Ein Boot gehört im Winter an Land. Dort ist es grundsätzlich besser aufgehoben als im Wasser. Für mich aus zwei wesentlichen Gründen: Ich muss mir zum einen weniger Sorgen machen. Liegt es im Wasser, hört die Saison für mich im Kopf nicht wirklich auf. Dann stellt sich bei jedem kräftigeren Wind die Frage: Ist an Bord alles in Ordnung? Sind vor allem Leinen und Fender okay, liegt das Boot sicher? Der Hafen ist so gut wie leer, kaum jemand schaut mal, ob alles noch sicher ist, nicht zuletzt sind Einbrüche wegen der Einsamkeit und langer Dunkelheit einfacher. Und was ist erst bei Frost? Muss ich dann hin und hacken oder so was? Im Zweifel würde ich regelmäßig zum Hafen fahren und kontrollieren. An Land ist das Boot für mich dagegen erst einmal sicher verstaut. Und zum anderen ist das Winterlager schließlich nicht nur Lagerplatz, sondern auch Werkstatt. Unterwasserschiff, Antriebe, Beschläge oder Arbeiten im Inneren lassen sich dort meist unkomplizierter erledigen. Werkzeug und Material können am Boot bleiben, und ich muss nicht jeden kleinen Arbeitseinsatz vorher bis ins Detail planen. Für mich ist deshalb klar: im Sommer Wasser, im Winter Halle.
Ein Boot darf im Wasser überwintern. In meinem geschützt liegenden Heimathafen an der Nordsee ist das gelebte Praxis. Natürlich mit Vorbereitungen wie Frostschutz, reichlich Leinen und Fender. Wenn es denn doch mal außergewöhnlich stark friert oder kachelt, ist immer jemand aus der Wintergemeinschaft da, der nach dem Rechten sieht und über eine Messenger-Gruppe alle anderen informiert. Ohnehin ist ein Boot, das im Sturm frei schwojen kann, meist weniger Belastung ausgesetzt als eines, das auf dem Lagerbock gerüttelt wird. Denn Hallenplätze sind teuer und rar. Im Wasser zu bleiben, spart hingegen viel Geld, das dann direkt ins Boot investiert werden kann. Für Rumpf und Unterwasserschiff wird gezielt für ein paar warme Tage im Frühsommer ausgekrant – arbeiten ohne Frösteln in Zugluft. Alle anderen Arbeiten gehen viel leichter von der Hand, wenn ich einfach vom Steg aufs Boot steige, statt mit Werkzeug eine Leiter rauf- und runterzuklettern. Und dann sind da noch diese Momente: Übernachten an Bord, in der Sonne mit einer dampfenden Tasse Kaffee im Cockpit sitzen und aufs Wasser schauen – unbezahlbar, gerade im Winter.
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