Vor 100 JahrenAbenteuerlicher Sommer - mit der “Ingeborg 3” zur Seeregatta nach Travemünde

Christian Tiedt

 · 23.08.2026

Vor 100 Jahren: Abenteuerlicher Sommer - mit der “Ingeborg 3” zur Seeregatta nach TravemündeFoto: Verfasser / YACHT-Archiv
Die See von vorn auf der Lübecker Bucht. Da ist Schneid gefragt.
Stolze Eigner und eine zu allem bereite Crew: Im Sommer 1926 ging der Motorseekreuzer “Ingeborg 3” auf große Fahrt im Norden Deutschlands. Teil 6/7: Nach Travemünde zur Seeregatta!

Themen in diesem Artikel

Der Bericht, in dem der “Schiffer Sala” (mit den stolzen Zusätzen M.Y.C.v.D.-C.M.Y.-St.Y.C.-Kr.-Abt. d. D.S. Vb.) von den Abenteuern der “Ingeborg 3” im Sommer 1926 berichtete, erschien noch im selben Jahr in unserem Schwestermagazin YACHT. Wir drucken ihn hier im Original mit der entsprechenden Rechtschreibung ab. Der Blick ins Archiv zeigt: So manches war anders vor 100 Jahren – aber vieles eben auch nicht. Im sechsten Teil geht es feuchtfröhlich zur Seeregatta nach Travemünde.

​Text: Schiffer Sala - M.Y.C.v.D.-C.M.Y.-St.Y.C.-Kr.-Abt. d. D.S. Vb.

Weiter nach Travemünde

In Swinemünde hielten wir uns nicht auf. Um neun Uhr vormittags wurde losgeworfen, nachdem der Trinkwasser- und Brennstoffvorrat ergänzt worden war. Nach flotter Fahrt bei leichtem Ost und schwacher Dünung liefen wir um Rügen herum in 13 Stunden nach Warnemünde, woselbst am darauffolgenden Vormittag zunächst einmal ausgeruht und dem Badeleben gehuldigt wurde.

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Der Wind hatte sich über Nacht zu einem steifen Nordost mit Seegang entwickelt, so daß wir, um uns diesen schönen Genuß nicht entgehen zu lassen, gegen zwei Uhr nachmittags ablegten und vor Wind und See wolkenlosem Himmel in 5½ Stunden nach Travemünde liefen. Bei dieser Fahrt hatten wir zum ersten Male Gelegenheit, die Eigenschaften des Bootes bei achterlicher See kennenzulernen, die uns äußerst befriedigten.

Feuchtfröhliche Geschwaderfahrt

In Travemünde fanden wir einen sportlichen Riesenbetrieb und alles, was zur Zunft gehörte. Ein netter und interessanter Abend im Kurhaus beendigte den schönen Tag, während uns der nächste bei steifem Nordost eine feuchtfröhliche Geschwaderfahrt nach Neustadt bescherte.

Als wir um 9.30 Uhr aus den Molen von Travemünde ausliefen, klirrte es zunächst bedenklich in der Pantry, dann ging im Kokspit das angerichtete Frühstück einschließlich Kaffee und weichgekochten Eiern über Stag.

Ein Opfer der Seekrankheit

Da lag nun alles in der Pflicht / Hinzusehen wagt' ich nicht / Ein Durcheinander kreuz und quer / Nichts stand auf dem Tische mehr / Ölsardinen, Zuckerstücken / Eier, Flundern, Bücklingsrücken / Und damang noch andre Chosen / Kuchen, Kaffee, Butterdosen / Brötchen, Scherben, Marmelade / Lustig war's - doch jammerschade!

Die früher gestarteten Teilnehmer waren schon fast am Horizont verschwunden; heute konnte „Ingeborg III“ beweisen, was sie wert ist. Wir fuhren mit Vollgas bei erheblichem Seegang breitseits von Steuerbord und hatten die „sogenannten" Seekreuzer, die schwer rollend mit halber Kraft sich mit Wind und Seegang herumbalgten, schon nach einer halben Stunde eingeholt, liefen an ihnen vorbei und zeigten ihnen den richtigen Kurs nach Neustadt, den sie absichtlich oder irrtümlich nicht hielten. Dortselbst traf nacheinander alles wohlbehalten ein. Nach Besichtigung der Hanseatischen Yachtschule ging es ebenso lebhaft zurück nach Travemünde.

Ach, es fehlt an Schneid

Der Vorabend der Seeregatta versammelte dann alles, was Seebeine hatte, im Kurhause, woselbst auch die Eignerbesprechung der an der Seeregatta teilnehmenden Fahrzeuge stattfand. Leider wurde bei dieser Gelegenheit beschlossen, die an und für sich mit 60 Seemeilen kurz bemessene Rennstrecke wegen des heute stehenden Seeganges auf 40 Seemeilen zu verkürzen, was die Eigner der wirklich seegehenden Fahrzeuge und besonders die teilnehmenden Schweden sehr enttäuschte. Ohne Kritik üben zu wollen, wäre etwas mehr Schneid am Platze gewesen.

Immerhin unter den ersten zehn

Der nun darauffolgende Tag brachte nun die langersehnte Seeregatta, die infolge des ganz ruhig gewordenen Wetters mehr einer Binnen- als einer Seeregatta glich. Unter diesen Verhältnissen war es unserem fabelhaft laufenden Boot leider nicht möglich, die Vorgabe herauszuarbeiten, so daß wir uns schließlich mit einem achten Preis begnügen mußten, denn Vollgas konnte bei der fast spiegelglatten See auch jede Spreekutsche fahren.

Da der Eigner aus geschäftlichen Gründen auf einige Tage nach Berlin mußte, und die Crew lieber in Warnemünde dem Badeleben huldigen wollte, benutzten wir den nächsten Tag bei wieder auffrischendem Wind und Seegang zur Rückfahrt dorthin!

Der siebte Teil folgt!

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Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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