Christian Tiedt
· 19.08.2026
Der Bericht, in dem der “Schiffer Sala” (mit den stolzen Zusätzen M.Y.C.v.D.-C.M.Y.-St.Y.C.-Kr.-Abt. d. D.S. Vb.) von den Abenteuern der “Ingeborg 3” im Sommer 1926 berichtete, erschien noch im selben Jahr in unserem Schwestermagazin YACHT. Wir drucken ihn hier im Original mit der entsprechenden Rechtschreibung ab. Der Blick ins Archiv zeigt: So manches war anders vor 100 Jahren – aber vieles eben auch nicht. Im fünften Teil geht es endlich in Richtung Ostsee. Einen Grund findet man auch.
Text: Schiffer Sala - M.Y.C.v.D.-C.M.Y.-St.Y.C.-Kr.-Abt. d. D.S. Vb.
Obgleich wir schon eine lange und schöne Reise hinter uns hatten, war „Ingeborg III" fast das erste Boot, welches auf dem Wannsee die Saison eröffnete.
Nun hatte unser schöner Seekreuzer Gelegenheit, auch auf heimischen Binnenfahrten seine guten Eigenschaften als Wohn- und Tourenschiff zu zeigen. Mit seinen sieben Betten, vier getrennten Wohn- und Schlafräumen und der fabelhaften Küche war es Wohnung, Hotel und Badeanstalt zugleich.
Lange hielt es uns trotzdem nicht auf dem schönen Havelrevier. Die See zog doch zu mächtig, und als nun noch die Seeregatta vor Travemünde ausgeschrieben wurde, war die Teilnahme an derselben und eine anschließende Ostsee-Kreuzfahrt eine Selbstverständlichkeit.
Also wurde am Donnerstag, den 16. Juli 1925, um 4 Uhr nachmittags, wieder von der Boje losgeworfen mit 249 Litern Brennstoff im Tank bei leicht bewölktem Himmel, 762 Barometerstand, Wind schralend, leicht, NO, denn so gewissenhaft aufgezeichnet verlangte es das Logbuch.
Nachdem in Spandau 120 l. Brennstoff nachgetankt waren, gingen wir um ¾ 6 Uhr innerhalb fünf Minuten durch die Spandauer Schleuse und erreichten wieder einmal fünf Minuten zu spät, um 8.30 Uhr, die Schleuse in Lehnitz, wo wir übernachten und die in Aussicht genommene nächtliche Kanalfahrt aufgeben mußten.
Absichtlich hatten wir die Fahrt nach Travemünde über Stettin, Swinemünde und Rügen angetreten, da wir angenehmer und vor allem sicherer dorthin kommen wollten, als dies über Havel, Elbe und Elb-Trave-Kanal möglich war. Havelberg ist uns noch zu unangenehm im Gedächtnis.
An Bord befanden sich wieder sechs Personen, bestehend aus Eigner und Frau, dem zweiten Bruder und einem Freund des Eigners, der auch die Osterfahrt mitgebracht hatte, sowie zwei befreundeten Damen. Alle Vorbedingungen für eine gute Arbeitsverteilung und angenehme Geselligkeit waren also gegeben.
Schon früh um 5½ Uhr ging es durch die Lehnitzer Schleuse. Bei schönstem, wolkenlosem Wetter wurde der Treppenschleuse Hohenzollernkanal, die Niederfinower Treppenschleuse und eine halbe Stunde später die Schleuse Hohensaaten immer ohne Wahrnehmung von Leinen oder Berühren der Schleusenmauern passiert. Lediglich Maschinenkraft hielt das Fahrzeug in der Mitte der Becken, was sich als äußerst praktisch und schnell erwiesen hat.
Nach genau 17½ Stunden Fahrzeit einschließlich Schleusen und sonstigem Aufenthalt machten wir abends 11 Uhr vor dem Hotel Preußenhof in Swinemünde fest, hatten also an reiner Fahrzeit vom M.Y.C.v.D. in Wannsee bis Swinemünde, das heißt für rund 250 Kilometer, 17⅓ Stunden gebraucht, was unter Berücksichtigung der langsamen 75 km langen Kanalfahrten mit sehr schnell zu bezeichnen sein dürfte. Auch den Brennstoff- und Ölverbrauch haben wir genau kontrolliert und folgende interessante Feststellung gemacht:
Für 250 Kilometer wurden genau 125 Liter Brennstoff verbrauch, das heißt auf 100 Kilometer 50 Liter, macht bei einem Preise von 40,- Mark für 100 Liter 20,- Mark, also bei sechs Personen pro Kopf 3,35 Mark auf 100 Kilometer. Für diesen Preis kann man gerade Eisenbahn 4. Klasse fahren und spart obenein Auto- und Hotelkosten, Unbequemlichkeiten, Kofferträger, Hotelportier und ähnliche kostspielige Erscheinungen. Was den Ölverbrauch betrifft, so war derselbe so gering, daß wir Messungen aufgaben. Der Kapitän verbrauchte an einem Tage mehr Cognac als unser Motor in derselben Zeit Öl!

Ressortleiter Reise
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