25 Jahre Elling-Club, Teil IIISicherheit an Bord, Freundschaft am Steg

Antonia von Lamezan

 · 19.07.2026

Ellings im Hafen von Antwerpen. Beim 25. Club-Jubiläum erzählen Eigner, was sie an ihrer Elling schätzen.
Foto: SKYVISION DRONE
Komfort ist für viele Eigner wichtig, auf längeren Törns zählen aber vor allem Verlässlichkeit und Erfahrung. Beim Elling-Club-Treffen in Antwerpen erzählen mehrere Eigner, warum für sie nicht nur durchdachte Technik, sondern auch gegenseitige Hilfe und Freundschaften am Steg den Unterschied machen.

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Text: Antonia von Lamezan

Am Donnerstagvormittag laden Jürgen und Ilse Blersch auf ihre „Miss Elli“ ein. Erdbeeren stehen auf dem Tisch, die Kaffeemaschine läuft auf Hochtouren. Das Boot liegt als Mittelboot im Päckchen. Ständig kommen andere Clubmitglieder vorbei, steigen über das Deck und bleiben auf einen Plausch. Neben ihrer Elling besitzen Jürgen und Ilse auch weiterhin ihre Bavaria 38 am Bodensee. „Im Herzen sind wir Segler“, sagt Ilse. 2021 ergänzten sie ihre Flotte um eine gebrauchte Elling E4. Mehrere Monate an Bord zu leben, Waschmaschine, Geschirrspüler, Trockner oder eine Außenküche zu nutzen, all das wäre auf dem Segelboot keine Option.

Als vor der Waal plötzlich nichts mehr ging

Beeindruckt hat sie auch die durchdachte Technik an Bord. Besonders der vollständig unabhängige Hilfsmotor. Als in den Niederlanden vor einer Schleuse auf der Zufahrt zur Waal plötzlich die Hauptmaschine ausfiel, brachte sie genau dieses System aus der heiklen Situation. „Auf einmal ging gar nichts, die Hauptmaschine reagierte nicht mehr“, erinnert sich Jürgen. Zunächst trieb die „Miss Elli“ manövrierunfähig Richtung Waal. Der Hilfsmotor hat ein eigenes Getriebe, einen eigenen Tank und ein eigenes Ruder. Er sprang sofort an und brachte das Boot sicher aus einer Lage, die durch die Strömung und die nicht gerade geringe Berufsschifffahrt auf dem Fluss sonst schnell kritisch hätte werden können.

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Vom Liegeplatz zur Freundschaft

Die schönsten Erlebnisse an Bord ihrer Elling haben für Ilse jedoch nichts mit Technik zu tun. Im ersten Urlaub mit ihrer „Miss Elli“ legte Jürgen neben einer anderen Elling an, obwohl rundum im Hafen reichlich Platz war. Der Nachbar stand schon bereit und nahm die Leinen entgegen. Sie verabredeten sich zum Grillen, blieben spontan länger als geplant und wurden Freunde. Dieser Liegeplatz-Nachbar war Ad, der heute Präsident des Elling Clubs ist. Ilse und Jürgen möchten mit ihrer Elling die Donau hinabfahren, wo in Österreich Ilses Familie lebt. „Die Gemeinschaft ist aber so toll, dass wir es uns zweimal überlegen, ob wir mit dem Boot wirklich so weit von Holland wegwollen“, sagt Ilse und lacht mit einem Augenzwinkern. Aus einer zufälligen Hafenbekanntschaft wurde eine Freundschaft. Es ist eine Geschichte, die so oder so ähnlich während des Treffens immer wieder erzählt wird.


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Auf großer Reise zählt Vertrauen

Am Heck der „Zeeotter“ sitzt Josh und blickt über den Hafen. Der Amerikaner aus Seattle nimmt zum ersten Mal am Treffen teil und fühlt sich schon nach wenigen Tagen angekommen. „Diese Community ist wirklich cool“, sagt er. Josh ist mit Booten aufgewachsen. Sein Vater verkaufte Segelboote. Er selbst lebte bereits mehrere Jahre auf dem Wasser, zeitweise mit seiner Frau, drei Kindern, einem Hund und zwei Katzen. Als er erstmals eine Elling sah, war er fasziniert. Die Yacht lag damals jedoch außerhalb seines Budgets. Später verkaufte Josh sein Unternehmen, das Pflegedienste koordinierte. Viele Menschen, mit denen er über seinen Beruf in Kontakt gekommen war, waren plötzlich pflegebedürftig geworden oder früh gestorben. Das brachte ihn zum Nachdenken. „Ich beschloss, nicht länger zu warten.“

Er kaufte in Großbritannien die „Zeeotter“ und umrundete auf seiner ersten großen Reise das Vereinigte Königreich. Auf der Nordsee geriet er dabei auch in schweres Wetter. Bei 30 Knoten Wind kämpfte sich sein Boot durch Strömung und steile Wellen, die krachend auf das Deck brachen. „Angst hatte ich nicht. Man spürt, dass das Boot dafür gebaut ist. Mein Körper ist allerdings weniger auf so einen Seegang ausgelegt. Ich war sehr froh, als wir den sicheren Hafen erreichten.“ Heute pendelt Josh zwischen seinem Zuhause in den USA und seiner Elling in Europa. Rund drei Monate im Jahr lebt er an Bord. Seine Reisen dokumentiert Josh auf dem YouTube-Kanal „Port to Port“. Seine nächsten Ziele sind die Niederlande, Dänemark, Schweden und eines Tages bis ins Mittelmeer zu fahren.


​​Serie: 25 Jahre Elling-Club

In Teil 3 geht es um Technik, Sicherheit und Freundschaften, In Teil 2 geht es um das Leben an Bord einer Elling. Teil 1 erzählt vom Jubiläumstreffen in Antwerpen und von der Gemeinschaft am Steg.


Wie wichtig wäre dir auf einer Motoryacht ein unabhängiges Back-up-System wie ein Hilfsmotor? Pflicht oder eher Speziallösung? Diskutiere mit in den Kommentaren.


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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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