Antonia von Lamezan
· 18.07.2026
Text: Antonia von Lamezan
Am Nachmittag beginnt der offizielle Teil des Elling-Eignertreffens. Unter bunten Schirmen entsteht ein gemeinsames Buffet. Alle bringen etwas mit: Käse, Gebäck, Häppchen. Zwischen den Tischen wird angestoßen, gelacht und erzählt. Frank Herman ist noch an Bord seiner „Fortuna“ und bereitet sich auf den Nachmittag vor.
Gemeinsam mit seiner Frau Wafaa gehört er zu denjenigen, für die das Boot längst mehr ein Zuhause als ein Freizeitgerät ist. Seit 2015 haben die beiden keine feste Marina mehr. Spanien, Portugal, Marokko, die Balearen, Griechenland, die Adria oder die Kanaren – die „Fortuna“ hat in den vergangenen Jahren viele Tausend Seemeilen zurückgelegt. Rund 80 Prozent der letzten elf Jahre verbrachten Frank und Wafaa an Bord.
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Der Belgier hatte schon früh eine klare Vorstellung von seinem Traumboot: Es sollte sowohl auf Binnenrevieren als auch auf hoher See fahren können, unter niedrigen Brücken hindurchkommen, stabil gebaut sein und vor allem eines: regelmäßig genutzt werden. „Es sollte alles können und nicht ständig kaputt sein.“ Als Frank seine Firma verkaufte, war der richtige Moment gekommen. Die Elling schien alles zu vereinen, wonach er gesucht hatte.
Heute ist die „Fortuna“ das Zuhause erfahrener Langzeitreisender. Zwischen Geschirr, Gläsern und Proviant stecken in fast jedem Schrank Toilettenpapierrollen. Frank sagt lächelnd:
„Sieht vielleicht verrückt aus, aber bei Seegang klappert dann nichts.“
Von Seegang kann er einiges erzählen: Von Strömung, Gegenwind und den kurzen, steilen Wellen vor dem Cap de la Hague, die das Boot gefährlich nah an die Klippen trieben. Von der Überfahrt nach Agadir in Marokko, Wafaas Heimat, wo eine pechschwarze Atlantiknacht ohne Sterne und Horizont jegliches Raumgefühl raubte und die See sie seekrank machte.
Doch den Schrecken stehen die schönsten Erinnerungen gegenüber. Wie die Reise auf dem Douro in Portugal, vorbei an jenen kilometerlangen in den Schiefer geschlagenen Steilterrassen, auf denen die Trauben für den Portwein reifen.
Für Frank wird die Qualität eines Bootes nicht an Hochglanzbroschüren gemessen, für ihn zählt die Alltagstauglichkeit: „Nach zwölf Jahren intensiver Nutzung funktioniert hier immer noch alles. Wir leben die meiste Zeit an Bord, und trotzdem wirkt nichts abgenutzt. Das fällt schon auf.“
Während am Buffet neue Gespräche entstehen und alte Geschichten wieder aufleben, wird deutlich, wie unterschiedlich die Lebensentwürfe innerhalb der Elling-Gemeinschaft sind. Manche nutzen ihre Boote nur wenige Wochen im Jahr, andere machen sie, wie Frank und Wafaa, zu ihrem Lebensmittelpunkt. Trotzdem finden die Elling-Eigner ganz selbstverständlich zueinander.
Teil 2 dieser Serie zeigt, warum die „Fortuna“ für ihre Eigner zum Zuhause wurde. Teil 1 erzählt vom Treffen in Antwerpen, Teil 3 fokussiert Technik und Sicherheit an Bord.
Würdest du mehrere Monate im Jahr auf einer Motoryacht leben wollen? Schreib es in die Kommentare.

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