Das Bodensee-Niedrigwasser hat am Untersee einen historischen Wert erreicht. Das Schweizer Bundesamt für Umwelt misst in Berlingen am Mittwoch, 7. Oktober, einen Wasserstand von rund 394,16 Metern über Meer. Der dort ausgewiesene bisherige Tiefstwert vom 14. Januar 1949 lag bei 394,31 Metern. Der aktuelle Wert unterschreitet ihn um etwa 15 Zentimeter. Gemeint ist die Höhe des Wasserspiegels an dieser Messstelle, nicht die Wassertiefe in einem bestimmten Hafen.
Im Untersee entscheiden wenige Zentimeter darüber, ob ein Sportboot seine Box verlassen oder wieder erreichen kann. Besonders flache Hafenzufahrten und Liegeplätze sind betroffen. Wer dort festliegt, sollte das Boot nicht allein deshalb als beweglich einschätzen, weil sein Tiefgang vergleichsweise gering ist: Auch Antrieb und Propeller brauchen Abstand zum Grund.
Bereits beim Niedrigwasser im Jahr 2022 mussten Eigner am Untersee Boote aus dem Wasser holen oder in andere Häfen verlegen. Die damaligen Zahlen beschreiben nicht die Situation im Oktober 2026. Sie zeigen aber, wie schnell aus einem niedrigen Pegel ein konkretes Liegeplatzproblem wird.
Für anstehende Fahrten heißt das: den aktuellen Pegelstand am Bodensee prüfen und beim Hafen nach der tatsächlich nutzbaren Tiefe an Zufahrt und Liegeplatz fragen. Der Pegelwert allein beantwortet diese Frage nicht. Wie sich ein Pegel von der Wassertiefe vor dem Boot unterscheidet, erklärt unser Beitrag über Pegel und Pegelstände auf Wasserstraßen.
Die Folgen reichen über die Sportbootfahrt hinaus. Die Bodensee-Schiffsbetriebe haben ihre Untersee-Kurse zwischen Radolfzell, Iznang, Mannenbach und Reichenau wegen des niedrigen Wasserstands bis auf Weiteres eingestellt. Die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein fährt nach ihrem angepassten Plan vom 5. bis 18. Oktober zwischen Gottlieben und Öhningen. Unter anderem Konstanz, Kreuzlingen, Mammern und Wangen können ihre Schiffe derzeit nicht anlaufen.
Eine rasche Entspannung ist nicht absehbar. Der amtliche Lagebericht zum Bodensee-Wasserstand beschreibt den Pegel als extrem niedrig für die Jahreszeit und rechnet entsprechend dem natürlichen Jahresgang in den kommenden Wochen eher mit weiter sinkenden Werten. Wie weit einzelne Hafenbecken noch befahrbar sind, lässt sich daraus nicht pauschal ableiten. Vor dem Auslaufen zählt die Auskunft für den konkreten Liegeplatz.
Wie das Niedrigwasser schon früher die Hafennutzung einschränkte, schildert unser Bericht über Probleme in den Bodensee-Häfen im Sommer 2022.
Warum ein Pegelstand nicht mit der verfügbaren Tiefe gleichzusetzen ist, erklärt unser Ratgeber zu Pegelwerten und Wassertiefe.
Der Bodensee beschreibt Obersee, Untersee und Überlinger See für Segler und Motorbootfahrer. Hafenpläne, Luftbilder und Hinweise zur Ansteuerung helfen dabei, eine Fahrt und mögliche Ausweichhäfen vorzubereiten. Gerade bei niedrigem Wasserstand ist die Unterscheidung zwischen Revierplanung und aktueller Befahrbarkeit wichtig: Die Angaben des Revierführers ersetzen weder eine neue Pegelabfrage noch die Auskunft des Hafenmeisters zur nutzbaren Tiefe.
Wie ist die Lage in Ihrem Hafen am Untersee: Sind Zufahrt und Liegeplätze noch nutzbar oder mussten Sie Ihr Motorboot bereits verlegen? Teilen Sie Ihre Beobachtungen in den Kommentaren.

Redakteurin Panorama und Reise
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