittelmeeres strengere Ankervorschriften für Yachten über 24 Meter Länge gelten. Diese müssen einen Mindestabstand zur Küste von 300 Metern einhalten, vor Korsika ist es sogar eine halbe Seemeile, also 900 Meter“, so Luca Bassani.

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WallyWhy150 wird zum kompakten Dreidecker

Mit der 23,99 Meter langen WallyWhy150 reizten die Italiener die Formel bewusst aus und realisierten einen kompakten Dreidecker, der in seiner Erscheinung der größeren Schwester stark ähnelt. Wer genau wissen will, wie viel Innenraumvolumen die neue Wally bietet, muss nur auf die Modellbezeichnung schauen. „Da es bei dieser Linie vor allem um viel Raum geht, entschieden wir uns, das Innenraumvolumen numerisch mit in die Modellnamen zu integrieren. Die WHY150 besitzt also ein Volumen von 150 Gross Tons“, so Stefano de Vivo. „Kurz, breit und hoch“ lautete die Formel, mit der die Werft viel Lebensraum auf dem Wasser realisierte. Dank einer Breite von 6,78 Metern auf einer Länge von 24 Metern liegt die WHY150 stabil im Wasser, doch bei einer Gesamthöhe von 10,60 Metern helfen ein Seakeeper-Kreiselstabilisator (optional) und Flossen bei Bedarf für minimale Rollbewegungen vor Anker.

Dass sich die beiden WHY-Schwestern ähneln, steht außer Frage und doch gibt es – wie bei allen Geschwistern – Besonderheiten. So profitiert das Heck der Kleinen zwar von einem Achtercockpit, das fließend auf die Badeplattform übergeht und die gesamte Breite nutzt, doch herunterklappbare Schanzkleider zur Vergrößerung des Beach Clubs suchen Gäste erfolglos. Auch die Badeplattform wurde angepasst und fungiert aufgrund mangelnder Tendergarage ebenfalls als Beiboot-Lift und -Parkplatz. Vom Achtercockpit geht es nahtlos in den Hauptsalon, den eigentlichen Höhepunkt an Bord des großflächig verglasten Raumschiffes. Mit einer Deckenhöhe von 2,75 Metern bietet die WHY150 dank cleverem Split-Level-Konzept so viel Kopfraum wie manch 80-Meter-Yacht. Das kompakte Wohnzimmer teilt sich auf in zwei Sektoren: einen Speisebereich mit ovalem Tisch für acht Personen auf Beachclub-Höhe plus einer vier Stufen höhergelegten Lounge mit einem gemütlichen u-förmigen Sofa, das zum Heck hin ausgerichtet ist. Steuerbords führt ein breiter Korridor in die Mastersuite, die das gesamte vordere Hauptdeck einnimmt und dank eines 270 Grad umlaufenden Fensterbandes großartige Aussichten garantiert. Wie schon bei der WHY200 findet sich auch hier ganz vorne eine Sofanische, die aus dem Raum eine Buglounge macht. Das Queensize-Bett steht scheinbar schwebend auf der Mittschiffslinie, dahinter schließen sich das großzügig geschnittene Badezimmer und der begehbare Kleiderschrank an. Die maximal vierköpfige Crew bezieht ihre zwei Kabinen auf dem Unterdeck im Vorschiff und bereitet die Mahlzeiten in der hinter dem Eignerreich installierten Galley vor.

Neben der Küche, die recht klein ausfällt, führt ein Niedergang auf das Unterdeck, auf dem – achtern des Crewquartiers – drei geräumige Gästekabinen vorgesehen sind. Zwei unmittelbar vor dem Motorenraum, in dem drei Volvo Penta IPS-Einheiten arbeiten und eine VIP-Suite davor.

„Während unsere Kunden bei der WHY200 noch die Möglichkeit hatten, zwischen unterschiedlichen Layout-Optionen zu wählen, können wir hier keine weiteren Möglichkeiten anbieten“, erklärt Stefano de Vivo. Zu begrenzt ist der Raum, der in jeglicher Hinsicht maximal und gekonnt ausgereizt wurde.

Spielraum bei der technischen Ausstattung

„Bei der technischen Ausstattung der WHY150 hat der Kunde natürlich Spielraum für Entscheidungen“, ergänzt Luca Bassani. „Wir bieten den 85-Tonner mit zwei Motorenoptionen an, entweder mit drei Volvo-Penta-IPS-1200-Maschinen mit je 662 Kilowatt Leistung oder mit den 73 Kilowatt stärkeren IPS-1350-Einheiten, die einen Topspeed von 23 Knoten ermöglichen.“ Die Reichweite liegt mit einer ökonomischen Fahrweise (zehn Knoten) und dank 9000 Litern Diesel in den Tanks bei 1000 Seemeilen. Die Probefahrt hilft, diese Zahlen besser einzuordnen. So verbraucht die WHY150 bei 2470 Umdrehungen pro Minute und maximal 22,2 Knoten 578 Liter pro Stunde, bei 1200 Umdrehungen und 9,8 Knoten rauschen 98 Liter durch die Leitungen. Wer es noch sparsamer haben möchte, bewegt sich mit 800 Umdrehungen und gemächlichen 6,3 Knoten von Bucht zu Bucht, dann fallen nur 30 Liter pro Stunde an oder anders ausgedrückt: nur fünf Liter pro Seemeile.

Doch zurück zum Raumangebot, das die WHY150 von der Masse abhebt. Aus dem Salon führt eine Treppe in die von großen Fensterpaneelen eingerahmte Brücke, die von zwei Kohlefaser-Kapitänsstühlen dominiert wird und wo Captain oder Eigner über drei Simrad-Multifunktionsdisplays die Kontrolle über den Halbgleiter übernehmen. Zu den schönsten Plätzen an Bord zählt eine modern gestaltete, aber doch gemütliche Chaiselongue, die backbords unmittelbar an die Instrumente des Steuerstandes angrenzt. „Solch gemütliche Nischen mit Premiumaussicht haben wir schon auf anderen Modellen aus unserem Portfolio realisiert. Die Eigner lieben diesen Platz“, so Luca Bassani.

“Typisch Wally”

Vom Steuerstand führen wenige Stufen nach achtern auf das fast vollständig von einem Carbon-Bimini überdachte Topdeck, das neben einem Speiseplatz mit angrenzender Bar und Grill mehrere Sonnenliegen und eine U-förmige Sofa-Lounge bereithält. „Die WHY150 passt perfekt in unsere Markenphilosphie und Produktpalette, da auch bei ihr die Form der Funktion folgt und das Gesamtpaket von innovativen Ideen und Technologien bestimmt ist“, fasst Wally-Mastermind Luca Bassani zusammen. Eine 24-Meter-Yacht mit modern-kraftvoller Optik, die dank eines einzigartigen Layouts ein außergewöhnliches Raumgefühl erzeugt, das eher an ein luftiges Loft erinnert, als an einen sportlichen Halbgleiter. Typisch Wally. Aktuell bauen die Italiener die WHY-Modelle noch in der Pershing-Werft in Mondolfo, doch schon dieses Jahr soll die Wally-Werft in Ravenna eröffnen. Eine hypermoderne Fertigungsstätte, wie gemacht für die extravaganten Segel- und Motoryachten der richtungsweisenden Marke, die entsprechend ihrem neuen Werbeslogan „Wally – 20 years ahead“ auch weiterhin die Nase vorn haben möchte, wenn es um Innovation geht. In Ravenna entsteht mit der 21,50 Meter langen WHY100 dann auch das kleinste Modell der WHY-Linie, das sich – wie sollte es anders sein – deutlich abhebt von bekannten Konzepten und ihren größeren Schwestern.


Technische Daten

WallWhy150WallWhy150WallWhy150
  • Länge über alles: 23,99 m
  • Länge (Wasserlinie): 22,50 m
  • Breite: 6,78 m
  • Tiefgang: 2,00 m
  • Höhe: 10,60 m
  • Verdrängung (leer): 85 t
  • Material: GFK, Carbon
  • Motoren: 2 x Volvo Penta D13
  • Motorleistung: 2 x IPS 1200, 662 kW oder 2 x IPS 1350, 735 kW
  • Geschwindigkeit (max.): 21 / 23 kn
  • Geschwindigkeit (Reise): 18 / 20 kn
  • Kraftstoff: 9000 l
  • Stabilisator: Seakeeper 26
  • Navigation: Simrad
  • Konstruktion: Wally, Ferretti Group
  • Exterieurdesign: Wally, Ferretti Group
  • Interieurdesign: Studio Valicelli
  • Klasse: CE „A“, RINA B+F
  • Werft: Wally, 2023
  • Startpreis: 7,28 Mio. Euro

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Martin Hager

Martin Hager

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv

Martin Hager ist Chefredakteur der Magazine YACHT und BOOTE EXCLUSIV. Er segelt seit seiner Kindheit, Surfen, Kitesurfen und Wingfoilen ergänzen seit vielen Jahren seinen sportlichen Horizont. Die Liebe zum Wassersport führte ihn zum Schiffbaustudium und von dort im Jahr 2004 in die Hamburger Redaktion des Delius Klasing Verlages. Seine Leidenschaft für den Bootsbau, die Yachtbranche und die spannenden Charaktere, die das Yachting prägen, gibt er mit Freude weiter – sei es in seinen Artikeln, als auch im Gespräch mit Lesern und der Branche.

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